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EZB steht vor historischer Entscheidung

Nachdem das Ende des Euromindestkurses der Schweizerischen Nationalbank für Schockwellen gesorgt hat, blickt die Finanzwelt nach Frankfurt.

«Die EZB sollte versuchen, die Märkte zu überraschen»: Blick auf das neue Gebäude der EZB in Frankfurt. (14. Januar 2015)
«Die EZB sollte versuchen, die Märkte zu überraschen»: Blick auf das neue Gebäude der EZB in Frankfurt. (14. Januar 2015)
AP Photo

EZB-Präsident Mario Draghi scheint fest entschlossen, auf dem ersten geldpolitischen Treffen der Währungshüter in diesem Jahr die Geldschleusen ganz weit zu öffnen und den Banken noch mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen.

In Vorbereitung ist ein breit angelegter Aufkauf von Euro-Staatsanleihen - im Fachjargon «quantitative Lockerung» (QE) genannt. Auch wenn die deutsche Bundesbank einen solchen unkonventionellen Schritt weiterhin ablehnt, dürfte Draghi mittlerweile eine Mehrheit im EZB-Rat sicher haben.

Der mit Spannung erwartete EZB-Beschluss hat bereits für Turbulenzen gesorgt. Durch die Aussicht auf Anleihenkäufe hat der Euro weiter an Wert verloren. So drückte er in letzter Zeit wieder auf die Untergrenze der SNB, welche die Nationalbank nun fallengelassen hat.

An der Börse gilt die neuerliche Geldspritze der EZB inzwischen als ausgemachte Sache - entsprechend hoch ist allerdings auch das Risiko, sollte Draghi anders entscheiden. «Allein aus Gründen der Glaubwürdigkeit scheint QE unvermeidbar», erklärten die Ökonomen der Grossbank UniCredit.

Auch Helaba-Analyst Ulrich Wortberg geht fest davon aus, dass die EZB liefern wird. «Die Frage ist jetzt, wie die Details und das Volumen aussehen werden.» Die UniCredit-Experten erwarten mindestens 500 Milliarden Euro für Staatsbonds und zusätzliche bis zu 250 Milliarden für Unternehmensanleihen sowie weitere Wertpapiere.

Deflation verhindern

Draghis Kalkül hinter dieser ultra-lockeren Geldpolitik nach dem Vorbild der USA: Weiter fallende Bonds-Renditen sollen Banken dazu bringen, wieder in riskantere Anlageprodukte zu investieren und etwa mehr Kredite zur Verfügung zu stellen. Die derzeit lahmende Konjunktur in der Euro-Zone würde dadurch angekurbelt - und die Teuerungsrate wieder steigen.

Die Gefahr eines Abwärtssogs aus fallenden Preisen, schwachem Konsum und schrumpfenden Investitionen könnte abgewendet werden. In der Euro-Zone waren die Lebenshaltungskosten im Dezember erstmals seit mehr als fünf Jahren um 0,2 Prozent gefallen.

Nach Ansicht des Berliner Ökonomen Marcel Fratzscher sollte Draghi gleich in die Vollen gehen. «Die EZB sollte versuchen, die Märkte zu überraschen und eher sofort auf die tausend Milliarden Euro zu gehen», sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu Reuters. Die Summe entspräche rund 10 Prozent der Staatsanleihen der Euro-Zone, erklärt der Ökonom.

Ringen um Details

Über die Details des Programms wird nach wie vor heftig unter den Euro-Notenbankern gerungen. So muss geklärt werden, ob alle Staatsanleihen von der EZB gekauft werden oder ob auch die Zentralbanken der Euro-Länder auf eigenes Risiko Titel erwerben sollen.

Auch die Frage, welche Papiere aufgekauft werden sollen und welche Bonität sie haben dürfen, muss beantwortet werden, wie auch eine mögliche Obergrenze. Eine Option dabei wäre, entsprechend der Grösse und Wirtschaftskraft der Länder Bonds zu erwerben.

Weil viele technische Dinge noch geklärt werden müssen, könnte Draghi laut Experten am Donnerstag womöglich nur einen grundsätzlichen Beschluss präsentieren. Die Details würden dann bis zur darauffolgenden Ratssitzung am 5. März in Zypern ausgearbeitet.

Die deutsche Bundesbank steht QE seit langem kritisch gegenüber. Sie befürchtet, dass es zu einer Umverteilung der Risiken der Steuerzahler kommt. Zudem kritisiert Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, dass umfassende Staatsanleihenkäufe für hoch verschuldete Staaten als Absicherung gegen eine mögliche Pleite verstanden werden könnten. Der Reformeifer in den Ländern würde so gebremst.

SDA

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