Droht jetzt auch ein Währungskrieg?

Der US-Präsident glaubt, die US-Notenbank schwäche ihn im Handelskrieg. China und Europa wirft er die Manipulation ihrer Währungen vor.

Der Präsident macht Druck auf die Notenbank: Donald Trump (rechts) mit dem von ihm nominierten Fed-Chef Jerome Powell.

Der Präsident macht Druck auf die Notenbank: Donald Trump (rechts) mit dem von ihm nominierten Fed-Chef Jerome Powell.

(Bild: Keystone)

Markus Diem Meier@MarkusDiemMeier

Donald Trump habe keineswegs im Sinn, Druck auf die US-Notenbank Fed auszuüben, damit diese von weiteren Zinserhöhungen absehe. Diese Zusicherung machte der US-Finanzminister Steven Mnuchin am Samstag am Treffen der Finanzminister der G-20-Staaten in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.

Bei den Worten von Mnuchin an seine Amtskollegen ging es um mehr, als diese darin zu beruhigen, dass der US-Präsident die Unabhängigkeit der Notenbank nicht zu verletzen gedenke. Diese dürften noch eine ganz andere Sorge umtreiben: jene vor einem Währungskrieg mit gegenseitigen und schädlichen Abwertungsrunden.

Sehr glaubwürdig ist Mnuchins Beruhigung hingegen nicht. Denn Trump selbst wandte sich in den letzten Tagen gleich mehrfach unmissverständlich öffentlich mit der Botschaft ans Fed, auf keinen Fall die Zinsen weiter anzuheben: «Eine Erhöhung der Leitzinsen wäre schmerzhaft für alles, was wir erreicht haben», schrieb Trump noch am Freitag. Zuvor schon hat er in einem Interview mit dem Finanzsender CNBC die gleiche Botschaft verkündet.

Währungen können die Zölle neutralisieren

Trump stört sich vor allem daran, dass sich der Dollar jüngst sowohl gegenüber der chinesischen Währung Yuan Renminbi als auch gegenüber dem Euro deutlich aufgewertet hat. Zinserhöhungen der Notenbank verteuern den Dollar weiter. Teurer werden damit auch US-Produkte im Ausland, und jene von dort werden günstiger. Damit werden zumindest teilweise die Zollaufschläge der Amerikaner neutralisiert.

Auswirkungen auf die Börse: Aus Furcht vor einem ausgewachsenen Handelskrieg mit den USA ziehen sich weitere Anleger aus dem deutschen Aktienmarkt zurück. (Video: Reuters)

Wie Trump in einem seiner Tweets deutlich gemacht hat, sind an der Dollaraufwertung die Chinesen und die Europäer schuld, weil diese ihre Währungen künstlich auf Kosten der Amerikaner schwächen und die Zinsen künstlich tief halten würden. Die meisten Ökonomen sehen den Grund für die relative Dollarstärke dagegen in den USA selbst – vor allem im starken Wachstum der dortigen Wirtschaft –, befeuert auch durch Trumps Steuergeschenke.

Dass die Notenbank die Zinsen erhöht, entspricht ihrem gesetzlichen Auftrag und ist eine Folge der immer heisser laufenden US-Wirtschaft. Denn diese Entwicklung führt dazu, dass die Inflation ansteigt. Mit 2,8 Prozent hat sie den Zielwert des Fed von 2 Prozent bereits deutlich überschritten. Selbst ohne stark schwankende Komponenten wie Energie- und Lebensmittelpreise und gemessen am (vom Fed bevorzugten) Index der Konsumausgaben ist die 2-Prozent-Grenze bereits erreicht. Und die Leitzinsen sind auch beim aktuellen Zielband von 1,75 bis 2 Prozent noch immer tief.

Ein Fed nach Trumps Gnaden

Dass Trump erklärt hat, die Notenbank machen zu lassen, was sie für das Beste hält, hat wenig Bedeutung. Sowohl Institutionen (wie die Strafverfolgungsbehörden in den USA) als auch Unternehmen (wie Harley-Davidson) mussten wiederholt erleben, wie sie der Zorn des Präsidenten treffen kann, wenn sie dessen Wünschen nicht nachkommen.

Dazu kommt, dass Trump den aktuellen Präsidenten des Fed, Jerome Powell, ausgewählt und dessen Vorgängerin Janet Yellen – anders als das bisher üblich war – nicht im Amt bestätigt hat. Schon im Vorfeld der Wahl von Powell zum Fed-Chef kam die Befürchtung auf, Trump wolle mit seiner Möglichkeit, das Führungsgremium der Notenbank zu nominieren, das Fed seinen politischen Zielen unterwerfen. Aktuell sitzen nur drei Gouverneure im Leitungsgremium des Fed, inklusive Powell wurden zwei davon bereits von Trump bestimmt, vier weitere kann er dem Senat zur Bestätigung vorschlagen.

Trumps Äusserungen und sein Druck auf die Notenbank haben an den Devisen- und Zinsmärkten bisher wenig Wirkung gezeigt: Der Dollarauftrieb wurde vorderhand zumindest gegenüber dem Euro gebremst. Auch die Langfristzinsen haben sich etwas reduziert. Die relativ milde Entwicklung dieser Marktsätze spricht allerdings bisher gegen die Erwartung, wonach die Notenbank ihre geplanten Zinserhöhungen auf Wunsch des Präsidenten aussetzen wird. Einige Ökonomen halten es sogar für möglich, dass sie noch forscher dabei vorgehen könnte als bisher geplant – um damit ihre Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen.

Die Interessen der Europäer und Chinesen

Dass sich der Handelskrieg auch auf die Währungen auszuweiten droht, kommt jedenfalls wenig überraschend. Bei einem Besuch in Zürich hat Ewald Nowotny, Mitglied des Führungsgremiums der Europäischen Zentralbank (EZB) und Chef der Österreichischen Notenbank, bereits vor einem nicht intendierten Währungskrieg gewarnt. Dass die EZB ihre Zinsen noch bis mindestens zum Sommer des nächsten Jahres nicht anheben will, begründet sie damit, dass die Wirtschaftslage in Europa trotz starkem Wachstum noch nicht stabil genug sei. Es ist dennoch kein Geheimnis, dass der EZB ein schwacher Euro gelegen kommt: weil das Wachstum der Eurozone stark von den Exporten abhängt und weil das die Inflation weiter ansteigen lässt, was die Notenbank auch anstrebt.

Bisher kaum an einer aktiven Schwächung der eigenen Währung interessiert dürfte dagegen China sein, obwohl sich diese gegenüber dem US-Dollar in jüngster Zeit deutlich abgewertet hat. Deshalb will die US-Regierung diese Kursentwicklung auch genauer untersuchen. Doch als es in den Jahren 2015 und 2016 ebenfalls zu einer starken Abwertung der chinesischen Währung kam, führte dies zu einer massiven Kapitalflucht aus China, was es den Behörden erschwert hat, das inländische Finanzsystem zu stabilisieren.

Bisher noch wenig betroffen durch die Rhetorik zu den Währungsverhältnissen ist der Kurs des Schweizer Frankens. Sollten die Länder als Antwort auf höhere Zölle aber tatsächlich damit beginnen, aktiv ihre Währungen zu schwächen, dürfte es damit vorbei sein. Dann würde sich der Franken rasch wieder als sicherer Hafen anbieten, und eine deutliche Aufwertung könnte erneut folgen.

DerBund.ch/Newsnet

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