Diese Produkte bezahlen Schweizer besonders teuer

Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel. Wofür wir besonders tief ins Portemonnaie greifen müssen – und wo ein Preisvorteil winkt.

Schweizer Händler bezahlen bereits im Einkauf mehr: Zwei Frauen wickeln ein Geschäft ab. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Schweizer Händler bezahlen bereits im Einkauf mehr: Zwei Frauen wickeln ein Geschäft ab. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Vier Monate vor Ablauf der Frist ist das Ziel bereits erreicht: Über 100'000 Unterschriften konnte das Komitee für ihre Initiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise». Heute werden die Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Die Initiative verlangt eine Anpassung des Kartellgesetzes und des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.

Insbesondere Kleidung, Kosmetikartikel und Zeitschriften seien in der Schweiz massiv teurer als anderswo, obwohl es sich um die gleichen Produkte handle. Das Problem beginnt bereits beim Einkauf der Schweizer Detailhändler: Noch bevor Kosten wie etwa Löhne in der Schweiz anfallen, sind die Einstandspreise für Migros, Coop, Denner und Co. teilweise höher als die Verkaufspreise in den deutschen Läden.

Kosten für Kosmetika besonders hoch

Gemäss der SRF-Sendung «Kassensturz» kostet beispielsweise die Nivea-Vital-Tagescreme in Konstanz 6.74 Franken. Schweizer Detailhändler bezahlen dafür jedoch im Einkauf bereits 8.96 Franken – also mehr als die Kunden in Deutschland. Konsumenten in der Schweiz bezahlen 17.80 Franken.

Unterschied beim Einkaufspreis: Produkt von Nivea für 6.74 (Deutschland) respektive 8.96 Franken in der Schweiz. Foto: PD

Ähnlich hohe Aufpreise muss in Kauf nehmen, wer sich für die L’Oreal Age Perfect entscheidet. Der Preis im Drogeriemarkt in Konstanz ist 3.49 Franken, der Einstandspreis für Detailhändler beträgt 5.06 Franken. Diese Preissteigerung wird auf den Endkunden abgewälzt. 10.30 Franken kostet das Produkt in der Schweiz – das sind 195 Prozent mehr.

Preisdifferenz von 195 Prozent: Creme von L’Oreal. Foto: PD

Textilien ein Drittel teurer

Ähnlich düster sieht die Lage bei den Kleiderpreisen aus. Die Textilien berühmter Modeketten sind – trotz tieferer Mehrwertsteuer – durchschnittlich 31,4 Prozent teurer als in Deutschland, wie ein 2017 durchgeführter Preisvergleich der Stiftung für Konsumentenschutz zeigt.

Der Schweiz-Zuschlag variiert je nach Anbieter stark: Die grössten Preisunterschiede finden sich beim H&M (44,5 Prozent), gefolgt von Esprit (38,8 Prozent), Mango (28,8 Prozent), Zara (25,8 Prozent) und Vero Moda (19,4 Prozent).

Kleider kosten bei H&M in Deutschland ungefähr halb so viel wie in der Schweiz. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Für den Vergleich wurden die Onlinepreise, inklusive Mehrwertsteuer, von 150 Bekleidungsstücken berücksichtigt. Mehrwertsteuerbereinigt beträgt der durchschnittliche Aufschlag in der Schweiz gegenüber Deutschland sogar 44,8 Prozent.

Schweizer Produkte in Deutschland billiger

Besonders teuer sind in der Schweiz auch Nahrungsmittel. Die Preisunterscheide für gewisse Produkte betragen im Vergleich zu Deutschland im Extremfall über 100 Prozent. Die europäische Statistikbehörde hat errechnet, dass die Preise für die Nahrungsmittel in der Schweiz letztes Jahr 73 Prozent über dem europäischen Mittel lagen. Damit ist die Schweiz innerhalb von Europa die Hochpreisinsel schlechthin. Einzig in Norwegen war das Preisniveau (plus 63 Prozent) ähnlich hoch.

Erstaunlich: Auch Schweizer Produkte sind teilweise in Deutschland billiger als in ihrem Herkunftsland. Wer sich eine 160-Gramm-Packung Toggenburger Kägi fret im deutschen Supermarkt Rewe kaufen will, bezahlt 2,99 Euro (ca. 3.48 Franken). Im Coop kostet dasselbe Produkt 3.65 Franken.

Made in Switzerland, aber billiger in Deutschland: Fabrikarbeiterin bei Kägi/Toggenburger. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Wer den Ärger mit einem Bier runterspülen will, ärgert sich gleich nochmals. Ein halber Liter Lagerbier kostete 2014 an einem Schweizer Tresen durchschnittlich 7.75 Franken. In deutschen Kneipen kostete dasselbe Glas Bier 4.39 Franken, also nur gut halb so viel.

Ennet der Grenze knapp doppelt so teuer: Ein Glas Bier. Foto: Keystone.

Linderung verspricht hingegen der Kauf von Elektronikartikeln. Diese sind fast durchgehend billiger in der Schweiz. Das zeigte 2014 eine Erhebung von Preisbarometer.ch. Am grössten war die Preisdifferenz gegenüber Italien: ein Warenkorb mit 34 Produkten kostet bei Amazon Italia 38 Prozent mehr als beim günstigsten Schweizer Anbieter (Microspot).

mrs

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