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Die unglaublich schrumpfenden Banken

Ob Zürich, London oder New York, überall werden Banker im grossen Stil entlassen. Fünf Gründe, warum der Finanzindustrie eine Zeit der gedämpften Erwartungen bevorsteht.

Heute hat die UBS den Abbau von 3500 Stellen bekannt gegeben: UBS-CEO Oswald Grübel (r.) und Finanzchef Tom Naratil an der Präsentation der Halbjahreszahlen am 26. Juli. Schon damals wurden einschneidende Kostensparmassnahmen angekündigt.
Heute hat die UBS den Abbau von 3500 Stellen bekannt gegeben: UBS-CEO Oswald Grübel (r.) und Finanzchef Tom Naratil an der Präsentation der Halbjahreszahlen am 26. Juli. Schon damals wurden einschneidende Kostensparmassnahmen angekündigt.
Keystone
Konkretes zum Stellenabbau war auch bei der Credit Suisse anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen noch nicht zu erfahren: Credit-Suisse CEO Brady Dougan (l.) und Finanzchef David Mathers.
Konkretes zum Stellenabbau war auch bei der Credit Suisse anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen noch nicht zu erfahren: Credit-Suisse CEO Brady Dougan (l.) und Finanzchef David Mathers.
Keystone
Die Wallstreet gilt nach wie vor als das Zentrum der weltweiten Finanzmärkte. Auch hier droht für die Banker ein «Job-Blutbad».
Die Wallstreet gilt nach wie vor als das Zentrum der weltweiten Finanzmärkte. Auch hier droht für die Banker ein «Job-Blutbad».
Keystone
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3500 Mitarbeiter entlässt die UBS, die CS hat bereits Ende Juli angekündigt, 2000 Stellen abzubauen. In London erhalten Banker den blauen Brief, und an der Wallstreet ist ebenfalls ein Job-Blutbad im Gange. An sich sind Entlassungen bei Banken nicht ungewöhnlich, die Industrie ist zyklisch und zynisch. Doch was sich derzeit abspielt, geht weit über das Übliche hinaus. «Banker und Regulatoren sind sich einig, dass sich möglicherweise ein fundamentaler Wandel abspielt in der Art und Weise, wie die Bankenwelt ihre Mitarbeiter beschäftigt», stellte die «Financial Times» fest.

Betroffen sind vor allem die Investmentbanker. Dafür gibt es gute Gründe. Hier sind die fünf wichtigsten:

  • Lohnstruktur: Die endlosen Diskussionen über Boni haben dazu geführt, dass Banker wieder vermehrt zu Fixlöhnen angestellt werden. Das gilt speziell auch für die Schweizer Grossbanken. Gemäss einer Studie von JPMorgan Chase wird der fixe Anteil des Lohnes bei der UBS von 35 auf 63 Prozent steigen, bei der CS gar von 37 auf 80 Prozent. Hohe Fixlöhne verhindern die natürliche Fluktuation. Wenn bisher Banker mit ihrem Bonus nicht zufrieden waren, wechselten sie den Arbeitgeber, jetzt bleiben sie sitzen. Auch die Tatsache, dass Boni heute oft erst nach Jahren ausbezahlt werden, verstärkt die sesshafte Tendenz. Wenn die Banken zu viel Personal haben, können sie daher nicht mehr auf die Fluktuation zählen, sie müssen vermehrt entlassen.
  • Nicht nachhaltige Gewinne: Bis zum Ausbruch der Finanzkrise haben die Banken gelebt wie die Maden im Speck. Eine Eigenkapitalrendite – das Mass aller Dinge im Bankgeschäft – von 25 Prozent wurde als völlig normal betrachtet, wie uns Josef Ackermann jeden Tag und am Montag zweimal gepredigt hat. Diese Gewinne waren jedoch nur dank Immobilienblasen und toxischen Finanzinstrumenten möglich. Das ist nun vorbei. Selbst Oswald Grübel hat das inzwischen eingesehen. Die UBS hat ihr unrealistisches Gewinnziel von 15 Milliarden Franken offiziell fallen gelassen.
  • Übertriebene Spekulationen: Nicht nur die toxischen Finanzinstrumente, auch der sogenannte Eigenhandel (oder «prop trading» im Jargon) hat die Gewinne aufgebläht. Auch hier ist die Party vorbei. Der Eigenhandel soll auf allen Finanzplätzen massiv eingeschränkt oder gar untersagt werden. Frustrierte Banker wandern zu Hedgefonds ab. Die Banken werden zudem gezwungen, ihr Eigenkapital aufzustocken (Basel III). Das schmälert den Allerheiligsten, den ROE.
  • Verärgerte Kunden: In den meisten Branchen ist der Kunde König. Bei den Banken ist ein Held, wer seinen Kunden «das Gesicht ausreisst». Dummerweise hat sich das nach der Finanzkrise herumgesprochen. Goldman Sachs ist derzeit in der Bredouille, weil bekannt wurde, dass die Bank ihren Kunden Finanzprodukte angedreht hat, gegen die sie selbst im Eigenhandel gewettet hat. Das hat ihr eine 500-Millionen-Dollar-Busse der Börsenaufsicht und nicht enden wollenden Ärger eingetragen. Gestern ist die Goldman-Aktie mehr als fünf Prozent getaucht, weil bekannt wurde, dass der CEO Lloyd Blankfein einen Staranwalt verpflichtet hat. Die jüngsten Quartalsergebnisse sind für Goldman-Verhältnisse ein schlechter Witz. Doch niemand lacht: Alle sehen die Zeichen an der Wand.
  • Verärgerte Aktionäre: CEOs sehen sich als Wohltäter ihrer Aktionäre, bei den Banken herrscht Sozialismus für die Reichen. Der ehemalige Investmentbanker und heutige Rechtsprofessor Frank Partnoy stellt fest: «Obwohl die Banken die Musterschüler des Kapitalismus sein sollten, haben die letzten zwei Jahrzehnte gezeigt, dass die Banker den Klassenkampf gewonnen haben. Je grösser die Banken wurden, desto mehr ist der Gewinnanteil der Banker (auf Kosten der Aktionäre) gewachsen. Es ist wie im professionellen Sport: Die Stars haben kassiert und den Eigentümern der Vereine wenig oder gar nur Verluste überlassen. Eigentümer von Sportclubs lassen sich das gefallen, weil sie dafür Glamour erhalten. Aber eine Bank zu besitzen, ist alles andere als glamourös, und künftig werden die Eigentümer weniger Spiele mit kleineren Teams absolvieren.»

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