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«Die SNB hat momentan nicht viele Optionen»

Die Nationalbank reagiert bereits zum dritten Mal gegen den starken Franken. Sie will die Liquidität am Geldmarkt nochmals «signifikant» ausweiten. Der Franken-Kurs reagierte aber nicht so wie gewünscht.

Interveniert bereits zum dritten Mal: Die Schweizerische Nationalbank, hier der Sitz in Zürich.
Interveniert bereits zum dritten Mal: Die Schweizerische Nationalbank, hier der Sitz in Zürich.
Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erreicht mit ihren neuen Massnahmen gegen den starken Franken keine Schwächung der Währung, im Gegenteil: Der Franken gewann nach der Ankündigung sprunghaft an Wert.

Innerhalb von wenigen Minuten sank der Wechselkurs des Euro von über 1,15 bis auf 1,1234 Franken. Bis zum Mittag hat sich der Euro indes auf 1,1358 Franken erholt. Der Dollar-Kurs sank von über 80 Rappen auf ein Tagestief von 78,25 Rappen, zur Berichtszeit notierte die US-amerikanische Währung bei 78,69 Rappen.

Liquidität signifikant ausweiten

Die SNB will die Liquidität am Franken-Geldmarkt durch eine Ausweitung der Giroguthaben der Banken von 120 Milliarden Franken auf 200 Milliarden Franken signifikant erhöhen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Dazu will sie wie schon zuvor SNB Bills zurückkaufen und Devisen-Swaps einsetzen.

Die SNB hatte Anfang August, als der Kurs des Euro auf nahezu einen Franken gesunken war, eine erste Ausweitung der Liquidität beschlossen. Die Nationalbank setzte sich eine Erhöhung der Giroguthaben der Banken auf 80 Milliarden Franken zum Ziel. Eine Woche später hob sie die Grenze auf 120 Milliarden Franken an.

Die Währungshüter bekräftigten in der Mitteilung vom Mittwoch ihre Ankündigung, bei Bedarf weitere Massnahmen gegen die Frankenstärke zu ergreifen.

Märkte erwarteten Untergrenze

Den Grund für die Reaktion der Märkte sehen Analysten darin, dass die Anleger mit einer direkten Intervention am Devisenmarkt gerechnet hatten. «Die Märkte hatten erwartet, dass die SNB eine Untergrenze festlegt», sagte David Marmet, Leiter Volkswirtschaft Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank. Entsprechend enttäuscht seien die Reaktionen auf die angekündigten Massnahmen ausgefallen.

Diese Einschätzung teilt Oliver Adler, Leiter Internationale Volkswirtschaft bei der Credit Suisse. Die Kursstürze seien aber eine kurzfristige Reaktion, für eine Bewertung der Massnahmen sei es noch zu früh, sagte er.

«Die SNB hat momentan nicht viele Optionen», so Adler. Eine Anbindung des Frankens an den Euro sei unwahrscheinlich. Die getroffenen Massnahmen der Nationalbank hätten bisher gut funktioniert.

Situation hat sich beruhigt

Durch die kontinuierliche Ausweitung der Liquidität werden in den Augen der Analysten allerdings weitergehende Massnahmen wie die Festsetzung eines Kursziels oder einer Kursuntergrenze immer weniger wahrscheinlich. «Wenn die Nationalbank mehrmals solche Massnahmen trifft, erwarten die Finanzmärkte irgendwann nicht mehr, dass die SNB eine Untergrenze glaubwürdig verteidigen kann», erklärte David Marmet.

Eine direkte Intervention am Devisenmarkt wird laut Oliver Adler aber noch aus einem anderen Grund unwahrscheinlich. Die Situation am europäischen Anleihenmarkt habe sich beruhigt. Die Zinsen italienischer und spanischer Staatsanleihen seien wieder deutlich tiefer, was die Flucht in den Schweizer Franken vermindere. «Die Situation im internationalen Umfeld deutet nicht mehr so stark auf eine weitere Stärkung des Frankens hin», so Adler.

Weitere Interventionen möglich

Dennoch werde die Entwicklung in Europa entscheidend für das weitere Vorgehen der SNB sein, sagte David Marmet. «Sollte sich die Eurokrise in den nächsten Wochen nicht deutlich beruhigen, müssen wir mit weiteren Massnahmen der SNB rechnen.»

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) begrüsste in einer Stellungnahme die angekündigten Massnahmen der SNB. Die Nationalbank setze damit die richtigen Signale gegen Währungsspekulationen.

Der Schweizer Aktienmarkt sank als Reaktion auf die Ankündigung der SNB zunächst deutlich ins Minus. Der Swiss Market Index (SMI) lag zeitweise über 1,5 Prozent im Minus, erholte sich im Verlauf des Vormittags aber wieder bis auf -0,3 Prozent.

(sda/dapd)

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