Zum Hauptinhalt springen

Die Schweizer Industrie ist im Aufwind

Die Unternehmen der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie haben 2010 ihre Bestellungseingänge erhöhen können. Die Frankenstärke macht aber Sorgen.

Das letzte Quartal gibt Grund zur Hoffnung: Eine Mitarbeiterin der Bieler Firma DT Swiss AG fertigt Velospeichen.
Das letzte Quartal gibt Grund zur Hoffnung: Eine Mitarbeiterin der Bieler Firma DT Swiss AG fertigt Velospeichen.
Keystone

Eine Umfrage von Swissmem, dem Verband der besonders exportlastigen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, brachte ein beunruhigendes Resultat: 28 Prozent der Firmen seien wegen der Frankenstärke in die Verlustzone gefallen, sagte Swissmem-Präsident Hans Hess an der Jahresmedienkonferenz der Verbandes in Zürich.

Der Nachfolger von Bundesrat Johann Schneider-Ammann an der Swissmem-Spitze befürchtet, dass die Frankenstärke die Branche in diesem Jahr härter treffen wird als 2010. Im vergangenen Jahr sank zwar der Umsatz der MEM-Industrie nochmals um 1 Prozent. Er liegt damit um 21 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2008. Die Bestellungseingänge zogen aber wieder um 16,4 Prozent an, im vierten Quartal waren es sogar 29,3 Prozent. Von Oktober bis Dezember erhöhte sich erstmals auch der Umsatz ( 5,9 Prozent) wieder.

17 Prozent teurer

Die Exporte der MEM-Industrie - sie machen etwa 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus - stiegen 2010 um 6,5 Prozent auf 67,6 Milliarden Franken. Diese Erholung sei zwar positiv. Die negativen Auswirkungen der Frankenstärke würden aber erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten voll durchschlagen, sagte Hess.

2010 seien die Schweizer Produkte in Euro gerechnet wegen des veränderten Wechselkurses um 17 Prozent teurer geworden. In der Umfrage bei gut 200 Swissmem-Mitgliedern gab knapp die Hälfte der Firmen an, deswegen einen Margenverlust von mehr als 6 Prozentpunkten erlitten zu haben. Zuvor lag die durchschnittliche Marge zwischen 6 und 8 Prozent.

Als kurzfristige Massnahmen empfiehlt Swissmem den Firmen, sich gegen Fremdwährungsverluste mit Finanzinstrumenten abzusichern und wo möglich die Preise zu erhöhen.

Euro als Parallelwährung

Zudem sollen Lieferanten vermehrt in Euro bezahlt werden, sei es im Euro-Raum oder auch in der Schweiz. Die Entlöhnung der Angestellten in Euro oder längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn hätten hingegen Ausnahmecharakter, sagte Hess. 16 Prozent der befragten Firmen hätten Teile der Wertschöpfung bereits in den Euro- Raum verlagert, ein weiteres Viertel denke darüber nach.

Ende September waren in der MEM-Industrie 329'870 Menschen beschäftigt. Das sind 2541 weniger als im Jahr 2009, als netto bereits 23'388 Stellen gestrichen worden waren.

Ausländische Fachkräfte gesucht

Die Auftragsbücher sind laut Swissmem-Direktor Peter Dietrich zwar gut gefüllt. Es bestehe aber wenig Aussicht auf Besserung an der Währungsfront, womit sich die Margen kaum verbessern würden. Die Firmen müssten deshalb neue Wachstumsmärkte erschliessen und in Produkte und Prozesse investieren.

Von der Politik fordert Swissmem, dass die Freihandelsabkommen mit China und Indien rasch beschlossen werden. Zudem müssten die Mittel für die «Kommission für Technologie und Innovation» (KTI), die Technologietransfers von Hochschulen in Unternehmen ermöglicht, um weitere 50 Millionen Fr. erhöht werden. Letzte Woche hat der Bundesrat die Mittel für 2011 und 2012 um je 10 Millionen Fr. ausgeweitet.

Angesichts des bereits wieder bestehenden Fachkräftemangels dürfe die Personenfreizügigkeit nicht angetastet werden, forderte Swissmem- Präsident Hess. 2010 hätten beispielsweise 7 Prozent der Lehrstellen nicht besetzt werden können.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch