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Die Notenbanker blicken nach Frankfurt

Am Donnerstag gibt die Schweizerische Nationalbank ihren geldpolitischen Kurs bekannt. Eine Leitzinserhöhung gilt aber als unwahrscheinlich.

Mit Experimenten rechnen Analysten nicht: Am Donnerstag werden die geldpolitischen Entscheide der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kommuniziert. Direktor Thomas Jordan bei der Bekanntgabe des SNB.Kurses im Juni 2016 in Bern.
Mit Experimenten rechnen Analysten nicht: Am Donnerstag werden die geldpolitischen Entscheide der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kommuniziert. Direktor Thomas Jordan bei der Bekanntgabe des SNB.Kurses im Juni 2016 in Bern.
Lukas Lehmann, Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird am Donnerstag den Reigen der geldpolitischen Entscheide der Zentralbanken schliessen. Die SNB schaut dabei vor allem nach Frankfurt und weniger nach Washington. Sie dürfte zuwarten und die Zinsen in der Schweiz im negativen Bereich behalten.

Bankenökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed am kommenden Mittwoch mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung um 0,25 Punkte auf 0,5 bis 0,75 Prozent beschliessen wird. Das wäre die erste Leitzinserhöhung seit einem Jahr.

Eine restriktivere Geldpolitik des Fed hat aber nur einen beschränkten Einfluss auf die SNB. Sollte der Dollar als Folge der Leitzinsanhebung des Fed weiter zulegen, hätte die SNB aber immerhin eine Sorge weniger.

EZB-Politik dürfte SNB-Zinsanpassung verhindern

Für die SNB von grösserer Bedeutung bei ihrer dreimonatlichen Lagebeurteilung ist die negative Zinsdifferenz zum Euroraum. Am vergangenen Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen unverändert belassen.

Die EZB pumpt zudem noch länger Milliarden in die Märkte. Das milliardenschwere EZB-Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Papiere wurde nämlich bis mindestens Ende Dezember 2017 verlängert.

Diese weiterhin expansive EZB-Politik dürfte höhere Leitzinsen in der Schweiz verhindern und in weite Ferne rücken lassen. Die SNB wird daher am Donnerstag ziemlich sicher keine Experimente machen.

Analysten gehen davon aus, dass es für die SNB einen Freiraum für regelmässige Zinserhöhungen erst geben wird, wenn die EZB ihre Leitzinsen erhöht. Eine erste Zinserhöhung dürfte die SNB nach Ansicht von UBS-Analysten daher vermutlich erst im zweiten Quartal 2018 vornehmen. Eine Rückkehr zu positiven Leitzinsen stehe nicht vor 2019 auf dem Programm.

Weiterhin «Zweisäulen-Politik»

Die SNB wird daher ziemlich sicher ihre heutige «Zweisäulen-Politik» weiterführen. Diese besteht aus Negativzinsen auf den Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB und Interventionen am Devisenmarkt.

Die St. Galler Kantonalbank erklärt dazu in einer aktuellen Analyse, dass der Geldmarktsatz für dreimonatige Anlagen in Franken derzeit 0,4 Prozent unter dem vergleichbaren Euro-Zins liege.

Ein Minderertrag von 0,4 Prozent pro Jahr mache den Franken zwar nicht wirklich unattraktiv. Die SNB werde dennoch ihre Zinsen nicht senken. Denn laut dieser Analyse wäre ein solch kurzfristiges Signal für einen schwächeren Franken schnell verpufft. Die zusätzliche Belastung der Banken und Pensionskassen durch noch tiefere Zinsen würde jedoch bleiben.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Freiburger Wirtschaftsprofessor Sergio Rossi. Seiner Meinung nach wäre eine weitere Zinssenkung für die Schweizer Wirtschaft schlecht zu ertragen und könnte den Finanzplatz destabilisieren. Würden die Banken den Negativzins allen Kunden weitergeben, würden diese ihr Geld abziehen. Die Banken müssten in der Folge übermässige Risiken auf den Finanzmärkten eingehen.

Anhaltende Deviseninterventionen

Auch wenn die SNB daher ziemlich sicher nicht an der Zinsschraube drehen wird, werden ihre Interventionen am Devisenmarkt fortgesetzt. Diese Bereitschaft dürfte die SNB auch am kommenden Donnerstag wieder deutlich kommunizieren.

In den letzten Wochen hat die SNB laut Analysten den Franken gegenüber dem Euro bei der Marke von 1,07 gestützt. Laut der St. Galler Kantonalbank war der Interventionsbedarf aber deutlich grösser als im Vorjahr.

SDA/jdr

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