«Die Luft wird dünner für die Schweizer Luxushotellerie»

Auf dem Bürgenstock entsteht ein luxuriöses Resort. Dabei kriselt es in der Schweizer Luxushotellerie seit Jahren. Tourismusexperte Urs Wagenseil sagt, was das Problem ist.

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Olivia Raths@tagesanzeiger

Heute erhielt die Öffentlichkeit einen Einblick in die Bauarbeiten des Bürgenstock-Resorts. Wird das Projekt rentieren?
Ich gebe dem Projekt gute Marktchancen und gehe davon aus, dass die Investoren professionelle Vorarbeit auch bezüglich der Finanzierbarkeit geleistet haben. Die Nachfrage nach einem solchen Resort ist grundsätzlich da, auch wenn die Schweiz teurer geworden ist für Gäste aus dem Ausland. Der Bürgenstock ist gut gelegen am Vierwaldstättersee und mit der Nähe zu Luzern, Engelberg, Zug und Zürich. Deshalb eignet er sich auch als Ausflugsziel für einen bis drei Tage. Zudem haben die Investoren und Betreiber des Resorts einiges selber in der Hand.

Was gehört alles dazu?
Erstens das Anbieten von Leistungen, die sich teils auch der Mittelstand leisten kann. Zweitens braucht ein Luxusresort wie auf dem Bürgenstock ein intensives internationales Marketing und drittens eine sehr gute Zusammenarbeit mit Institutionen wie Luzern Tourismus und Schweiz Tourismus und anderen Vermarktungsnetzwerken. Wichtig ist auch die Mundpropaganda, vor allem von den ersten Gästen.

Trotzdem harzt es mancherorts in der Schweizer Luxushotellerie, etwa im Intercontinental in Davos oder im Dolder Grand in Zürich in den ersten Jahren nach dessen Neueröffnung. Warum?
Die Luft wird tatsächlich dünner für die Schweizer Luxushotellerie, auch wenn es immer wieder erfolgreiche Beispiele gibt. Neben den Währungsschwankungen ist die Kommunikation ein Problem: Etliche Luxushotels haben ein etwas abgehobenes Image. Es ist in die Köpfe vieler Leute einbetoniert, dass ein Otto Normalverbraucher nicht dorthin geht. Dieses Image beeinflusst die Mundpropaganda, und diese steuert auch etwas den wirtschaftlichen Erfolg. Doch auch der gute Mittelstand soll sich einen kurzen Aufenthalt in einem Luxushotel leisten können, sich dort wohlfühlen. Diese Kunden können den Betrieben wertvolle Zusatzeinnahmen bringen.

Wie sähe ein mittelstandfreundliches Angebot im Luxushotel aus?
Zum Beispiel in Form von Restaurantbesuchen oder eines Day-Spa, des Tagesbesuchs der Wellnessanlage. In der Tat gibt es in diversen Luxushotels solche Angebote, die zudem bezahlbar sind. Doch das wird zu wenig kommuniziert. So haben viele Leute ein elitäres Bild von Luxushotels und wenden sich ab.

Schreckt es nicht das oberste Kundensegment ab, wenn ein Otto Normalverbraucher auch im Luxushotel zu Gast ist?
Natürlich sollen die Gästegruppen nicht zu sehr durchmischt sein. Doch wenn ein Luxushotel den Mittelstand anspricht, heisst das nicht, dass der Kaffee nur noch 2.80 Franken kostet und Pommes frites in Kartonschalen serviert werden. Das edle Ambiente geht nicht verloren, wenn auch weniger reiche Gäste im Hotel weilen. Es ist aber in der Tat auch von der Herkunft der Gästehauptgruppen abhängig.

Immer öfter steigen ausländische Investoren in die Schweizer Luxushotellerie ein; auf dem Bürgenstock sind es solche aus Katar. Warum?
Ausländische Investoren haben andere Finanzierungsmöglichkeiten und andere Renditevorstellungen als die Schweizer. Für viele Inländer ist das Hotelgeschäft offenbar zu wenig attraktiv, weil die Margen klein sind und die Konkurrenz gross ist. Die Währungsentwicklung macht das Geschäft noch schwieriger. Doch trotzdem: Bei guter Arbeit ist es machbar.

DerBund.ch/Newsnet

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