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Deutschland kämpft gegen dubiose Lebensversicherungs-Deals

Wer in Deutschland seine Lebensversicherung verkaufen möchte, muss sich Interessenten und ihre Angebote ganz genau anschauen. Man kann viel Geld verlieren.

«Es gibt zahlreiche schwarze Schafe und es drohen hohe Verluste»: Beratung für eine Lebensversicherung (Symbolbild).
«Es gibt zahlreiche schwarze Schafe und es drohen hohe Verluste»: Beratung für eine Lebensversicherung (Symbolbild).
AFP

Nach Angaben der deutschen Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) steigt die Zahl unseriöser Aufkäufer, die mit unrealistischen Gewinnversprechen auf Kundenfang gehen. Versprochen würden Renditen von bis zu 250 Prozent über dem Rückkaufswert des Versicherers. «Wir registrieren immer mehr solcher Angebote, und können nur davor warnen, denn unter den Aufkäufern gibt es zahlreiche schwarze Schafe und es drohen hohe Verluste», sagt VZBV-Finanzexperte Lars Gatschke.

Die Betrüger kündigten die Police und investierten die Auszahlungssumme ganz oder teilweise in andere Kapitalanlagen wie geschlossene Fonds oder Immobilienwerte, erklärt Gatschke. Die dem Verkäufer zustehende Summe werde dann aber nicht auf einmal ausgezahlt, sondern in kleinen Beträgen über den Zeitraum von drei bis sieben Jahren verteilt. Wie viel Geld der Kunde letztlich bekomme, bleibe dabei ungewiss. Darüber hinaus entfalle auch der Todesfallschutz der Versicherung. «Der Kunde tauscht eine sichere Anlage gegen eine unsichere», sagt der Verbraucherschützer. Deshalb gelte: «Finger weg von solchen Geschäften.»

Geld verschwindet im grauen Kapitalmarkt

Beim Bund der Versicherten (BdV) in Deutschland ist das Problem bekannt. «Wir haben mehrere Hinweise bekommen, dass unseriöse Anbieter am Markt aktiv sind», sagt BdV-Experte Hajo Köster. Meist verschwinde das ausgezahlte Geld aus den Lebensversicherungen in Beteiligungen am grauen Kapitalmarkt. Für die Kunden sei das Risiko unkalkulierbar. Sie sollten in jedem Fall auf eine Auszahlung des Gesamtbetrags bestehen, mahnt Köster.

Wer vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen will und den mageren Rückkaufswert der Versicherung nicht akzeptiert, dem bleibt nach Meinung von Experten nur der seriöse Zweitmarkt: Unternehmen kaufen die Policen auf und führen sie weiter. Der Todesfallschutz bleibt erhalten, dafür verzichte der Kunde jedoch auf die Ablaufleistung des Versicherers zu Vertragsende, die an den Zweitmarkt-Aufkäufer fliesst.

Das Geschäft ist den Angaben zufolge allerdings an zahlreiche Bedingungen gebunden: Oftmals werde ein Rückkaufswert von mindestens 10'000 Euro verlangt. In vielen Fällen dürfe die Restlaufzeit nicht mehr als 15 Jahre betragen. Nicht anerkannt würden in der Regel Fondspolicen oder Direktversicherung. Ausserdem müsse der Versicherungsschein von einem deutschen Anbieter stammen, hiess es.

Gebrauchte Versicherungen kaum gefragt

Verbraucherschützer empfehlen vor diesem Hintergrund nur Unternehmen, die Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) sind. Diese aber kauften in Folge der Finanzkrise kaum noch Versicherungen, sagt Gatschke. Lag das Ankaufsvolumen 2007 noch bei 1,4 Milliarden Euro, waren es laut BVZL 2009 nur noch rund 100 Millionen Euro.

Daneben könne die Versicherungen auch auf der deutschen Policenbörse angeboten werden - einer Handelsplattform für Lebensversicherungen, von den Börsen Hamburg und Hannover initiiert. Hier können Kunden ihre Lebensversicherung an den Meistbietenden versteigern, Mindestangebot ist den Experten zufolge der Rückkaufswert der Versicherung. Ob sich eine solche Versteigerungsaktion lohnt, ist jedoch fraglich, denn Details zu den Versteigerungsergebnissen nennt die Börse nicht.

Darüber hinaus hätten Kunden die Möglichkeit, eine Beitragsfreistellung bei ihrem Versicherer zu beantragen. Ausserdem könnten sie ihre Lebensversicherung beleihen. Ein solches Police-Darlehen gewährten Versicherer oder auch Banken meist bis zur Höhe des aktuellen Rückkaufswertes. «Die Kunden sollten aber unbedingt mehrere Angebote vergleichen, denn bei den Darlehenszinsen gibt es grosse Unterschiede», sagt Köster.

http://www.bundderversicherten.de

http://www.bvzl.de

http://www.policenboerse-deutschland.de

http://www.vzbv.de

dapd/mt

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