Der unerwünschte Erfolg der Bier-Mönche

Das Bier der Trappisten des Sixtus-Klosters in Westvleteren zählt zu den besten der Welt. Die Mönche tun alles, um keinen Gewinn zu machen. Doch der Kapitalismus holt sie dennoch ein.

Das beste Bier der Welt: Eine Flasche des Klosterbiers der Trappisten von Westvleteren kostet weniger als 2 Euro; das Bier ist aber nur schwer erwerbbar.

Das beste Bier der Welt: Eine Flasche des Klosterbiers der Trappisten von Westvleteren kostet weniger als 2 Euro; das Bier ist aber nur schwer erwerbbar. Bild: Reuters

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Sie produzieren das beste Bier der Welt, die Leute reissen sich darum und zahlen selbst enorm hohe Preise dafür. Sie könnten ein Riesengeschäft damit machen und wohl reich werden damit. Doch das wollen sie nicht. Im Gegenteil: Ihr Brauerfolg wird für sie immer mehr zu einer Herausforderung.

Die Rede ist von Trappisten-Mönchen – auch «Zisterzienser der strengeren Observanz» genannt – aus dem Kloster des Heiligen Sixtus im belgischen Westvleteren. Wiederholt wurden Biere, die diese Mönche brauen, zu den besten der Welt erkoren. Der Ruhm, den ihnen das Bier einbringt, setzt das Kloster nun dem harten Gegensatz zwischen den eigenen Werthaltungen und den Regeln des umliegenden Kapitalismus aus.

Die Mönche begannen in diesem Kloster laut dem Onlineportal «Business Insider» um etwa 1839 mit dem Brauen von Bier, und erst seit 1931 verkaufen sie es auch an Fremde. Das Geld, das sie so verdienen, soll ihren bescheidenen Alltag finanzieren, Profit ist nicht das Ziel. Und wenn ein solcher entsteht, dann nutzen sie das Geld für wohltätige Zwecke.

Nur ja kein Geschäft machen

Dazu passt, dass die Produktion und der Verkauf des Biers stark eingeschränkt sind. Nur an 70 Tagen pro Jahr sind fünf Mönche von morgens um 9 Uhr bis um etwa 17 Uhr nachmittags mit Brauen beschäftigt. Fünf weitere Mönche helfen mit, wenn das Bier in Flaschen abgefüllt wird.

Von allen Trappisten-Klöstern braut jenes von Westvleteren am wenigsten Mengen, und keines erschwert den Kauf des Bieres in einem solchen Ausmass wie dieses. Wer es beim Kloster erwerben will, kann es entweder im De Vrede Café des Klosters trinken, oder man muss es jeweils 60 Tage zuvor telefonisch reservieren – bestellt werden können nur maximal 24 Flaschen. Dass die Bestellung so überhaupt zustande kommt, erfordert viel Glück, da laut der Nachrichtenagentur Reuters pro Stunde 85’000 Anrufe eingehen; nur 200 kommen jeweils in den zwei bis drei Stunden durch, während derer die Nummer bedient wird.

Der Preis des Biers ist im Vergleich zu allen Mühen, an dieses heranzukommen, mit weniger als 2 Euro pro Flasche recht tief. Was das aber bedeutet, lernt jeder Wirtschaftsstudent gleich zu Beginn: Es bietet sich eine perfekte Gelegenheit zu Arbitrage-Gewinnen. Es lohnt sich, das Bier zwar mühsam, aber doch billig zu erwerben, um es dann zu einem hohen Preis weiterzuverkaufen, denn es gibt genügend Nachfrager, die einen deutlich höheren Preis für das Bier zu bezahlen bereit sind.

Die Arbitrageure lassen nicht auf sich warten

Und so kam es auch: Gemäss dem britischen «Guardian» war das Bier der Mönche – sehr zu ihrem Ärger – jüngst im Supermarkt erhältlich: für rund 10 Euro pro Flasche in Filialen der niederländischen Detailhandelskette Jan Linders. Das entspricht dem Fünffachen des Klosterpreises. Ein Sprecher des Klosters hat die Kette beschuldigt, gegen die ethischen Standards und Werte der Mönche zu verstossen. Ein Sprecher von Jan Linders konterte, die Detailhandelskette habe mit dem Bier nur loyale Kunden beglücken wollen und trotz dem höheren Preis die erlaubte Kaufmenge auf zwei Flaschen pro Kunde begrenzt. Die Flaschen seien im Übrigen alle im Nu verkauft worden, und es hätten sich Schlangen vor dem Laden gebildet, um das Bier zu erwerben. Es sei auch kein grosser Profit gemacht worden, da die nicht genannten Lieferanten ebenfalls einen hohen Preis dafür verlangt hätten.

Wie das Beispiel von Jan Linders zeigt, wird das Bier auch zu sehr viel höheren Preisen noch nachgefragt. «Business Insider» berichtet, im Internet sei die Flasche schon für 50 Euro angeboten worden, dem 25-Fachen des Klosterpreises. Das gibt einen Hinweis darauf, wie hoch die Gewinne ausfallen könnten, wenn das Kloster an solchen interessiert sein würde. Nun verdienen vor allem die Zwischenhändler ihr Geld damit.

Den Abt des Klosters kümmert das nicht. «Wir sind keine Brauer, wir sind Mönche. Wir brauen unser Bier, um Mönche sein zu können», liess er gemäss «Business Insider» verlauten. Wie die Glaubensbrüder jetzt aber erfahren müssen, unterliegt ihr Produkt auch dann den Regeln der Marktwirtschaft, selbst wenn sie selbst davon nichts wissen wollen. Der Gewinn, auf den die Mönche aus Überzeugung bewusst verzichten – und anderen überlassen –, gibt ihnen immerhin einen Hinweis darauf, wie hoch der Marktwert ihres Glaubens ist. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2018, 14:15 Uhr

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