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Der Rubel fällt und fällt

Mit hohen Zinsen wollte Russland Kapital anlocken und den Rubel stützen. Doch nun steuert die Notenbank um. Die Schwäche der Wirtschaft sei schlimmer als die der Währung, heisst es nun.

Leitzins senken, um Wirtschaft anzukurbeln: Ein Mann betritt eine Wechselstube in Moskau. (30. Januar 2015)
Leitzins senken, um Wirtschaft anzukurbeln: Ein Mann betritt eine Wechselstube in Moskau. (30. Januar 2015)
AP Photo

Nur anderthalb Monate nach einer massiven Erhöhung hat die russische Zentralbank den Leitzins wieder etwas gesenkt, um die schwache Wirtschaft anzukurbeln. Das Institut nahm den Satz um zwei Punkte auf 15 Prozent zurück. Danach sackte der Rubel weiter ab: Der Kurs der russischen Währung verlor bis zum frühen Nachmittag drei Prozent. Ein Dollar kostete 71 Rubel.

Im Dezember hatte die Zentralbank den Leitzins von 10,5 auf 17 Prozent erhöht, um Kapital anzulocken. Zuvor war der Rubel um zehn Prozent abgestürzt, der grösste Kursverfall seit 1998. Insgesamt ist die Währung weniger als halb so viel wert wie vor einem Jahr. Hohe Zinssätze können eine Währung unterstützen, aber auch das Wirtschaftswachstum abwürgen, weil Kredite teurer werden.

Nationalbank steuert um

Nun steuert die Notenbank wieder um. Zur Begründung hiess es, die Risiken einer wirtschaftlichen Abkühlung wögen schwerer als die des sinkenden Rubelkurses. Finanzmarktexperten mutmassten, dass der Schritt auf Druck von Regierungsvertretern und russischen Unternehmen zustande kam, die unter den hohen Zinsen leiden.

Die Zentralbank prognostiziert, dass die derzeit mit 13 Prozent angegebene Inflationsrate noch bis Mitte des Jahres steigt und dann nächstes Jahr auf unter zehn Prozent fällt. «Es wird erwartet, dass die Inflation und die künftige Inflation sinken», hiess es in einer Mitteilung.

Hochriskante Anleihen

Hintergrund der Währungskrise ist der Preisverfall beim Öl, einem der wichtigsten russischen Exportgüter. Ins Gewicht fallen auch die westlichen Sanktionen wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine.

Wegen der trüben Wirtschaftsaussichten hatte die Ratingagentur Standard & Poor's Russlands Kreditwürdigkeit diese Woche von «BBB-» auf «BB » und damit auf Ramschniveau gesenkt. Darüber empörte sich am Freitag der stellvertretende Ministerpräsident Igor Schuwalow. Ziel sei offenbar, die Grossindustriellen des Landes gegen den Kreml aufzuhetzen und ihre Unterstützung für die Regierung und Präsident Wladimir Putin zu schwächen, kritisierte er.

Nach der Bewertung der Ratingagentur gelten russische Anleihen nun als hochriskant. Folge ist in der Regel, dass ein Land hohe Zinsen bieten muss, um sich überhaupt noch am Markt zu finanzieren.

AP

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