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Der Ölpreis im Sinkflug

Von 125 Dollar pro Fass innert drei Monaten auf 90 Dollar: Das Schmiermittel der Weltwirtschaft wird immer billiger. Für die Wirtschaft ist das fast wie eine Steuererleichterung.

Höhere Fördermenge, weniger Nachfrage: Ölpumpe in Bahrain am Persischen Golf.
Höhere Fördermenge, weniger Nachfrage: Ölpumpe in Bahrain am Persischen Golf.
Keystone

Langfristig gesehen ist der Ölpreis noch immer hoch. In der ersten Hälfte 2012 lag der durchschnittliche Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent bei rund 114 US-Dollar. Doch der Preiszerfall in den vergangenen Monaten ist dramatisch: von 125 Dollar im März auf derzeit noch 90 Dollar. Das ist so wenig wie vor Beginn des libyschen Krieges Anfang 2011. Und ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht.

Ein Indikator dafür sind die Vorräte, die Grossverbraucher wie Fluggesellschaften oder Frachtunternehmen anlegen – nämlich kaum welche, wie die «Financial Times» schreibt. Die Befürchtung sei, dass die Preise angesichts der weltwirtschaftlichen Lage weiter absacken.

Wenn China weniger verbraucht

Demnach geht der aktuelle Abwärtstrend beim Öl vor allem auf das verlangsamte Wachstum in China zurück. Wenn China weniger Öl braucht, wirkt sich dies auf die weltweite Nachfrage und somit auch den Preis aus. Ein weiterer Grund ist die europäische Währungskrise, über deren Ausgang Unklarheit herrscht. «Verschlechtert sich die Lage der Weltwirtschaft weiter, wäre ich nicht überrascht, wenn wir weitere Abwärtsbewegung beim Ölpreis sehen», zitiert die «Financial Times» den Chefökonomen der Internationalen Energiebehörde IEA.

Doch nicht nur auf der Nachfrageseite hat sich der Markt verändert. Die Erdölexporteure fördern heute mehr, als weltweit nachgefragt wird. Vor allem Saudiarabien hat seine Produktion in den vergangenen Monaten sukzessive gesteigert, um Lieferstopps aus dem Iran entgegenzuwirken.

Gut für die Wirtschaft, gut für Obama

Auch wenn sich die Ölproduzenten über den zusammengesackten Preis ihres Schwarzen Goldes nicht zu sehr freuen dürften – in der gegenwärtigen fragilen Wirtschaftslage werden sie sich hüten, die Preisschraube zu schnell wieder anzuziehen.

Schliesslich hat US-Präsident Obama im Februar dazu beigetragen, dass die Fördermengen erhöht wurden. Während Wochen liess Washington die Gerüchteküche brodeln und brachte die Anzapfung der strategischen Reserven ins Spiel – ein Schuss vor den Bug der Opec. Obama kann sich im Wahljahr vieles leisten – aber keinen zu hohen Ölpreis. Dies würde sich verheerend auf die US-Konjunktur und damit den Arbeitsmarkt auswirken. Der jüngste Abwärtstrend dürfte denn auch weltweit für etwas Luft sorgen. Die tiefen Preise kämen «einer Steuererleichterung für Konsumenten und Unternehmen» gleich, meint der IEA-Chefökonom zur «Financial Times».

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