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Das grosse Zittern in Athen

Unter grossem Zeitdruck feilscht die griechische Regierung mit den europäischen Banken um den dringend benötigten Schuldenschnitt. Doch vor allem Hedgefonds bleiben stur.

Ihnen läuft die Zeit davon: Regierungschef Papademos und sein Finanzminister Venizelos nach Verhandlungen. (12. Januar 2012)
Ihnen läuft die Zeit davon: Regierungschef Papademos und sein Finanzminister Venizelos nach Verhandlungen. (12. Januar 2012)
Reuters

Die Verhandlungen der Banken mit Athen sind auch heute mit Hochdruck weitergegangen. Gesucht wurde eine schnelle Lösung, «ungelöste Kernpunkte» verhinderten eine solche jedoch. Das ebenfalls dringend auf Geld angewiesene Ungarn deutete derweil Eingeständnisse an, damit die Kreditverhandlungen mit dem IWF überhaupt weitergehen.

In Athen werde mit Hochdruck verhandelt, hiess es heute aus dem griechischen Finanzministerium. Doch mit einem Abschluss werde nicht vor Ende nächster Woche gerechnet. Gestern hatte der Internationale Bankenverband IIF erklärt, es gebe immer noch «ungelöste Kernpunkte» und die Zeit werde knapp.

Streit um Zinsen und Gerichtsstand

Laut griechischen Quellen geht es um den Zinssatz der neuen Anleihen, die nach dem Schuldenschnitt von 50 Prozent die alten ersetzen sollen, und um Garantien, dass es keinen weiteren Schnitt geben wird. Ausserdem werde verhandelt, ob bei möglichen juristischen Verwicklungen griechisches oder – wie die Banken fordern – britisches Recht gelten soll.

Die Umschuldung gilt als entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland und ist auch Voraussetzung für weitere Hilfskredite.

Die Investoren haben aber selbst bei einer Einigung mit dem IIF Zeit um zu erklären, ob sie überhaupt am Schuldenschnitt teilnehmen. Vor allem Hedgefonds weigern sich laut Medienberichten und setzen entweder auf die volle Auszahlung der griechischen Schulden oder die Auszahlung aus Ausfallversicherungen. Deswegen könnte der Schuldenschnitt das angepeilte Ziel von 100 Milliarden Euro verfehlen. Dann wären zusätzliche Hilfen für Athen nötig.

Ungarn lenkt teilweise ein

Gleichzeitig kämpft das arg gebeutelte Ungarn um Kredite und Hilfen von der europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Ungarn hatte sich zunächst dagegen gewehrt, eine Verfassungsänderung zurückzunehmen, worin der Einfluss der Regierung auf die Zentralbank und andere Einrichtungen verstärkt wurde. IWF und EU bestehen aber zumindest teilweise darauf und machen die geforderten Hilfen in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro davon abhängig.

Nun hat sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban bereit erklärt, die Gesetze teilweise zu ändern. Seine Regierung sei damit einverstanden, «eine gewisse Anzahl» der Forderungen der EU anzunehmen, sagte Orban heute im ungarischen Fernsehen. Nachdem die Staatsverschuldung Ungarns völlig aus dem Ruder gelaufen war, ist das Land auf finanzielle Hilfen aus dem Ausland angewiesen. Bereits 2008 musste das Land mit 20 Milliarden Euro gestützt werden.

Misstrauen bleibt hoch

Etwas Licht im Dunkeln der Schuldenkrise war dagegen die jüngste Refinanzierung am Kapitalmarkt von Italien. Das Land sammelte am Freitag wie geplant 4,75 Milliarden Euro ein und musste dafür nicht mehr ganz so hohe Zinsen bieten wie zuletzt.

Das Misstrauen in der Euro-Zone bleibt aber weiter hoch. Dies lässt sich auch an den kurzfristigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ablesen. Diese erreichten zum Wochenschluss einen Rekordwert von rund 489,9 Milliarden Euro.

In den Tagen davor waren die Einlagen bereits von einem Rekord zum nächsten geeilt. Die kurzfristigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB liefern einen Hinweis auf das Misstrauen der Institute untereinander.

SDA/ami

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