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China kommt seinem Ziel näher

Peking ist bereit, den krisengeschüttelten Europäern unter die Arme zu greifen. Doch die lindernden Devisen aus China gibt es nicht umsonst. Nun scheint sich der Deal zu konkretisieren.

Die Zeit arbeitet für Wen Jiabao: Der chinesische Regierungschef mit Kanzlerin Merkel im Juni dieses Jahres in Berlin.
Die Zeit arbeitet für Wen Jiabao: Der chinesische Regierungschef mit Kanzlerin Merkel im Juni dieses Jahres in Berlin.
AFP

Chinesische Hilfe für den Euro gegen einen Welthandels-Status auf Augenhöhe: Der Deal, der zwischen Euroland und China seit längerem im Raum steht, scheint sich zu konkretisieren. Wie «Welt online» berichtet, könnte die EU schon im kommenden Jahr China als Marktwirtschaft anerkennen, was deren Status international aufwerten würde. Hohen EU-Diplomatenkreisen zufolge hätten bei einem für diese Woche geplanten, aus Termingründen jedoch abgesagten Gipfeltreffen Signale in diese Richtung gegeben werden sollen.

Auf der wirtschaftlichen Ebene ist die Ausgangslage klar: In China liegt der weltweit grösste Devisen-Berg von über 3 Billionen (3000 Milliarden) US-Dollar, während in der Eurozone ein riesiges Schuldenloch immer weiterwächst. Was liegt näher als eine grosse Auffüll-Aktion? Damit würden sich die Chinesen auch selbst einen Gefallen tun.

Linderung gibt es nicht umsonst

Denn eine stabilere Eurozone kommt auch Peking zugute. Euroland ist der wichtigste Handelspartner der Chinesen, Treiber ihres Wirtschaftswachstums ist noch immer der Westen. Ausserdem haben sie schätzungsweise ein Viertel ihrer Devisenvorräte in Euro angelegt.

Doch die lindernde Finanzmedizin aus Fernost gibt es für die Europäer nicht umsonst. Denn auch auf der politischen Ebene ist die Ausgangslage klar: An der Sommer-Ausgabe des World Economic Forum in der chinesischen Hafenstadt Dalian hatte Ministerpräsident Wen Jiabao erneut Bereitschaft zu verstärkter staatlicher chinesischer Investitionstätigkeit in Europa signalisiert: «Wir haben zigmal unsere Bereitschaft gezeigt, eine helfende Hand auszustrecken.»

Dumpingklagen werden erschwert

Dafür, so der Regierungschef, sollten die Europäer China früher als geplant als Marktwirtschaft anerkennen: «Das wäre ein Weg, wie ein Freund einen Freund behandelt.» Bis zum Jahr 2016 soll China den Status im Rahmen der WTO ohnehin erhalten.

Die Anerkennung würde bedeuten, dass die EU den Chinesen faire Marktbedingungen attestiert, und hätte zum Beispiel zur Folge, dass westliche Firmen nicht mehr so einfach Preisdumping-Klagen gegen chinesische Unternehmen einreichen könnten. Werden solche Klagen heute gutgeheissen, können die Europäer gleich alle chinesischen Unternehmen der betreffenden Branche mit Strafzöllen belegen.

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