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Börsen reagieren mit Gewinnen auf Briten-Wahl

Ein deutlich schwächeres Pfund und die Aussicht auf einen weniger harten Brexit nach dem Wahldesaster der britischen Konservativen geben den Aktienkursen Auftrieb.

Nach einem kurzen Treffen mit Königin Elizabeth II. bestätigte May vor ihrem Amtssitz, dass sie weiterhin plane, Premierministerin ihres Landes zu bleiben: Theresa May betritt mit ihrem Gatten Philip den britischen Regierungssitz an der 10 Downing Street. (9. Juni 2017)
Nach einem kurzen Treffen mit Königin Elizabeth II. bestätigte May vor ihrem Amtssitz, dass sie weiterhin plane, Premierministerin ihres Landes zu bleiben: Theresa May betritt mit ihrem Gatten Philip den britischen Regierungssitz an der 10 Downing Street. (9. Juni 2017)
Justin Tallis, AFP
Theresa May kündigt eine Regierung zusammen mit der wichtigsten protestantisch-unionistischen Partei Nordirlands an, der Democratic Unionist Party (DUP): die Premierministerin (r.) mit der DUP-Chefin Arlene Foster. (Archiv)
Theresa May kündigt eine Regierung zusammen mit der wichtigsten protestantisch-unionistischen Partei Nordirlands an, der Democratic Unionist Party (DUP): die Premierministerin (r.) mit der DUP-Chefin Arlene Foster. (Archiv)
Charles McQuillan/PA, File via AP, Keystone
Ihre konservative Partei lag zuletzt in einigen Umfragen nur noch mit Prozentzahlen im einstelligen Bereich vor der oppositionellen Labour-Partei: Premierministerin Theresa May geht zur Wahl in Maidenhead.
Ihre konservative Partei lag zuletzt in einigen Umfragen nur noch mit Prozentzahlen im einstelligen Bereich vor der oppositionellen Labour-Partei: Premierministerin Theresa May geht zur Wahl in Maidenhead.
AP Photo/Alastair Grant, Keystone
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Die Börsen in Grossbritannien, Deutschland und in der Schweiz haben positiv auf den Wahlausgang bei den Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich reagiert. Am deutlichsten legte die Börse in London zu. Der britische Leitindex FTSE 100 ist im frühen Handel dank des schwachen Pfund um fast 1 Prozent auf 7518 Punkte angestiegen. Kurz vor dem Mittag betrug das Plus nur noch 0,45 Prozent.

Einen deutlichen Schritt nach oben hat auch der deutsche Leitindex gemacht. Der Dax legte bis um 10 Uhr um 0,74 Prozent auf 12'807 Punkte zu. Der Schweizer Leitindex SMI erhöhte sich um 0,36 Prozent auf 8843 Punkte. Später schmolzen die Gewinne auch hier zusammen. Nach dem Mittag stand der SMI praktisch auf dem Niveau des Vortages.

«Der harte Brexit wurde abgewählt»

Die Aussicht auf einen weniger harten Brexit scheint laut Analysten die Anleger optimistisch gestimmt zu haben. So hält zum Beispiel der Chefökonom der deutschen Commerzbank Jörg Krämer eine Einigung mit Grossbritannien bei den Brexit-Verhandlungen nun für wahrscheinlicher. Zwar sei völlig offen, wie die nächste britische Regierung aussehen werde und auch Neuwahlen seien möglich, sagte Krämer am Freitag. «Aber eines ist sicher: Der harte Brexit wurde gestern abgewählt».

Die britische Premierministerin Theresa May auf einem Bildschirm an der Börse in Frankfurt. (AP Photo/Michael Probst)
Die britische Premierministerin Theresa May auf einem Bildschirm an der Börse in Frankfurt. (AP Photo/Michael Probst)

Zunächst reagierte der Kurs der britischen Währung auf die Publikation der ersten Nachwahlbefragung gestern um 23 Uhr MESZ mit einem abrupten Fall. Das Pfund verlor gegenüber dem US-Dollar bis zu 2 Prozent, was für eine grosse Währung eine deutliche Veränderung ist.

«Der Sterling fällt schneller, als ich schreiben kann», schrieb Jill Treanor vom «Guardian» dazu. «Jetzt sind es schon 2 Prozent.» Danach setzte eine Gegenbewegung ein. Das Minus betrug noch etwa 1,5 Prozent. Um 7.45 Uhr lag das Pfund zum Dollar 1,70 Prozent tiefer bei 1,2735. Zum Franken notierte ein Pfund bei 1,2326.

Die Grafik zeigt den Fall deutlich (Stand Pfund in Dollar, 6.10 Uhr):

Danach ging es wieder bergab. Gegen 9 Uhr erreichte das Pfund mit 1.2636 Dollar, was einem Verlust von mehr als 2,3 Prozent entspricht, den niedrigsten Stand seit April. Um 12 Uhr betrug das Minus wieder etwa 1,5 Prozent.

Die Abwärtsbewegung sei aber nur ein «Unsicherheits-Discount», sagt Finanzanalyst Peter Chatwell zur Nachrichtenagentur «Bloomberg». Die Regierungsbildung könnte schwierig werden und sich hinziehen. Kurzfristig könnte das Pfund noch weiter fallen. Viraj Patel von ING Groep NV in London rechnet mit einer Abschwächung auf 1,24 Dollar.

Langfristig könnten sich die Finanzmärkte aber gut mit der Wahlschlappe der Konservativen arrangieren, schreibt Bloomberg. Der Kurs des Pfundes könnte demnach schon bald wieder steigen. Denn sollte es zu einer Koalitionsregierung unter Führung von Labour kommen, dürfte das für einen weniger drastischen Brexit sorgen. Grossbritannien würde also stärker in den EU-Binnenmarkt integriert bleiben, was die meisten Finanzanalysten als positiv ansehen.

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