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Berlusconi sieht Gutes in der Herabstufung

Die Ratingagentur Fitch hat die Bewertung der Kreditwürdigkeit Roms und Madrids nach unten korrigiert. Italiens Premier Berlusconi kann darin durchaus Positives erkennen.

Fitch bewerte Italien besser als andere in Europa: Premierminister Silvio Berlusconi.
Fitch bewerte Italien besser als andere in Europa: Premierminister Silvio Berlusconi.
Keystone

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi die positiven Aspekte der Neubewertung hervorgehoben. In einer Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten hiess es, die Ratingagentur Fitch sehe gute Voraussetzungen, dass Italien seine Staatsschulden graduell abbaue. Auch bewerte Fitch die italienische Haushaltslage im Vergleich mit der Situation anderer EU-Staaten als besser.

Der Generaldirektor der italienischen Zentralbank hingegen wirft den Ratingagenturen Herdenverhalten vor. Dieses sei jedoch nichts wirklich neues, sagte Zentralbankchef Fabrizio Saccomanni nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA. Er wies zudem darauf hin, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhielten.

Die Ratingagentur Fitch hatte heute die Kreditwürdigkeit der beiden EU-Mitglieder Italien und Spanien herabgestuft. Die Bonitätswächter bewerten Italiens langfristige Verbindlichkeiten nun mit «A+», zuvor lag die Note um eine Stufe höher bei «AA-». Der Ausblick wird negativ eingestuft.

Fitch: Rom tut zu wenig

Fitch begründete die Senkung der Bonität des schuldengeplagten Landes mit der Verschärfung der Krise in der Euro-Zone. Zugleich schrieb Fitch der Regierung ein unzureichendes Verhalten in der Krise zu. Es sei zu spät auf die Ausweitung der Schuldenkrise reagiert worden, hiess es. Das Wirtschaftswachstum sei gering und es seien komplexe Lösungen nötig, um die finanziellen Schwierigkeiten des Landes zu beheben und das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, schrieb Fitch.

Italien ist die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone und sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Erst am Dienstag hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens auf «A2» gesenkt. Damit stufen Moody's wie auch S&P die Bonität des Euro-Mitgliedstaates niedriger als Fitch ein.

Auch Spanien tiefer eingestuft

Fitch senkte heute auch die Bonitätsnote langlaufender spanischer Staatsanleihen von «AA» auf «AA-». Der Ausblick ist wie bei Italien negativ. Spanien hat die viertgrösste Wirtschaft der Euroländer.

Als Begründung für die Herabstufung wurde das Risiko eines weiterhin schwachen Wirtschaftswachstums und eine hohe Schuldenlast angeführt. Die US-Ratingagentur befürchtet, dass das spanische Wirtschaftswachstum bis 2015 nicht über zwei Prozent pro Jahr liegen wird.

Die Arbeitslosigkeit, die derzeit rund 20 Prozent beträgt, werde hoch bleiben. Fitch erklärte, es seien weitere Reformen nötig, um die spanische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen, insbesondere im Bereich des Arbeitsmarktes. Zur Rekapitalisierung der schwächeren Banken im Land seien weitere 30 Milliarden Euro vonnöten. Trotz der gestiegenen Risiken stuft die Ratingagentur die spanischen Staatsanleihen weiter als sicher ein. Fitch ist die kleinste der drei grossen Ratingagenturen.

Portugal im Visier – Dow fällt ins Minus

Fitch kündigte auch an, dass die Agentur Portugal für eine mögliche Herabstufung im Blick habe. Eine Entscheidung hierzu werde es aber wohl erst am Ende des Jahres geben, hiess es.

Kurz nach der Bekanntgabe der Herabstufungen ging an der New Yorker Börse der Dow-Jones-Index in den Sinkflug über. Lag der Leitindex um 18 Uhr MESZ noch knapp im Plus, notierte er kurz vor 20 Uhr fast ein Prozent unter dem Vortagesschluss. Danach erholte er sich wieder und ging 0,2 Prozent tiefer bei 11'103 Punkten ins Wochenende.

Moody's warnt Belgien

Angesichts der massiven Finanzprobleme der französisch-belgischen Grossbank Dexia hat die Ratingagentur Moody's Belgien vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit gewarnt. Die Bonität des Landes werde ab sofort «auf eine mögliche Herabstufung hin geprüft», teilte die Agentur am Freitag mit.

Bedenklich seien für Belgien insbesondere mögliche künftige Hilfszahlungen an schwächelnde Banken und verschuldete Euroländer sowie eine zu erwartende schwache wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Die Warnung folgte einer Ankündigung des belgischen Finanzministers Didier Reynders, der angeschlagenen Dexia-Bank finanziell unter die Arme greifen zu wollen. Nach Gewerkschaftsangaben und Medienberichten will die Regierung den belgischen Zweig des Instituts verstaatlichen. Dexia war in den vergangenen Tagen durch Liquiditätsprobleme ins Schlingern geraten.

dapd/ sda/ afp/rub

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