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Ben Bernanke geht nicht vom Gas

Die Federal Reserve behält den Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent. Eine Änderung des expansiven Kurses ist nicht in Sicht. Möglicherweise wird die US-Notenbank künftig sogar noch mehr Anleihen kaufen.

Hofft auf eine tiefere Arbeitslosenquote: Fed-Chef Ben Bernanke. (12. Dezember 2012)
Hofft auf eine tiefere Arbeitslosenquote: Fed-Chef Ben Bernanke. (12. Dezember 2012)
Keystone

Die US-Notenbank hält geldpolitisch Kurs. Wie die Federal Reserve mitteilte, bleibt der Leitzins für die grösste Volkswirtschaft der Welt erwartungsgemäss bei 0 bis 0,25 Prozent. Auch die Anleihekäufe zur Stützung der Konjunktur gehen in unvermindertem Tempo weiter.

Die Notenbank kauft Monat für Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere. Mit dem so geschaffenen Geld will sie die Wirtschaft ankurbeln und hofft, dass die Arbeitslosigkeit sinkt.

Geldpolitisch vom Gas gehen wollen Fed-Chef Ben Bernanke und die meisten anderen Top-Notenbanker der USA erst dann, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

Allerdings dürfte dies noch eine ganze Weile dauern, wie sich erst heute kurz vor dem Zinsentscheid zeigte. So stellte die US-Privatwirtschaft dem Arbeitsvermittler ADP zufolge im April nur 119'000 neue Mitarbeiter ein, so wenige wie seit sieben Monaten nicht mehr.

Experten fürchten nun, dass auch der für Freitag erwartete offizielle Arbeitsmarktbericht der Regierung schwächer ausfällt als erwartet. Auch am Bau lief es schlecht, mau ist zudem die Stimmung in der Industrie. Deren am Mittwoch veröffentlichter Einkaufsmanagerindex gab im April überraschend auf 50,7 Punkte nach und lag damit nur knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Problem Haushaltsstreit

Wie die Fed im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss erklärte, sieht sie eines der Hauptprobleme für die US-Wirtschaft im nach wie vor ungeklärten Haushaltsstreit und den deshalb in Kraft getretenen automatischen staatlichen Ausgabenkürzungen.

Zudem sei die Lage am Arbeitsmarkt weiterhin schwierig, hiess es in der Mitteilung, die ansonsten die Lage mehr oder weniger so beschrieb wie beim letzten Treffen des für die US-Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses im März.

Optionen offen

Bezüglich des Tempos der Anleihekäufe, über das zuletzt heftig diskutiert worden war, hielt sich Bernanke alle Optionen offen: «Das Gremium ist darauf vorbereitet das Tempo der Anleihenkäufe zu erhöhen oder auch zu reduzieren, wie es angemessen erscheint, um mit der Geldpolitik weiterhin die Konjunktur zu unterstützen.»

An den US-Börsen wurde der Beschluss gelassen aufgenommen. Der Leitindex Dow Jones, der bereits zuvor im Minus notiert hatte, verbesserte sich kaum, Auch an den Anleihemärkten und am Devisenmarkt tat sich wenig. Der Dollar fiel zum Euro leicht.

Mehr oder weniger?

Ökonomen werteten den Fed-Entscheidung als Hinweis darauf, dass Bernanke im Grossen und Ganzen zufrieden ist mit den Ergebnissen seiner expansiven Geldpolitik - mit Ausnahme der Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Einige Experten können sich inzwischen sogar vorstellen, dass wegen der geringen Teuerung - sie liegt inzwischen klar unter dem Ziel der Fed von zwei Prozent - noch mehr Anleihen gekauft werden. Eine andere Möglichkeit für Bernanke, länger Geld in der Wirtschaft zu belassen, wäre die gekauften Bonds bis zur Fälligkeit zu behalten anstatt sie zu verkaufen.

Zuletzt hatte zudem der Chef der Fed-Filiale in Minneapolis, Narayana Kocherlakota, vorgeschlagen, das Niveau der Arbeitslosenquote, ab der die Zentralbank ihren Kurs ändert, noch weiter zu senken.

Durch einen solchen Schritt könnten - so jedenfalls die Hoffnung der Notenbanker - die langfristigen Zinsen weiter fallen und somit die Wirtschaft einen zusätzlichen Schub bekommen.

SDA/kle

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