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Banken brauchen 106 Milliarden Euro

Die Europäische Bankenaufsicht gab gestern den Kapitalbedarf der Geldinstitute in den einzelnen Länder bekannt. Zuvor legten die Länder ihren Plan zur Rekapitalisierung der Banken vor.

Auf der Suche nach der ultimativen Lösung: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.
Auf der Suche nach der ultimativen Lösung: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.
AFP

Die Europäische Bankenaufsicht beziffert den Kapitalbedarf der Institute auf 106 Milliarden Euro. Das geht aus einer Veröffentlichung auf ihrer Webseite vom Mittwochabend während des Euro-Gipfels in Brüssel hervor. Demnach brauchen die griechischen Banken 30 Milliarden Euro, die spanischen Banken 26,161 Milliarden und die italienischen Banken 14,771 Milliarden Euro. Französische Institute sind mit 8,844 Milliarden veranschlagt, deutsche mit 5,184 Milliarden Euro.

Eine interessante Meldung gibt es auch betreffend eines Sonderfonds: Frankreich will China für die Euro-Rettung anpumpen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy werde deswegen am Donnerstag mit seinem Pekinger Kollegen Hu Jintao sprechen, verlautete am Mittwoch aus europäischen Diplomatenkreisen. Der Hintergrund: Die Eurozone will ihren Rettungsschirm EFSF durch einen Sonderfonds verstärken, in den Drittstaaten einzahlen sollen. China gilt als eines der Länder, die so zur Stabilisierung der Schuldenkrise beitragen könnten. EFSF-Chef Klaus Regling will Ende der Woche nach Asien aufbrechen, um für Investitionen in den Rettungsschirm zu werben, hiess es am Mittwoch in Brüssel.

Forderung für einen Schuldenschnitt von 50 Prozent

Die Euro-Staaten wollen die Banken zu einem Forderungsverzicht von mehr als 50 Prozent griechischer Staatsanleihen drängen. Das verlautete am Rande des Euro-Gipfels am Mittwochabend in Brüssel. Die Privatgläubiger hielten 210 Milliarden Euro an Staatsanleihen, sagte ein mit den Beratungen der Euro-Chefs Vertrauter. Diese Summe solle um 100 Milliarden Euro reduziert werden. Daraus ergebe sich eine Reduktion um mehr als 50 Prozent, was mit den Konditionen für den geplanten Anleihetausch zusammenhänge.

Der internationale Bankenverband IIF hat erklärt, es gebe bislang keine Verabredung zu Griechenland oder einen spezifischen Schuldenschnitt. Das teilte er am späten Mittwochabend während des Euro-Gipfels in Brüssel mit.

Vertreter Griechenlands verhandelten mit Hilfe Deutschlands und Frankreichs parallel zum Gipfel in Brüssel mit den Banken über die Umschuldung. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel seien bereit, mit den Bankenvertretern selbst zu sprechen, hiess es in EU-Kreisen weiter. Sarkozy werde am Donnerstag zudem mit Chinas Präsident Hu Jintao über eine Beteiligung des Landes an der geplanten Zweckgesellschaft des Euro-Rettungsfonds EFSF zur Mobilisierung privater Kredite reden. Die Zweckgesellschaft ist eines der Modelle um den EFSF zu hebeln und ihn effizienter zu gestalten.

Derweil wehrte sich die italienische Regierung dagegen, als hoch verschuldetes Euro-Land am Pranger zu stehen. Sie halte sich an ihre europäischen Verpflichtungen. In einem Brief an den Euro-Gipfel hiess es laut der Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore», die Neuverschuldung Italiens habe 2010 nach neuesten Zahlen des europäischen Statistikamts 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Das entspreche fast der Neuverschuldung Deutschlands, die für 2010 von 3,3 auf 4,3 Prozent nach oben revidiert worden sei.

Frankreichs Zahl sei von 7,0 auf 7,1 Prozent korrigiert worden, Spaniens von 9,2 auf 9,3 Prozent, Griechenlands von 10,5 auf 10,6 und Portugals von 9,1 auf 9,8 Prozent. 2014 werde Italien einen Überschuss von 0,5 Prozent erreichen, ohne Zinszahlungen sogar von 5,7 Prozent. Der Schuldenberg werde dann schrumpfen auf 112,6 Prozent. Derzeit liegt er bei 120 Prozent.

dapd/mrs

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