Hayek fordert Nationalbank-Reform

Der Swatch-Chef kritisiert Ermottis 5-Punkte-Plan – er sieht das Problem bei der Nationalbank. Anders ein weiterer Chef eines Schweizer Grosskonzerns.

«Nicht nur Professoren und Theoretiker»: Swatch-CEO Nick Hayek. (20. März 2014)

«Nicht nur Professoren und Theoretiker»: Swatch-CEO Nick Hayek. (20. März 2014)

(Bild: Keystone)

Der Kampf um den Standort Schweiz geht in die nächste Runde. UBS-Chef Sergio Ermotti plädiert für Deregulierungen, doch Swatch-Chef Nick Hayek kritisiert diesen «Masterplan» – er sieht das Problem bei der Nationalbank. Im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag» sagt er, das «grösste Risiko für den Standort Schweiz» sei im Moment, dass er eine «offene Flanke» habe. Mit Blick auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses sagt Hayek: «Wir operieren quasi ohne Nationalbank. Sie hat sich vor den Augen der ganzen Welt aus dem Spiel genommen.»

Hayek schlägt im Interview darum eine Reform der Nationalbank vor: eine Erweiterung des heute dreiköpfigen Direktoriums auf «fünf oder sieben sehr unterschiedliche Personen. Nicht nur Professoren und Theoretiker». Es dürfe nicht sein, dass die Nationalbank wichtige Entscheide «im stillen Kämmerlein, in einem Denk-Tempel, theoretisch abgehoben» treffe. Die politische Unabhängigkeit der SNB müsse aber erhalten bleiben.

Nestlé-Chef kritisiert die Schweiz

Auf politischer Ebene wird die SP aktiv: Die Fraktion reicht im Parlament eine dringliche Interpellation zur Rolle der SNB ein, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Auch sie stellt, wie Hayek, die Frage nach der Einbindung der Nationalbank in die gesamtwirtschaftliche Verantwortung.

Ähnlich wie bei Ermotti tönt es bei Nestlé-Chef Paul Bulcke. Der Belgier kritisiert die Rahmenbedingungen in der Schweiz. Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» sagt er: «Die Regulation nimmt auf der ganzen Welt zu, doch in der Schweiz besonders stark. Das verstehe ich nicht.» Der grösste Vorteil in der Vergangenheit sei stets die Planungssicherheit gewesen in der Schweiz. «Wir kannten die Regeln. Doch nun kommen plötzlich neue Regeln am Laufmeter hinzu. Das macht es für uns unberechenbarer und wir müssen uns fragen, wie verlässlich ist das Land?»

Die Schweiz müsse sich überlegen, welchen Weg sie gehen möchte. Bulcke fordert mehr intelligente Dialoge und weniger Populismus.»Was ich zuletzt gesehen habe, ist kurzfristiges Denken. Lösungen, die unmittelbar gut erscheinen, langfristig aber Konsequenzen haben», sagt Bulcke in der «Schweiz am Sonntag». Dessen müsse sich die Schweiz bewusst sein. «Denn auf der Welt gibt es nichts gratis.»

Unzufrieden mit Zuwanderungsinitiative

Der Nestlé-Chef zeigt sich vor allem mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative unzufrieden. Nestlé sei ein internationaler Grosskonzern, der in der Schweiz weniger als 2 Prozent seines Umsatzes generiere. Zwei Drittel der Angestellten in der Entwicklungsabteilung seien ausländische Fachkräfte. «Diese Leute sind eine Bereicherung für uns alle. Doch nun müssen wir zig Papiere ausfüllen und auf die Knie gehen, damit diese Menschen hier arbeiten dürfen. Da hätte man zweimal überlegen sollen, ob das wirklich die Absicht war», sagt Bulcke.

Noch dieses Jahr eröffnet Nestlé eine dritte Nespresso-Fabrik in der Schweiz. Dieser Entscheid sei vor vier Jahren getroffen worden. Ob er heute nochmals gleich entscheiden würde? «Ich weiss es nicht. Die Rahmenbedingungen waren damals noch anders.»

rar

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