«Gleich lange Spiesse für in- und ausländische Arbeitskräfte»

Hintergrund

Patrik Schellenbauer ist Mitautor des Buches «Ideen für die Schweiz». Darin schlägt er vor, dass Firmen für ausländische Mitarbeiter eine freiwillige Abgabe zahlen. Im Interview nimmt er Stellung dazu.

«Es geht um ein Signal der Wirtschaft an die Bevölkerung»: Avenir-Suisse-Projektleiter Patrik Schellenbauer erklärt die Idee der freiwilligen Abgabe.
Chantal Hebeisen

Dieser Vorschlag von der Avenir Suisse dürfte noch zu reden geben: Firmen, die Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigen, sollen freiwillig einen gewissen Betrag in einen Fonds einzahlen. Die Idee stammt von Patrik Schellenbauer, Projektleiter bei der Avenir Suisse. In seinem Kapitel «Freiwillige Abgabe bei Neueinstellungen aus dem Ausland» schlägt er vor, dass sowohl Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer auf der Bemessungsgrundlage des Bruttolohnes zum Beispiel während drei Jahren Geld in einen Fonds einzahlen.

Damit, so Schellenbauer, sollen vor allem Frauen und ältere Menschen gefördert werden. Denn gerade durch die Personenfreizügigkeit verminderten sich die Anreize für die Wirtschaft, das Potenzial auf dem hiesigen Arbeitsmarkt voll auszuschöpfen. Schellenbauer bezieht sich dabei auf eine Studie des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, wonach in der Schweiz gerade bei den Frauen und älteren Menschen viel Potenzial brachliegt. Hier soll der Fonds mit den freiwilligen Abgaben zum Tragen kommen: Avenir Suisse schlägt vor, die Gelder für die Berufsbildung und Beschäftigungsprojekte in diesem Bereich einzusetzen.

«Gleich lange Spiesse für inländische und ausländische Arbeitskräfte»

Schellenbauer ist zwar überzeugt, dass die Personenfreizügigkeit ein grosser Vorteil für die Schweiz ist. «Der Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre wäre ohne das Abkommen gar nie möglich gewesen», so der Projektleiter. Doch die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt seien bisher zu wenig diskutiert worden. Die Tendenz bei den Firmen sei weiterhin, junge und motivierte Fachkräfte aus dem Ausland einzustellen, statt beispielsweise ältere Arbeitnehmer, die ihre Stelle verloren haben, wieder zu beschäftigen. «So geht viel Know-how verloren», ist er überzeugt. Es bestehe also ein gewisses Spannungsfeld zwischen den Vorteilen des offenen Arbeitsmarktes und den Fachkräften aus dem Inland.

Schellenbauer sieht für die Schweiz ohne ein Eingreifen langfristig die Gefahr, dass sie die Personenfreizügigkeit verliert und wieder Kontingente eingeführt werden. «Diese würden die Schweiz aber vor grosse strukturelle Probleme stellen», sagt er. Auf die Kritik vonseiten des Gewerbeverbandes, dass mit der Abgabe ungerechtfertigt in den Arbeitsmarkt eingegriffen werde, meint Schellenbauer: «Mit dieser freiwilligen Zuwendung sollen gleich lange Spiesse für inländische und ausländische Arbeitskräfte geschaffen werden.»

DerBund.ch/Newsnet

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