Euro sackt unter 1.14 Franken – die Gründe

Noch im April bei 1.20 erstarkt die Schweizer Währung erneut. Den letzten Schub gabs heute. Vier Faktoren sind entscheidend.

In den letzten Monaten ging es abwärts: Der Euro-Franken-Kurs seit Anfang Mai.

In den letzten Monaten ging es abwärts: Der Euro-Franken-Kurs seit Anfang Mai.

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Im Zuge der Krise um die türkische Währung wurde der Franken wieder deutlich aufgewertet, was sich in einem sinkenden Preis für den Euro niederschlägt. Heute Morgen hat die Gemeinschaftswährung weniger als 1.139 gekostet, noch gestern Mittag lag dieser Preis bei über 1.15 Franken. Wie erklärt sich die plötzliche Aufwertung? Die wichtigsten vier Faktoren:

Türkei und Banken in Europa

Die Aufwertung des Frankens ist teilweise bloss der Spiegel des schwächeren Euros. Denn die Gemeinschaftswährung hat auch gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Der Grund ist, dass nach einer Meldung der «Financial Times» die Europäische Zentralbank untersuchen will, wie stark Banken aus der Eurozone nach dem Wertzerfall der türkischen Währung Geld verloren haben. Die Türkei bzw. türkische Unternehmen weisen hohe Schulden in ausländischer Währung aus, die nun in Lokalwährung deutlich höher liegen und möglicherweise nicht mehr umfänglich bedient werden können. Da die Schwäche der Banken in der Eurozone einen wesentlichen Anteil an der Krise in der Währungsunion hatte, führen erneute Ängste um ihre Stabilität zur Abschwächung des Euro.

Neu aufflammende Ängste um Italien

Laut Daniel Trum, Währungsanalyst der UBS, führt aber auch das Verhältnis von Italien zur übrigen Eurozone zu grösserer Unsicherheit. Schon im Mai waren Sorgen um die Stabilität Italiens für eine deutliche Aufwertung des Frankens verantwortlich. Im Zusammenhang mit dem Budget der Regierung des hoch verschuldeten Landes deuten sich grössere Spannungen an.

Der Wertzerfall des russischen Rubels

Zwar macht wegen ihres abrupten Wertverlusts von mehr als 10 Prozent heute Morgen vor allem die türkische Lira aktuell Schlagzeilen. In der letzten Woche hat aber mit dem russischen Rubel angesichts neu drohender Sanktionen der USA eine weitere Währung eines Schwellenlandes mit 5 Prozent deutlich an Wert eingebüsst. Ein scharfer Kursverlust des Rubels war im Dezember 2014 mit ein Grund für die Einführung von Negativzinsen, weil die Mindestgrenze von 1.20 Franken pro Euro in Folge dieser Krise deutlich unter Druck kam.

Hinweise auf einen harten Brexit

Auch das Verhältnis der EU zu Grossbritannien ist stark spannungsgeladen. Die britische Regierung scheint in der Frage gespalten zu sein, wie weit sie der EU nach dem Austritt entgegenkommen will. Auch diese Unsicherheit lastet laut UBS-Analyst Trum auf dem Euro bzw. treibt den Frankenwert nach oben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2018, 15:41 Uhr

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