Ein giftiger Cocktail treibt Preis für Öl und Benzin in die Höhe

Seit die USA wieder Iran-Sanktionen angekündigt haben, steigt der Ölpreis stark an. Das weckt böse Erinnerungen.

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen auf den Heizölpreis: Entwicklung des Ölpreises Sorte Brent seit Jahresbeginn.

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen auf den Heizölpreis: Entwicklung des Ölpreises Sorte Brent seit Jahresbeginn. Bild: FuW

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Die Erklärung von US-Präsident Donald Trump, gegenüber dem Iran wieder Sanktionen einzuführen, haben sich sogleich auf die Erdölmärkte ausgewirkt. Der Preis pro Fass (159 Liter) der in Europa dominierenden Sorte Brent stieg bis zum Donnerstag auf knapp unter 78 Dollar an und liegt am Freitagmittag bei 77,4 Dollar. Noch Anfang April notierte der Rohstoff bei unter 70 Dollar pro Fass.

Für Konsumenten in der Schweiz kommt dazu, dass der Preisanstieg für das Rohöl durch den Umstand akzentuiert wird, dass sich auch der Dollar in Franken verteuert hat. Noch Mitte Februar kostete eine Einheit der US-Währung knapp mehr als 92 Rappen, mittlerweile ist es leicht mehr als 1 Franken. Am deutlichsten wirkt sich das unmittelbar auf den Preis für das Heizöl aus. Ebenfalls Mitte Februar kosteten 100 Liter davon noch rund 84 Franken, mittlerweile sind es mit 94 Franken 10 Franken mehr. Die Preise entsprechen dem vom Datenanbieter Heizoel24.ch berechneten Durchschnittspreis.

Angestiegen sind auch die Benzinpreise, wenn auch deutlich weniger als beim Heizöl. Aktuell kostet zum Beispiel bei Migrol ein Liter Bleifrei 95 1.66 Franken. Im Durchschnitt lag der Preis für dieses Benzin laut Touring-Club Schweiz noch vor rund einem Monat bei 1.61 Franken. Der geringere Einfluss des Ölpreises liegt hier daran, dass die Mineralölsteuern rund die Hälfte des Benzinpreises ausmachen. Ausserdem spielen sowohl beim Heizöl wie beim Benzin auch die Preise für die Rheinschifffahrt eine Rolle.

Düstere Erinnerungen

Ölpreise beeinflussen aber nicht nur die unmittelbaren Produkte aus dem Rohöl. Bei einem starken Preis des wichtigen Energielieferanten kommen sofort auch Erinnerungen an die 1970er-Jahre auf, als ein massiver Erdölpreisanstieg ebenfalls als Folge geopolitischer Spannungen der gesamten Weltwirtschaft hart zugesetzt hat und Auslöser für eine Lohn-Preis-Spirale war, die in den entwickelten Ländern die Inflation auf rund 15 Prozent ansteigen liess.

Grosse Bedeutung hat daher nicht nur der aktuell bereits angestiegene Erdölpreis, sondern dessen voraussichtlich weitere Entwicklung. Die Erwartungen dazu driften weiter deutlich auseinander, je nach Szenario, von dem man ausgeht.

Eine Unsicherheit betrifft den tatsächlichen Produktionsausfall durch den Iran, der aktuell mit rund 2,5 Millionen Fass pro Tag rund 3 Prozent der weltweiten Nachfrage deckt. Je nachdem, wie viele Länder sich dem Boykott der Amerikaner anschliessen, werden Ausfälle erwartet, die von 200'000 Fass bis zu mehr als 1 Million Fass pro Tag gehen. Beim letzten Boykott, als sich viele führende Abnehmerländer beteiligt haben, ging die Produktion um 1,4 Millionen Fass pro Tag zurück. Bis sich die US-Sanktionen tatsächlich in einer niedrigeren Produktion niederschlagen, dürften gemäss Analysten überdies rund 6 Monate vergehen.

Wer springt in die Bresche?

Die optimistischen Prognosen setzen darauf, dass der Ausfall der iranischen Produktion durch andere wettgemacht werden kann. Im Mittelpunkt steht hier einerseits die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die im Dezember 2016 eine Reduktion ihres Ausstosses zur Stabilisierung des zuvor vergleichsweise tiefen Ölpreises beschlossen hat. Wie die Nachrichtenagentur Reuters gestern mit Verweis auf Insider der Organisation berichtet hat, will man vorerst aber die eigene Produktion unverändert lassen.


Weshalb der Ölpreis in die Höhe sprudelt Der Erdöl-Kurs liegt auf dem höchsten Stand seit 2014. Das steckt hinter dem Preisanstieg. (Abo+)


Das wichtigste Erdölförderland und Opec-Mitglied Saudiarabien hat zwar erklärt, im Notfall zu helfen, den Markt zu stabilisieren. Es könnte seinen Ausstoss relativ einfach um mehr als 2 Millionen Fass pro Tag ausdehnen. Allerdings kommt dem Königreich ein höherer Erdölpreis aktuell sehr gelegen, denn es ist auf die Einnahmen daraus angewiesen, um seinen Krieg im Jemen sowie den geplanten Umbau seiner Wirtschaft und hohe Sozialausgaben zu finanzieren. Ausserdem führt ein höherer Preis zu einem grösseren Erlös beim geplanten Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Aramco.

Die USA als Profiteure

Der andere grosse Mitspieler auf dem Angebotsmarkt sind die Amerikaner. Bei den aktuell höheren Preisen lohnt sich dort die Produktion von Erdöl aus Schiefergestein. Bis zum Jahr 2019 könnten laut der «Financial Times» auf diesem Weg auch die USA ihr Angebot um 2,5 Millionen im Vergleich zum letzten Jahr auf 11,9 Millionen Fass pro Tag ausdehnen.

Dafür dass die Preise keine Extremwerte wie in der Vergangenheit erreichen – im Jahr 2008 stieg der Ölpreis zum Beispiel auf rund 145 Dollar pro Fass –, spricht auch, dass die Nachfrage heute angesichts einer stark gesteigerten Energieeffizienz deutlich geringer ist als früher. Die stark gesunkene Verhandlungsmacht der Beschäftigten und die technologischen Entwicklungen machen eine Lohn-Preis-Spirale unwahrscheinlich. Dazu kommt, dass die Inflation in allen entwickelten Ländern noch sehr tief ist, weshalb eine leichte weitere Erhöhung keine Gefahr für die aktuell starke Weltkonjunktur darstellt.

Auch wenn daher die meisten Faktoren für eine gewisse Gelassenheit sprechen, schliesst das nicht aus, dass sich die Dinge anders entwickeln und die Preise zumindest in nächster Zeit stärker weitersteigen, als das aktuell die meisten erwarten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.05.2018, 14:19 Uhr

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