Trotz Spanien-Hilfe – SMI nur minimal im Plus

Die angekündigten Milliardenhilfen der EU für Spanien hatte den Börsen weltweit zunächst zu Kurssprüngen verholfen. Der SMI schloss dennoch nur um 0,04 Prozent höher. Der Dow Jones verlor gar.

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Nach der angekündigten Hilfe für Spaniens Banken hat der Schweizer Aktienmarkt am Montag nur minimal im Plus geschlossen. Der Leitindex SMI legte am Vormittag deutlich zu, beendete den Handelstag aber fast unverändert. Grund für diese Entwicklung war die Skepsis der Anleger über die Nachhaltigkeit der Markterholung nach den Hilfsmassnahmen für Spanien. Auch die US-Börsen drückten auf die Stimmung: Der Dow Jones Index verlor noch vor Börsenschluss auf dem europäischen Festland kontinuierlich an Boden.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss um 0,04 Prozent höher bei 5871,35 Punkten und damit deutlich entfernt vom Tageshöchst von 5956 Punkten. Der breite SPI legte um 0,05 Prozent auf 5473,79 Zähler zu.

Wall Street schliesst im Minus

Die New Yorker Börsen sind derweil schlecht in die Woche gestartet und haben den Handel am Montag deutlich im Minus beendet. Der Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten Industrieunternehmen fiel um 143 Punkte auf 12.411 Zähler. Der breiter gefasste Index Standard & Poor's 500 verlor 17 Punkte und notierte bei 1.309 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging um 49 Punkte auf 2.810 Zähler zurück.

Bei den Finanzwerten begrüssten die Anleger zunächst, dass das von den spanischen Banken ausgehende Risiko nun von stärkeren Schultern getragen wird. Gegen Handelsschluss notierten die Banktitel aber uneinheitlich: Die Aktie der Credit Suisse verlor 0,2 Prozent an Wert, diejenige von Julius Bär legte um 0,3 Prozent zu.

Die UBS-Aktie büsste 1,4 Prozent an Wert ein. Medienberichten zufolge kommt der UBS der missglückte Facebook-Börsengang teuer zu stehen. Er könnte die Grossbank bis zu 350 Millionen Dollar gekostet haben. Die massiven technischen Probleme der Nasdaq seien der UBS zum Verhängnis geworden, hiess es.

Versicherer im Plus

Die Versicherer schlossen im Plus: Die Papiere von Swiss Re gewannen 0,6 Prozent an Wert, die Aktie der Zurich Insurance legte um 0,8 Prozent zu, diejenige von Swiss Life um 0,1 Prozent und diejenige der Bâloise um 0,3 Prozent.

Die beiden Luxusgüteraktien verloren indes ihre Kursgewinne aus dem Vormittagsgeschäft wieder: Der Aktienkurs der Swatch schloss 0,3 Prozent im Minus, die Richemont-Aktie notierte unverändert.

Auch die Aktie von Transocean ( 1,1 Prozent) zog zunächst deutlich an, büsste aber die Kursgewinne teilweise wieder ein. Andere Zykliker notierten im Minus: Clariant (-0,6 Prozent), Adecco (-0,5 Prozent) und Geberit (-1,0 Prozent). Ohne Nachrichten kletterten derweil die Titel des Lifesciencekonzerns Lonza um 2,8 Prozent in die Höhe und führten das Tableau an.

Die SMI-Schwergewichte notierten uneinheitlich: Die Nestlé-Aktie schloss 0,1 Prozent fester; die Novartis-Aktie hingegen büsste leicht an Terrain ein (-0,1 Prozent). Die Papiere von Roche notierten unverändert.

Die Synthes-Aktie lag bereits am Vormittag im roten Bereich und schloss bei -0,4 Prozen. Seit der Übernahmeofferte durch Johnson&Johnson bewegten sich Synthes aber kaum mehr - sie behaupten sich in Krisenzeiten und stagnieren in Aufschwungphasen. Vor deren Dekotierung werden die Titel des Medizinaltechnikers am Mittwoch letztmals an der Schweizer Börse gehandelt.

Börsianer warnen vor Optimismus

Mit starken Gewinnen reagierten zunächst auch die Anleihemärkte Spaniens und Italiens: Am Vormittag legten die Kurse für Staatsanleihen vor allem in den kurzen Laufzeiten deutlich zu. In den Wochen zuvor waren die Risikoaufschläge Spaniens auf immer neue Rekordstände gestiegen.

Die Preise für Rohöl und Industriemetalle wie Kupfer zogen um 1,6 beziehungsweise 2 Prozent an.

Börsianer warnten aber, dass die aktuelle Erholung vor allem auf das Konto von Käufen derjenigen Investoren gehe, die auf weiter fallende Kurse gewettet hatten. Zudem hiess es, der spanische Hilfsantrag sei zwar ein wichtiger Schritt, doch seien weiterhin strukturelle Reformen und Wachstum gefragt.

Troika soll Bankenreform überwachen

Mit Spanien wird nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Euroland unter den Rettungsschirm EFSF schlüpfen. Das Land soll finanzielle Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro erhalten, wie die Finanzminister des Euroraums am Wochenende beschlossen. Die EU-Kommission betonte am Montag, die mit den Geldern gestützten Banken müssten einen Plan zur Restrukturierung vorlegen müssen.

Auch für Spanien werde es eine Troika geben, die die Umsetzung der Auflagen überwachen werde, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia dem spanischen Radiosender Cadena Ser. Neben der Euro-Gruppe und der Europäischen Zentralbank werde dabei wieder der Internationale Währungsfonds an Bord sein. (kpn/fko/dapd/sda)

Erstellt: 11.06.2012, 22:42 Uhr

Starker Wochenstart: SMI-Kurs der letzten drei Handelstage. (Graphik: Bloomberg)

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