Bargeldbezug limitieren?

Wegen der Negativzinsen könnten Anleger Geld vom Bankkonto abheben und andersweitig horten. Offenbar gibt es «Überlegungen», dies allenfalls einzuschränken.

Vor allem institutionelle Anleger dürften sich Überlegungen zur Hortung von Bargeld machen: Frankennoten in Bündeln.

Vor allem institutionelle Anleger dürften sich Überlegungen zur Hortung von Bargeld machen: Frankennoten in Bündeln.

(Bild: Keystone)

Andreas Valda@ValdaSui

Institutionelle Anleger kündeten in den ersten Wochen nach Einführung der Negativzinsen durch die Nationalbank an, sie würden das Horten von Bargeld erwägen, um diesen Zinsen zu entgehen. Doch keine Schweizer Pensionskasse hat dies gemäss Kennern bisher getan. Dennoch kann man davon ausgehen, dass private Investoren im Stillen nach Lösungen suchen. Vor allem Kunden von in der Schweiz tätigen Auslandbanken und Privatbanken haben den Negativzins voll zu spüren bekommen. Der Hintergrund: Je weniger Kredite eine Bank vergibt, desto tiefer der von der SNB zugestandene Freibetrag.

Dem TA liegen nun die übereinstimmenden Aussagen der Chefs zweier systemrelevanter Banken vor, wonach «Überlegungen bestehen, wie der Bargeldbezug eingeschränkt werden könnte». Die letzten Zahlen der Nationalbank per Ende Dezember – neuere liegen nicht vor – zeigen, dass die Bargeldmenge weiter zunimmt.

Zur Diskussion stehen laut dem Bankkader «entweder eine Gebühr auf den Bezug von Bargeld oder eine Einschränkung des Bargelbezugs». Die SNB nahm dazu keine Stellung. Sie definierte aber auf Nachfrage die ihr zustehenden Mittel: «Die Nationalbank hat sich gemäss Gesetz bei der Ausgabe von Banknoten nach den Bedürfnissen des Zahlungsverkehrs zu richten; sie kann dafür Vorschriften über die Art und Weise, Ort und Zeit von Notenbezügen erlassen», sagt Sprecher Walter Meier. Bis anhin habe sie keine entsprechenden Vorschriften erlassen, sie könnte dies aber «jederzeit» tun. «Diese würden gegenüber Bargeldbezügern bei der SNB gelten, also typischerweise Banken und sogenannte Bargeld-Verarbeiter», so die SNB.

UBS-Chefökonom Kalt sagt, dass die Einführung solcher Restriktionen eine «schwerwiegende Massnahme» wäre. Der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger ist der Ansicht, die SNB habe keine Kompetenz, den Bargeldverkehr einzuschränken. Bargeld sei im Währungsgesetz als «Zahlungsmittel» definiert. Geld habe aber daneben zwei weitere Funktionen: Wertaufbewahrung und Wertmassstab. «Könnte die SNB unter dem Aspekt der Wertaufbewahrung die Bargeldverwendung einschränken oder belasten, würde sie damit auch die Zahlungsmittelfunktion zerstören.» (val)

DerBund.ch/Newsnet

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