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Konjunktur Verlangsamtes Wirtschaftswachstum im dritten Quartal Von Patricia Michaud und Marc Forster, SDA Vorausbericht

Nach einem fulminanten Start zum Jahresbeginn hat sich das Wirtschaftswachstum in der Schweiz im dritten Quartal verlangsamt.

Noch gelingt es der Exportwirtschaft überraschend gut, mit dem starken Franken zu recht zu kommen. Am nächsten Donnerstag publiziert das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die neuesten Zahlen zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt, BIP). Fünf von der Nachrichtenagentur SDA im Voraus befragte Ökonomen erwarten ein Wachstum von 0,4 bis 0,8 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Quartal. Auf Jahresbasis bedeutet dies ein Wachstum von 2,5 bis 3,5 Prozent. Im ersten Quartal war das BIP laut den vom SECO veröffentlichten Zahlen um 1 Prozent, im zweiten Quartal um 0,9 Prozent gewachsen (2,2 und 3,4 Prozent auf Jahresbasis). Dass die Wirtschaftsleistung nun schwächer wird, ist aus Expertensicht nur ein Beweis, dass die Wirtschaft zu einem «konventionelleren» Rhythmus zurückgekehrt ist. «Die Auswirkungen des starken Frankens waren im dritten Quartal noch nicht gravierend», sagt David Marmet von Zürcher Kantonalbank (ZKB). Im dritten Quartal habe sich lediglich beim Warenexport ein leichter Rückgang gezeigt. «Die Dienstleistungsexporte dürften sich weiterhin gut entwickeln», sagt Marmet. Skitouristen meiden Schweiz Für Janwillem Acket von der Bank Julius Bär ist es «bemerkenswert», dass die Schweizer Wirtschaft bisher so gut mit dem starken Franken leben konnte. Die Industrie zeige einiges an Innovationskraft in dieser schwierigen Zeit, vor allem auch die Zulieferer in die Euro-Zone. Zudem habe die Schweiz bisher vom Wachstumsschub beim wichtigsten Handelspartner Deutschland profitiert. Die Experten sind sich aber einig, dass der Druck wegen des starken Frankens in den nächsten Monaten zunehmen dürfte. Zu den am stärksten betroffenen Branchen gehört dabei der Tourismus. Im dritten Quartal seien asiatische Touristen auf ihren Europa- Trips weiterhin gekommen und hätten den Rückgang gebremst, sagt Ökonom Acket: «Sie blieben den Schweizer Reisezielen treu.» In der kommenden Skisaison würden aber Feriengäste aus den Euro-Ländern fehlen, warnt Marmet. Ihnen werde die Schweiz zu teuer. Starke Binnennachfrage Angesichts eines schwächer werdenden Aussenhandels dürfte die Nachfrage im Inland mehr und mehr zur Konjunkturlokomotive werden, schätzt der ZKB-Ökonom die Entwicklung ein. Dazu trägt auch bei, dass die Arbeitslosigkeit wieder sinkt und das Vertrauen der Konsumenten steigt. «Es gibt wenig Anzeichen für eine Abschwächung», resümiert Marmet. Die Bauinvestitionen hätten allerdings leicht abgenommen, gibt Roland Duss von der Genfer Privatbank Gonet & Cie. zu bedenken. Weniger Wachstum 2011 Das Gesamtjahr dürfte sich laut den Ökonomen der ZKB, der Bank Julius Bär sowie Gonet & Cie, Pictet und Syz & Co. etwa so entwickeln, wie es das SECO, die Grossbank UBS und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) voraussagen. Demnach wächst das BIP 2010 um etwa 2,7 Prozent. Für das nächste Jahr rechnen die Experten mit einem Wachstum von nur noch 1,7 bis 2,0 Prozent, vor allem wegen der Frankenstärke. Die UBS und die OECD sagen 2,3 Prozent bzw. 2,2 Wachstum voraus, während das SECO mit einer Prognose bei 1,2 Prozent wesentlich pessimistischer ist.

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