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Kollege Roboter

Die Angst, dass der technische Fortschritt die Arbeit wegnimmt, ist so alt wie die Menschheit selbst. Sie war schon immer unbegründet.

Roboter und Menschen sind nicht Konkurrenten, sondern werden sich ergänzen. Foto: Fabian Bimmer (Reuters)
Roboter und Menschen sind nicht Konkurrenten, sondern werden sich ergänzen. Foto: Fabian Bimmer (Reuters)

Nachdem der Ostblock zusammengebrochen war, verkündete der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1992 in einem Bestseller «Das Ende der Geschichte». Die Auseinandersetzung zwischen Planwirtschaft und Kapitalismus sei vorbei. Nur drei Jahre später prophezeite ein anderer Amerikaner, Jeremy Rifkin, in seinem Buch «Das Ende der Arbeit». Computer und Roboter würden den Menschen verdrängen und die meisten Industriejobs innerhalb von zwei Jahrzehnten verschwinden.

Heute hingegen, in Zeiten von Trump und Xi, Putin und Kim, ist klar, dass Fukuyama unrecht hatte; die Geschichte geht weiter, nur anders. Die These von Rifkin aber, dass uns die Arbeit ausgehen werde, ist populärer denn je, seit Robotern und Algorithmen nahezu magische Fähigkeiten nachgesagt werden.

Geschürt wird diese Angst nicht zuletzt von jenen, die bei der Digitalisierung unseres Lebens und Arbeitens ganz vorne mitwirken. Von Elon Musk etwa, dem Gründer des kalifornischen E-Auto-Herstellers Tesla, der künstliche Intelligenz für «viel gefährlicher als Atomwaffen» hält. Oder von Unternehmern aus dem Silicon Valley, die dafür plädieren, der Staat möge doch bitte Millionen von Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ruhigstellen, weil sie nicht mehr gebraucht würden.

Jede technologische Revolution hat auch Millionen neuer Stellen hervorgebracht.

Von solchen Prognosen mag man halten, was man will, aber eines ist ihnen gemein: Menschen, die gemeinhin an die entdeckerische Fähigkeit der Marktwirtschaft glauben, an die Kraft des Wettbewerbs, der ständig Neues hervorbringt, versuchen Entwicklungen vorauszusagen, die Jahrzehnte in die Zukunft weisen – als wären sie Vertreter eben jener Planwirtschaft, die mit dem Ende des Ostblocks zugrunde gegangen ist.

Wer sich die Geschichte technologischer Revolutionen anschaut, erkennt zudem: Die Ängste vor dem Wandel waren immer enorm, nicht bloss bei den Ludditen, die in den Jahren 1811 bis 1817 die Maschinen der Textilindustrie stürmten, sondern mitunter auch bei renommierten Ökonomen. 1821 befürchtete David Ricardo, die Mechanisierung werde viele Jobs überflüssig machen. 1930 beschwor John Maynard Keynes deswegen die Gefahr der Massenarbeitslosigkeit.

Doch noch jede technologische Revolution hat nicht bloss Millionen existierender Jobs zerstört, sondern auch Millionen neuer Stellen hervorgebracht – in Berufen, die sich zuvor niemand hatte vorstellen können. Nachdem das Auto erfunden worden war, verloren zwar die Kutscher ihren Job – aber es entstanden Berufe wie der des Autoingenieurs oder des Tankwarts.

Softwareingenieure für Autos

Und so ist es auch jetzt wieder, im Zeitalter der Digitalisierung. Wer hätte sich 1995, als Rifkin sein Buch schrieb, vorstellen können, dass zwei Jahrzehnte später Millionen von Menschen als Programmierer, Social-Media-Beauftragte, Suchmaschinenoptimierer oder Webdesigner arbeiten? Oder dass Autozulieferer Zehntausende von Softwareingenieuren beschäftigen?

Natürlich werden in den nächsten Jahren durch schlaue Maschinen auch viele Stellen wegrationalisiert werden, vor allem solche, bei denen Menschen immer wieder die gleichen Handgriffe vornehmen; ein Roboter kann solche öden Aufgaben viel besser erledigen. Aber auch schlaue Maschinen müssen gebaut, gewartet, überwacht werden, und dafür braucht es Menschen. In vielen Fällen sind diese Digitalmaschinen auch nur ein Hilfsmittel; sie ersetzen aber nicht den Menschen. Das gilt etwa beim Smartphone, das ja auch nur eine schlaue Maschine ist.

Das entscheidende Problem besteht also nicht darin, dass uns die Arbeit ausgehen wird, sondern darin, dass die Jobs von morgen entweder ganz andere sein werden – oder neue Fähigkeiten erfordern, weshalb wir in Zukunft ständig lernen und Firmen ihre Mitarbeiter unentwegt weiterbilden müssen. Es bedarf zudem einer klugen Industriepolitik, die das Entstehen der Jobs von morgen fördert; und einer Sozialpolitik, die all jene auffängt, die vorübergehend keine Arbeit finden. Wer hingegen Millionen Menschen einredet, sie würden nicht mehr gebraucht, wird sie desillusionieren und in die Arme von Populisten treiben.

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