Kaum ein Bier ist wirklich von hier

Hopfen und Malz kommen nur selten vom Schweizer Acker. Eine Gruppe von bernischen Landwirten und Brauereien pflanzt und verwendet nun wieder heimische Braugerste.

Gerstenmalz in verschiedenen Sorten: Der Rohstoff könnte dereinst ganz aus Schweizer Produktion stammen.

Gerstenmalz in verschiedenen Sorten: Der Rohstoff könnte dereinst ganz aus Schweizer Produktion stammen. Bild: Colourbox

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Auf Schweizer Feldern wächst zwar viel Gerste, aber zum Brauen von Bier und Brennen von Whisky eignet sich diese nicht. Die hiesigen Brauer und Brenner decken sich in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern mit dem Rohstoff ein. Bevor die Braugerste in die Brauereien geliefert wird, muss daraus Malz gemacht werden. Auch dieser Prozess findet heute im Ausland statt.

Das will die Interessengemeinschaft Mittellandmalz ändern. Dem Verein gehören 24 Brauereien und Whiskybrennereien an, darunter Egger, Felsenau, Burgdorfer und Aare Bier. Mitglied sind auch zwei Dutzend Landwirte aus dem Kanton Bern. Seit die IG Mittellandmalz 2012 gegründet wurde, haben sie sich im Anbau von Braugerste versucht. Heute wächst das Getreide bereits auf insgesamt 35 Hektaren. Das ergibt rund 130 Tonnen Malz pro Jahr. Die Mitglieder der IG kaufen dieses und verwenden es für bestimmte Biersorten.

So stellt etwa die Brauerei Egger in Worb ihr Oster- und Weihnachtsbockbier aus bernischer Gerste her. Mit 50 bis 60 Tonnen ist sie die grösste Abnehmerin der IG. Die Brauerei möchte in Zukunft deutlich mehr lokales Malz beziehen, wie Marcel Egger sagt. Er gehört zur sechsten Generation des Familienunternehmens.

Zwei lange Lastwagenfahrten

Egger betrieb in Worb einst eine eigene Mälzerei. So heisst die Anlage, welche aus Braugerste Malz macht. Der Prozess ist so simpel wie essenziell: Man lässt die Gerstenkörner in einer feucht-warmen Umgebung keimen, sodass im Korn Enzyme gebildet werden, die für den Brauvorgang nötig sind (sie zerlegen die Stärke in Zucker, aus welchem beim Gären Alkohol entstehen wird). Indem man die Gerste erhitzt, wird der Wachstumsprozess gestoppt – womit das Malz fertig ist. In der ganzen Schweiz gibt es heute keine grössere Mälzerei mehr. Auch die Braugerste der Berner Bauern muss mit dem Lastwagen nach Süddeutschland gebracht werden – und wieder zurück zu den Brauereien.

Das ist teuer und ökologisch fragwürdig. Deshalb will die IG Mittellandmalz eine eigene Mälzerei bauen. Die Idee stammt von Christian Ramseier, der auch die Interessengemeinschaft initiiert hat. Der gelernte Landwirt hatte sich während seines Bachelorstudiums an der Berner Fachhochschule mit dem Thema Gerste und Malz beschäftigt und prüfte experimentell, ob und wie Braugerste im Mittelland angebaut werden kann. «Ich will den Dialog zwischen der Landwirtschaft und dem Gewerbe fördern», sagt der heute 28-Jährige, der als Assistent an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften arbeitet und dort an seiner Masterarbeit schreibt.

Die Mälzerei möchte Ramseier bei ­einer bestehenden Mühle einrichten, wo Infrastruktur wie Laderampe, Silos und ein Gebäude vorhanden wären. Derzeit prüft er Standorte in Burgdorf, Kirchberg und Worb. Die Mälzerei würde zwei Personen beschäftigen und pro Jahr 400 bis 450 Tonnen Malz herstellen. Das entspricht rund einem halben Prozent des Bedarfs der Schweizer Brauereien. ­Einige bernische Produzenten könnten mit dieser Menge jedoch einen stattlichen Teil ihres Malzbedarfs decken.

Neben Egger ist auch die Burgdorfer Gasthausbrauerei interessiert am heimischen Malz, wie Sprecher Stefan Herrmann sagt. «Die Konsumenten wären bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen», meint Herrmann. Laut Christian Ramseier kostet Schweizer Braugeste etwa dreimal so viel wie die deutsche. Ramseier verweist jedoch darauf, dass die Kosten für Hopfen und Malz nur etwa 10 Prozent des Bierpreises ausmachen.

Hoffen auf öffentliche Gelder

Die Mälzerei-Anlage würde eine halbe bis eine Million Franken kosten. Die IG hofft, dass Bund und Kanton Bern im Rahmen der Regionalentwicklung das Projekt mit mehreren 100?000 Franken unterstützen werden. Der Kanton hat jüngst ein erstes grünes Licht gegeben, nun muss Ramseier einen detaillierten Businessplan erarbeiten. «Wir müssen nun aufzeigen, dass die Mälzerei selbsttragend betrieben werden könnte. Dann wird entschieden, ob sie gebaut wird.» (Der Bund)

Erstellt: 17.11.2015, 07:54 Uhr

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