Von Klischees und Karrieren

Die Netflix-Doku «Miss Representation» untersucht Frauenbilder in US-Medien. Sie macht es sich zu einfach.

Trailer zu «Miss Representation». Video: The Representation Project (Youtube)


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Die TV-Moderatorin, die mit tief ausgeschnittener Bluse die Nachrichten vorliest. Die Politikerin, die in einem Interview nach ihren Brustimplantaten gefragt wird. Die Kontrahentinnen, von einer Zeitung als «Schlampe» und «Dummchen» bezeichnet, die sich einen «Zickenkrieg» liefern. Es sind Ausschnitte aus US-amerikanischen Medien, wie sie täglich zu sehen sind.

Die 43-jährige Schauspielerin und Produzentin Jennifer Siebel hat sie für einen Dokumentarfilm zusammengetragen. Als sie schwanger wird und erfährt, dass sie ein Mädchen erwartet, beginnt sie, sich zu sorgen. Sie fürchtet, ihre Tochter werde nicht gesund und erfüllt aufwachsen können. Sie denkt an die Millionen Frauen, die unter mangelndem Selbstbewusstsein, Essstörungen oder Depressionen leiden. Schuld daran, glaubt Siebel, sind die Medien, weil sie Frauen allzu oft auf ihr Äusseres reduzieren.

In ihrem Film «Miss Representation», der seit letztem Sommer auf Netflix zu sehen ist, untermauert Siebel diese These. Sie lässt Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Prominente und Managerinnen zu Wort kommen, die selbst von den Medien in unvorteilhafte Rollen gedrängt wurden oder die Ursachen dafür erforschen. Darunter die Schauspielerin Jane Fonda, Ex-US-Aussenministerin Condoleezza Rice oder Ex-Yahoo-Chefin Marissa Mayer.

Nicht nur Medien sind schuld

Siebel schlägt im Film auch eine Brücke zur Wirtschaftswelt: Führung werde in den Medien als männliche Rolle dargestellt. Frauen hingegen werde vermittelt, ihr Wert leite sich aus ihrem Körper ab. Das halte sie davon ab, Führungspositionen anzustreben.

Der Film enthält viel Wahres, auch wenn sich das US-amerikanische Mediensystem nur begrenzt mit dem europäischen oder schweizerischen vergleichen lässt. Während etwa der Service public hierzulande fest etabliert ist, spielt er in den USA eine marginale Rolle. Ein Grossteil der Medien ist dort werbefinanziert, und gerade in der Werbung werden Geschlechterrollen besonders stark zementiert. Gleichzeitig kann niemand ernsthaft bestreiten, dass auch in der Schweiz Frauen in den Medien oft anders behandelt werden als Männer.

Trotzdem macht es sich der Film zu einfach. Denn nicht nur die medial vermittelten Rollenbilder halten Frauen davon ab, Positionen mit Einfluss zu erreichen, sondern auch die Realität. Studien zeigen, dass Frauen zu Beginn ihrer Karriere genauso ambitioniert sind wie Männer. Erst mit der Zeit passen sie ihre Ziele an oder ziehen sich zurück. Zum Beispiel weil sie merken, dass sich das Familienleben nicht mit dem Job vereinbaren lässt. Oder weil sie das Gefühl haben, nicht genug gefördert zu werden. Es hätte dem Film gutgetan, solche Dinge wenigstens zu erwähnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2017, 07:25 Uhr

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Dokumentarfilm

Jennifer Siebel: «Miss Representation». 89 min, Netflix. missrepresentation.org

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