Uni Bern bildet neu Verwaltungsräte aus

Am ersten Kurs nehmen 20 Männer und 5 Frauen teil. Referenten sind sowohl Universitätsprofessoren als auch Juristinnen und Verwaltungsräte.

An der Universität Bern will Verwaltungsräte fitter für den Job machen.

An der Universität Bern will Verwaltungsräte fitter für den Job machen. Bild: Archiv

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zeiten, als langjährige Politiker und Unternehmenschefs am Ende ihrer Karriere automatisch mit einem Verwaltungsratsposten belohnt wurden, sind vorbei. Die Anforderungen an Verwaltungsräte sind massiv gestiegen und steigen weiter. Fachwissen über eine Branche genügt nicht mehr. Ausgelöst durch Fehlverhalten und Versäumnisse in der Vergangenheit haben Gesetzgeber und Verbände ein enges Netz von Regulierungen gespannt. Wer nicht aufpasst, kann sich leicht darin verstricken. Die Universität Bern und die mit ihr verbundenen Rochester-Bern Executive Programs bieten deshalb erstmals einen Weiterbildungskurs für amtierende und künftige Verwaltungsräte an.

Fünf Frauen und zwanzig Männer haben diese Woche das erste von fünf Modulen in Angriff genommen. Die zweieinhalb Tage sind den grundlegenden Aufgaben, Kompetenzen und Pflichten heutiger Verwaltungsräte gewidmet. Dozenten sind sowohl Hochschulprofessoren als auch Praktiker. Zu Letzteren zählen die Juristin Ines Pöschel von der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard sowie der Jurist Georg Krneta, der auf seine langjährige Erfahrung als Präsident mehrerer Verwaltungsräte zurückgreifen kann. Jobst Wagner, Präsident der Rehau-Gruppe in Muri, hat sein Referat dem Thema gewidmet, welche Rolle der Verwaltungsrat in einem Familienunternehmen innehat.

Tipp: Sich zwei Fragen stellen

In der Schweiz gibt es mehrere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Verwaltungsräte. In Bern fehlte aber bisher ein entsprechendes Angebot. Diese Lücke werde nun geschlossen, sagt Claudio Loderer, Delegierter des Stiftungsrats von Rochester-Bern. Entsprechend der bernischen Wirtschaftsstruktur seien die Module in erster Linie auf Verwaltungsräte von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ausgerichtet.

Er habe selber in verschiedenen Verwaltungsräten Erfahrungen sammeln können, sagt Loderer. Eine Erfahrung sei: «Man darf nicht auf das Honorar aus dem Verwaltungsratsmandat angewiesen sein, sonst kann man sich keine kritischen Fragen erlauben.» Am besten stelle man sich schon vor der Wahl zwei Fragen: «Wer ist schon im Verwaltungsrat? Werde ich etwas zu sagen haben?»

Generationenhaus statt Hörsaal

Veranstaltungsort ist das aus dem ehemaligen Burgerspital hervorgegangene Generationenhaus in der Nähe des Bahnhofs Bern. Das vor anderthalb ­Jahren nach einer umfassenden Renovation neu eröffnete Haus biete die ­richtige Atmosphäre für die Ausbildung von Verwaltungsräten, sagt Petra Jörg, ­Geschäfstleiterin von Rochester-Bern Executive Programs. Der gesamte Kurs dauert von Februar bis Oktober. Alle zwei Monate sind zweieinhalb Tage für ein Modul vorgesehen. In den vier kommenden Modulen geht es um die Themen strategische Führung, finanzielle Führung, Personalpolitik sowie Changemanagement und Kommunikation (auch in Krisenzeiten).

Jedes Modul wird mit einer Prüfung in Form einer schriftlichen Arbeit zu einem Praxisthema abgeschlossen. Diese wird zu Hause geschrieben. Wer alle fünf Module erfolgreich abschliesst, wird mit einem Certificate in Advanced Studies (CAS) in General Management der Universität Bern und dem Certified Board Member (CBM) von Rochester-Bern Executive Programs ausgezeichnet. Die Gesamtkosten für die fünf Module betragen 14'800 Franken.

Eine Chance für Frauen

«Es ist erfreulich, dass auch fünf Frauen teilnehmen», sagt Petra Jörg. Die Ausbildung sei zwar kein spezifisches Frauenförderungsprogramm. Aber wer das CAS-Weiterbildungszertifikat vorweisen könne, habe gute Chancen auf ein Verwaltungsratsmandat. (Der Bund)

Erstellt: 07.02.2016, 08:16 Uhr

Die MBA-Ausbildung soll näher an die Uni rücken

Im Sommer 1994 erhielt Claudio Loderer, Professor für Finanzmanagement, einen Anruf aus den USA. Die Simon Business School der Universität Rochester wollte ihr Executive-MBA-Programm auch in der Schweiz anbieten. Loderer hatte an der Universität Bern studiert und in Rochester den Doktortitel erworben. Bereits im Januar 1995 nahm die erste Klasse des Rochester-Bern Executive MBA ihre Ausbildung auf.

Die berufsbegleitende MBA-Ausbildung war damals in der Schweiz noch wenig bekannt. Seither sind zahlreiche Ausbildungsstätten entstanden. Allein bei Rochester-Bern Executive Programs haben 700 erfahrene Kaderleute ihr MBA-Diplom erhalten.

Rochester-Bern bietet heute auch Weiterbildungsmöglichkeiten für Unternehmen an. Vor zwei Jahren wurde ein zweijähriger MAS-Lehrgang für erfahrene Kundenberater der UBS gestartet. Eine entsprechende Zusammenarbeit gibt es auch mit den SBB.

Trägerschaft von Rochester-Bern Executive Programs ist eine Stiftung. Claudio Loderer ist Delegierter des Stiftungsrats, Geschäftsleiterin ist Petra Jörg. Loderer war von 1990 bis Anfang 2016 zugleich Direktor des Instituts für Finanzmanagement an der Universität Bern. Die Direktorenstelle hat er wegen Erreichens der Altersgrenze von 65 Jahren abgegeben. Aber er hat noch eine neue Aufgabe übernommen: «Ich soll Rochester-Bern Executive Programs näher an die Universität heranführen», sagt Loderer.


Zuerst ging die Uni auf Distanz


Bei der Gründung vor zwanzig Jahren habe die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät noch kein grosses Interesse gezeigt, die MBA-Ausbildung zu integrieren. Deshalb werde sie seither von der Stiftung getragen. Inzwischen möchte die Universität das MBA-Programm enger an sich binden.

Loderers Nachfolger an der Universität Bern als Professor für Finanzmanagement und Direktor des Instituts für Finanzmanagement wird Philip Valta. Er wird seine neue Aufgabe am 1. September 2016 übernehmen.


Zurück in Bern


Der 37-Jährige Valta ist schweizerisch-tschechischer Doppelbürger. Er studierte an der Universität Bern Wirtschaftswissenschaften und erwarb den Doktortitel an der EPFL Lausanne. Seit 2010 ist er Assistenzprofessor an der Universität HEC in Paris, und er lehrt auch an der EPFL.

Artikel zum Thema

Ein Leben für die Forschung

An der Universität werden Tierversuche durchgeführt. Hinter verschlossenen Türen, in einer klinisch reinen Umgebung. Für den «Bund» öffneten die Forscher ihre Labortüren. Mehr...

Regierung spricht sich für Laborneubau aus

Der Regierungsrat spricht sich für den Laborneubau der Universität Bern aus. Dieser schaffe dringen benötigter Platz für die Rechtsmedizin und die medizinische Forschung. Mehr...

Universität Bern baut die Geschlechterforschung aus

Die Universität Bern hat die Nachfolge von Brigitte Schnegg geregelt – und stellt bei dieser Gelegenheit den Genderstudies mehr Geld zur Verfügung. Mehr...

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Kommentare

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Schattenspiel: Biathleten trainieren im österreichischen Hochfilzen für den 10km Sprint im Weltcup. (13.Dezember 2018)
(Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images) Mehr...