Damit der Sprung vom Strand ins Büro nicht zum Absturz wird

Was sollte man bei der Rückkehr zum Job auf keinen Fall tun? Wo lauern die Fallen? Antworten vom Experten.

Hier gehts heimwärts: Touristen boarden einen Ferienflieger auf Mallorca.

Hier gehts heimwärts: Touristen boarden einen Ferienflieger auf Mallorca. Bild: Keystone

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Herr Schreiber, was sollten Ferienrückkehrende besonders beachten, damit sie möglichst gut in ihre Arbeit zurückfinden?
Wie gut jemand den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag schafft, hängt nicht zuletzt von der Gestaltung der Ferien ab – aber für Letzteres ist es ja nun zu spät. Schwer wird es für Leute, welche die Ferien primär am Strand verbracht haben und nun gleich von null auf hundert durchstarten wollen. Idealerweise hat man auch die Ferien für Aktivitäten und Herausforderungen genutzt, und zwar für solche, die einem Freude bereiten. So lässt sich verhindern, dass man von null auf beginnt.

Ansonsten empfehle ich den Ferienrückkehrenden, dass sie sich bewusst auf den Wiedereinstieg und die damit verbundene Umstellung des Tagesrhythmus einstellen. Diese Änderung gehört ganz einfach dazu. Wir sollten es im Gegenteil als gutes Zeichen werten, wenn wir eine gewisse Angewöhnungszeit benötigen. Das spricht für den Erholungswert der Ferien und den Abstand vom Berufsalltag, den wir dadurch gewonnen haben.

Was sollte man umgekehrt in den ersten Arbeitstagen vermeiden, um den Wiedereinstieg zu erleichtern?
Ich rate vor allem von zwei Extremen ab: Weder sollte man sich die ersten Tage mit Terminen vollstopfen, um so gleich wieder auf Touren zu kommen. Noch sollte man umgekehrt gar keine Termine vereinbaren. Es gilt, wie so oft, ein gesundes Mittelmass zu finden.

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Entscheidend ist aber eines: Dass wir uns nicht unter Druck setzen lassen. Viele Leute neigen dazu, Ferien als die Zeit zu betrachten, in der sie sich erholen müssen. Entsprechend ist ihre Erwartung an sich, dass sie anschliessend gleich vom ersten Arbeitstag an wieder voll einsatzfähig sind. Von diesen Schemata gilt es wegzukommen und stattdessen eine zu uns passende, individuelle Strategie zu finden, wie wir mit den Übergängen von Arbeit zu Ferien und wieder zurück am besten umgehen. Dazu bedarf es aber der Bereitschaft, diese Änderungen als solche zu akzeptieren und uns mental darauf einzustellen.

Ist es eine gute Idee, bereits am Sonntag die Mails durchzuschauen, um am Montag nicht überrollt zu werden?
Auch diese Frage lässt sich nur individuell beantworten. Es gibt die Leute, die ein gutes Gefühl dabei haben, die Mails schon am Sonntag anzuschauen, wenn sie noch gar nicht müssen. Oder auf diese Weise eine gewisse Anspannung vor dem ersten Arbeitstag abbauen können. Ich würde allen empfehlen, beides zu versuchen: Die Mails schon vorher anzuschauen oder erst am ersten Arbeitstag – und dabei zu merken, dass man überhaupt nichts verpasst hat, was man nicht am Montag in aller Ruhe angehen könnte.

Mit welchen Arbeiten sollte man beginnen, um die Rückkehr angenehmer zu machen?
Das hängt erst einmal stark von der Tätigkeit ab und ist wiederum von Person zu Person unterschiedlich. Sicher ist es von Vorteil, sich zum Start einen halben Tag oder vielleicht auch einen ganzen Tag für die Durchsicht und Beantwortung der Mails zu nehmen. Danach sollte man möglichst rasch den Weg in den Arbeitsalltag zurückfinden.

Video: Wie und wo Ferienfotos am besten speichern?

Digital-Redaktor Matthias Schüssler sagt, was man mit den Bildern am besten macht.

Würde der Einstieg leichtfallen, wenn man mit der Arbeit nicht am Montag, sondern erst zur Wochenmitte begänne?
Grundsätzlich finde ich das eine gute Idee. Die Aussicht auf das baldige Wochenende kann beim Wiedereinstieg helfen. Aber der Nachteil ist, dass die Eingewöhnungszeit unterbrochen wird. Sie geht dann eben in der Folgewoche weiter und wird dadurch verlängert.

Wie lange dauert es jeweils, bis eine Arbeitskraft nach zwei- bis dreiwöchiger Ferienabwesenheit wieder voll im Arbeitsrhythmus ist?
Eine zwei- bis dreitägige Eingewöhnungszeit halte ich für ganz normal. Kommt noch ein Jetlag hinzu, kann es auch bis zu vier Tage dauern. Braucht jemand für die Rückkehr ins Arbeitsumfeld eine darüber hinausgehende Angewöhnung, dürfte das Problem woanders liegen. Womöglich ist diese Person nicht glücklich mit ihrer Arbeit, und sie müsste hier nach einer Klärung suchen.

Wie kann man dafür sorgen, dass der Erholungseffekt der Ferien möglichst lange andauert?
Das beginnt wieder bereits in den Ferien. Die beste Erholung ist mit einem vernünftigen Mass an körperlichen und geistigen Aktivitäten gewährleistet. Und zu dieser mentalen Erholung gehört eben auch, dass man eine gewisse Umstellungszeit beim Wiedereinstieg in die Arbeit als ganz normalen Prozess in Kauf nimmt. Darüber hinaus ist nach der Rückkehr ins Büro auch hilfreich, in der Freizeit Aktivitäten auszuüben, die mit positiven Eindrücken und Erlebnissen verbunden sind. Letztlich hängt die Dauer der Erholungswirkung aber massgeblich davon ab, ob mir die Arbeit Freude bereitet und ich darin aufgehe. Gefällt mir der Job nicht, kommt der nächste Durchhänger schon sehr bald.

Bilder: Die spektakulärsten Pools der Welt

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.08.2017, 06:11 Uhr

Marc Schreiber ist Professor für Laufbahnpsychologie am IAP Institut für angewandte Psychologie Zürich der ZHAW.

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