Zum Hauptinhalt springen

Kann der Arbeitgeber unbezahlte Arbeit verlangen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Arbeitsrecht.

Andrea Fischer
Vorstandssitzung von General Motors (Symbolbild). Bild: Keystone
Vorstandssitzung von General Motors (Symbolbild). Bild: Keystone

Ich habe mich als Betriebsleiterin für einen Flüchtlingstreff beworben und die Stelle auch bekommen. Das Pensum beträgt 40 Prozent. Arbeitgeber ist ein Verein, der auch den Treff führt. Nun habe ich den Arbeitsvertrag erhalten; darin gibt es einen Punkt, den ich merkwürdig finde. Da steht, dass ich an den regelmässigen Vorstandssitzungen teilnehmen muss. Diese finden mindestens einmal monatlich immer am Abend, also ausserhalb meiner Arbeitszeit, statt, und sie dauern jeweils mehrere Stunden. Die Sitzungen würden mir nicht als Arbeitszeit angerechnet, es wird vielmehr erwartet, dass ich unentgeltlich daran teilnehme. Kann ein Arbeitgeber vertraglich so etwas verlangen?

Ja, das kann er. Das ist im Grunde der einzig korrekte Weg. Denn nur was vertraglich abgemacht ist, kann ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitenden auch einfordern. Dass der Arbeitgeber Ihnen nicht bereits im Bewerbungsverfahren reinen Wein eingeschenkt und offengelegt hat, was er von Ihnen alles erwartet, ist unschön. Aber noch ist der Vertrag nicht unterschrieben: Es liegt nun an Ihnen, zu entscheiden, ob Sie damit einverstanden sind oder nicht.

Nehmen Sie den Vertrag an, so wie er vorliegt, dann wären Sie tatsächlich verpflichtet, an den regelmässigen Vorstandssitzungen zu erscheinen, ohne dafür zusätzlich entschädigt zu werden. Die Sitzungen wären dann quasi mit Ihrem Lohn abgegolten. Wenn dies für Sie nicht infrage kommt, sollten Sie versuchen, eine Änderung des Vertrags zu erreichen. Teilen Sie dem Arbeitgeber mit, dass Sie nicht bereit seien, unentgeltlich an den Sitzungen teilzunehmen. Entweder man rechne Ihnen die dafür aufgewendete Zeit als Arbeitszeit an, oder man bezahle sie zusätzlich für die Dauer der Sitzungen. Sie könnten allenfalls auch vorschlagen, dass die Bezahlung in Form einer Pauschale erfolgt, falls das für Sie eine Option ist.

Es besteht indes – wie immer in solchen Fällen – das Risiko, dass der Arbeitgeber nicht auf die Forderung einsteigt. Das hängt vor allem davon ab, wie begehrt die Stelle ist und ob es andere valable Kandidatinnen gibt, die bereit wären, den Vertrag telquel zu akzeptieren. Dennoch sollten Sie nicht allein aus Angst, den Job nicht zu bekommen, auf Ihre berechtigte Forderung verzichten. Sonst droht Unzufriedenheit, weil Sie sich dann allmonatlich über die «Gratisarbeit» ärgern würden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch