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Josef Ackermann hofft auf Wiedererstarken von EU und Eurozone

Für den Verwaltungsratspräsidenten der Zurich- Versicherung und ehemaligen Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ist die Lösung der Schuldenkrise auch für die Banken zentral.

Er warnt vor Auflösungstendenzen bei den europäischen Strukturen. «Es ist wichtig, dass zusammenzuhalten, was wir geschaffen haben», sagte Ackermann am Mittwoch während eines Anlasses zum 100. Jahrestag der Gründung der Handelskammer Deutschland-Schweiz. Eine Alternative gebe es nicht. Europa laufe Gefahr, sich als ernstzunehmender Spieler in der Welt zu verabschieden. Ein Abbau der europäischen Strukturen wäre verheerend: «Zerstörung ist wesentlich teurer als eine weitere Konstruktion». Es brauche Geduld, bis die Reformen in verschiedenen Ländern Wirkung zeigten. Reformen zur Senkung der Schulden seien aber nötig. «Schmerzen und Lasten vermeiden kann man nicht.» Es wäre unverantwortlich, würden finanzielle Hilfen in der Euro-Zone nicht mit Massnahmen gegen jene Entwicklungen verknüpft, welche zu den heutigen Zuständen geführt hatten, sagte Ackermann. Gefahr von Kurzschlusshandlungen. Die Gefahr von politischen Kurzschlusshandlungen, die fünf Jahrzehnte europäischer Integration in Frage stellten, bestünden. Die Zustimmung zu Europa schwinde in vielen Ländern, sagte Ackermann bei seinem ersten öffentlichen Auftritt, seit er Anfang Juni das Präsidium der Zurich Insurance Group übernommen hat. Dass auch die Finanzmärkte politisch auf die Krise reagierten, sei ebenso logisch wie unheilvoll, sagte Ackermann weiter. Er übte aber auch Kritik an den Politikern. Die EU und die Euroländer hätten es nicht vermocht, den Investoren zu erklären, was ihre Politik sei. Nationalstaaten zu klein Es brauche die europäische Strukturen auch, weil die Nationalstaaten zu klein seinen. Auch die grössten Euro- Wirtschaftsmächte Deutschland und Frankreich allein wären zu klein, um mit den anderen globalen Wirtschaftsmächten und -blöcken zu verhandeln. Die Krise in Europa sei eine Wachstumsbremse für die etablierten Finanzplätze des Westens, sagte Ackermann. Diskussionen um den Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen London, Paris oder Frankfurt seien aber «töricht». Es gehe darum, über deren Wettbewerbsfähigkeit mit Amerika und Asien zu reden. Das Schweizer Finanzsystem sei immer noch sehr solide, dies zeigten auch die Zuströme von Kapital, auch wenn diese in Form der Frankenstärke auch Sorgen bereite. Die SNB habe überlegt, angemessen und zielführend gehandelt, als sie die 1,20-Franken-Untergrenze für den Euro einführte. Zäsur Regulierung Neben der Schuldenkrise sei auch die Regulierung des Bankensektors eine Zäsur für die Finanzbranche. Ackermann kritisierte nationale Alleingänge bei der Bankenregulierung. Die Banken in der Schweiz und in der EU liefen Gefahr, dadurch Vorteile gegenüber der amerikanischen Konkurrenz zu verlieren. Ausserdem gebe es in Europa zu viele staatlich gestützte Banken. In den USA habe man schwache Banken mit stärkeren verschmolzen.

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