Investoren erhöhen Druck auf Meyer Burger

Eine neue ­Aktionärsgruppe fordert einen eigenen Sitz im Verwaltungsrat.

Die Aktionärsgruppe um Kondraschews Sentis Capital verfolgt mit der ausserordentlichen GV ein einziges Ziel: einen eigenen Mann in den Verwaltungsrat zu bringen.

Die Aktionärsgruppe um Kondraschews Sentis Capital verfolgt mit der ausserordentlichen GV ein einziges Ziel: einen eigenen Mann in den Verwaltungsrat zu bringen.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Je schlechter die Zahlen, umso heftiger der Kampf um das Unternehmen. So derzeit beim Maschinenhersteller Meyer Burger in Thun. Zum achten Mal in Folge wird das Hightechunternehmen dieses Jahr rote Zahlen präsentieren. Ebenso lange haben die Aktionäre keine Dividende mehr gesehen.

Der russische Grossaktionär Petr Kondraschew hat den Glauben an Meyer Burger dennoch nicht verloren. Doch über sein Liechtensteiner Investmentvehikel Sentis Capital fordert er immer wieder einschneidende Änderungen bei Meyer Burger. Nun hat sich Kondraschew mit anderen grösseren Aktionären zusammengeschlossen, um die 10-Prozent-Schwelle zu erreichen.

Dies ist jüngst gelungen, sodass die Aktionärsgruppe nun mit Abstand am meisten Stimmrechte besitzt. Nun wollen der russische Investor und seine Verbündeten davon Gebrauch machen: Gestern teilten sie mit, dass sie bei Meyer Burger die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung beantragen. Dies ist Aktionären mit einem Stimmrecht von über 10 Prozent gemäss den Statuten von Meyer Burger möglich.

Die Aktionärsgruppe um Kondraschews Sentis Capital verfolgt mit der ausserordentlichen GV ein einziges Ziel: einen eigenen Mann in den Verwaltungsrat zu bringen. Dieser wurde gestern denn auch gleich vorgeschlagen. Es handelt sich um Sentis-Verwaltungsrat Mark Kerekes, einen in der Schweiz lebenden Österreicher mit Berufserfahrung im Finanzwesen. Laut Mitteilung würde Kerekes das Verwaltungsratsmandat gar gratis ausüben.

Mit Kerekes’ Wahl kann es der Aktionärsgruppe gar nicht schnell genug gehen, wie aus der gestrigen Mitteilung hervorgeht. Der Hintergrund: Der Verwaltungsrat von Meyer Burger prüft derzeit «alle strategischen Optionen» für die Zukunft des Solarmaschinenherstellers – also auch einen teilweisen oder vollständigen Verkauf des Geschäfts. Die besorgten Investoren wollen, dass ihr Mann dabei mitreden kann.

Urs Schenker ist an Bord

Zur Aktionärsgruppe gehören neben Kondraschew und seinen Mitstreitern bei Sentis Capital unter anderem auch der Zürcher Financier Urs Fähndrich, der im April die Verwaltungsräte von Meyer Burger wegen eines angeblichen Insiderhandels angezeigt hatte, und der bekannte Zürcher Wirtschaftsanwalt Urs Schenker. Insgesamt vertreten die 14 Aktionäre derzeit 11 Prozent der Stimmen. Die Gruppe rief Meyer Burger gestern dazu auf, darauf zu verzichten, Ressourcen für die Abwehr von Aktionärsanträgen aufzuwenden.

An der Börse stiess der Aktionismus der Investoren in den letzten Tagen auf Interesse: Die Meyer-Burger-Aktien stiegen gestern um 0,4 Prozent, seit Anfang Monat resultiert gar ein Plus von über 6 Prozent.

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