Diskret, aber immer für den FCB da

Bernhard Burgener soll neuer Präsident des FC Basel werden. Er hat einen guten Ruf – und einen Machtkampf am Hals.

Wird in Basel als integer und risikofreudig beschrieben: Bernhard Burgener. Foto: Thorsten Jochim (Visum)

Wird in Basel als integer und risikofreudig beschrieben: Bernhard Burgener. Foto: Thorsten Jochim (Visum)

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Ein Präsident entschuldigt sich: Bei der Generalversammlung seiner Unternehmensgruppe Highlight Communications bedauerte Bernhard Burgener, dass sein Name so oft in den Medien auftauche. Sobald sich die Aufregung wieder lege, versprach der Verwaltungsratspräsident, werde er medial «wieder verschwinden». Einhalten konnte er dieses im Dezember 2016 gegebene Versprechen nicht. Seit dem Wochenende macht Burgener wieder Schlagzeilen. Dieses Mal nicht als Player im spektakulären Machtkampf um ein deutsches Medienunternehmen. Sondern im Fussball. Burgener wurde vom FC Basel angefragt, ob er als Nachfolger von Bernhard Heusler neuer Präsident sein möchte. Er sei im Grundsatz interessiert, sich zu engagieren, sagt Burgener gegenüber DerBund.ch/Newsnet: «Aber entschieden ist noch nichts.»

Burgener wird in Basel als analytischer Denker, als integer und risikofreudig beschrieben. Dabei verliere er aber nie die Bodenhaftung. Peter Epting, FCB-Präsident in den 90er-Jahren, erinnert sich an Burgeners Tätigkeit im Clubvorstand. Damals war der FCB bei der Basler Wirtschaft nicht gut angesehen, aber Burgener sei es gelungen, das Ansehen bei regionalen Betrieben zu verbessern und so auch Geld zu organisieren. «Er hat die alten Zeiten miterlebt und weiss, dass es einem Fussballclub auch richtig schlecht gehen kann», sagt Epting: Einigen ehemaligen Fussballern habe Burgener Jobs gegeben, damit sie sich über Wasser halten konnten. Auch der ehemalige Finanzchef des FCB, Mathieu Jaus, streut Rosen: Er sei diskret, aber «immer da gewesen, wenn ihn der FCB gebraucht hat».

Keine ausländischen Investoren

Besonders geschätzt werden beim Club wohl auch Burgeners gute Beziehungen zu Spielerlegende Karli Odermatt und zur Roche-Erbin Gigi Oeri, der Clubpräsidentin bis 2012. Ihre Stiftung finanziert heute mit rund drei Millionen Franken im Jahr den Basler Nachwuchs. Oeri spricht auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet über Burgener als «Freund», betont aber, dass sie ihn weder vorgeschlagen und protegiert habe. Burgener sei in der Stadt und im FCB verwurzelt und wolle verhindern, dass der Club von ausländischen Investoren übernommen werde.

In der grossen Fangemeinde des Clubs ist der Name Burgener noch eher unbekannt, und auch in Wirtschaftskreisen kennen ihn viele nicht persönlich: «Er hat sich nie angebiedert und war nie dabei, wenn sich ‹tout Bâle› trifft», sagt einer, der ihn schon länger kennt, aber anonym bleiben will. In Basel fragt man sich aber nicht nur, wie Burgener nun ins Rampenlicht treten will.

Auch seine unternehmerische Tätigkeit ist ein Thema. Seine Highlight Communications in Pratteln ist Muttergesellschaft der Team Marketing in Luzern, die im Auftrag des Europäischen Fussballverbands Uefa die Champions League vermarktet. Das Geschäft brummt, das Team gilt als die Cashcow in Burgeners Unternehmensgeflecht, das unter anderem auch die Wiener Philharmoniker und den Eurovision Song Contest vermarktet. Hätte ein Clubpräsident, der gleichzeitig den Fussball für die Uefa vermarktet, nicht einen klassischen Interessenskonflikt? «Sollte es zu einem Engagement kommen, würde ich meine Mandate bei Team abgeben», sagte Burgener DerBund.ch/Newsnet.

«Fack ju Göhte»

Dabei wird Burgener in den wenigen Porträts, die es über ihn gibt, als Vollblutunternehmer beschrieben. Als einer, der die Zahlen kennt, der sich nichts vormachen lässt, der in Verhandlungen zwar freundlich, aber auch beinhart in der Sache auftritt. Es ist eine Härte, die aus seiner Biografie erklärbar ist. Sein Verhältnis zum Geld sei speziell, sagen seine Freunde: Burgener wurde nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Er machte in Basel eine KV-Lehre und gründete mit 25 einen Videoverleih, der schnell expandierte und den er mit Gewinn verkaufte.

Er stieg auf den Handel mit Filmrechten um, hatte mit nicht einmal 30 Jahren die erste Million in der Tasche. Er gründete weitere Firmen oder kaufte sie ein. Dazu gehörten die Constantin Film mit Erfolgen wie «Das Parfum» oder «Fack ju Göhte» und Comosa, eine Planungsfirma für Sportevents. Dass Burgener im Stiftungsrat einer medizinischen Stiftung in Zürich sitzt, hat auch mit seiner Lebensgeschichte zu tun. Sein Vater starb an einem Herzinfarkt, und 2011 musste Burgener bei einem Abendessen den Tod seines Freundes und Geschäftspartners, des Filmproduzenten Bernd Eichinger, mit ansehen: Herzversagen.

Mit seiner Vision, das Filmbusiness mit Sportmarketing zu verbinden, kommt Burgener jetzt den Plänen der deutschen Constantin Medien in die Quere. Deren Chef Dieter Hahn fokussiert ganz auf den Sport und will die Tochterfirma Constantin Film verkaufen. Burgener hält dagegen. Das Problem dabei ist die gesellschaftliche Verzahnung der Unternehmen: Constantin Media hält die Mehrheit an Burgeners Highlight Communications, diese wiederum eine Minderheit an der Constantin Media. Die Constantin Film ist eine hundertprozentige Tochter von Highlight.

Versammlung eskaliert

Vergangenen Sommer eskalierte der Machtkampf zwischen Burgener und Hahn. Die Hauptversammlung im August musste abgebrochen werden, die Wiederholung im November endete mit viel Geschrei und dem Versuch, der Aktionärsgruppe rund um Burgener das Stimmrecht zu entziehen. Eine derart aufgeheizte Stimmung habe er noch nie erlebt, erinnert sich Burgeners Berater Aloys Hirzel: «In der Schweiz wäre das undenkbar.» Burgener sei zwar ruhig geblieben und habe als Antwort eine kurze, mit viel Applaus bedachte Rede gehalten. Aber «er hat sich zutiefst ungerecht behandelt gefühlt», sagt Hirzel.

Wie vergiftet die Stimmung zwischen den beiden Parteien ist, zeigt die Antwort von Hahns Sprecher Norbert Essing auf Fragen von DerBund.ch/Newsnet. Essing spricht von Burgener als «einem ehemaligen Videothekenbetreiber», der seit langem beim FCB einen Fuss in die Tür bekommen wolle. Zwischen Hahn und Burge-ner herrscht Funkstille. «Mit solchen Leuten gibt es keine direkten Verhandlungen», sagt Hahns Sprecher Essing. Burgeners Berater Hirzel schätzt, dass sich der Streit «noch zwei, vielleicht sogar drei Jahre hinziehen kann, wenn die Parteien durch alle Instanzen gehen». Jetzt seien die Gerichte am Zug.

Ist es in einer unternehmerisch so schwierigen Situation ratsam, auch noch einen Fussballclub zu übernehmen? Die ehemalige Clubpräsidentin Gigi Oeri sagt, sie sei überrascht gewesen, als ihr Burgener vom Angebot erzählt habe: «weil ich weiss, was er alles macht – und weil ich keine Lücke in seinem Terminkalender gesehen habe».

Oeri hat Burgener trotzdem geraten, das Angebot anzunehmen. Allerdings müsse er als Präsident etwas tun, was er bisher lieber vermieden habe: rausgehen und sich zeigen. «Einen Fussballclub kannst du nicht aus dem Hintergrund führen», sagt Oeri, «das musste ich auch erst lernen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.02.2017, 23:15 Uhr

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