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Herr Spiesshofer, ist Ihnen nichts Besseres eingefallen?

Der ABB-Chef sagt im Interview, warum er den Erlös aus dem Hitachi-Deal den Aktionären gibt und ob es in der Schweiz zu Entlassungen kommt.

Ulrich Spiesshofer: Der deutschschweizerische Manager ist seit September 2013 CEO der ABB-Gruppe.
Ulrich Spiesshofer: Der deutschschweizerische Manager ist seit September 2013 CEO der ABB-Gruppe.
Keystone

Sie verkaufen die Stromnetzsparte, die in der Schweiz rund 2800 Menschen beschäftigt. Droht nach dem Verkauf ein Personalabbau?

Nein. Hitachi übernimmt die heutige Belegschaft zu den aktuellen Konditionen. Ferner wird Hitachi auch die neue Zentrale für die Stromnetzdivision in der Schweiz ansiedeln.

Hat Hitachi hierfür eine schriftliche Garantie abgegeben?

Hitachi hat sich verpflichtet, die bestehenden Arbeitsverhältnisse vollständig zu übernehmen. Auch die Pensionskassenansprüche sind von dem Arbeitgeberwechsel zu Hitachi für die Schweizer Beschäftigten nicht betroffen.

Was genau umfasst eigentlich die Stromnetzsparte? Wie viele Standorte sind vom Verkauf betroffen und wie viele Forscher?

Das Geschäft umfasst über 100 Standorte weltweit, die nun an Hitachi gehen. Wir verkaufen in Zürich-Oerlikon zum Beispiel die GIS-Fabrik mit den gasisolierten Schaltern. Auch die Produktion der Leistungselektronik in Lenzburg geht als Teil der Division Powergrid zu Hitachi über.

Verärgern Sie mit dem Verkauf der Stromnetzsparte an ein japanisches Unternehmen jetzt nicht Ihre chinesische Kundschaft?

Die chinesischen Kunden sind für uns sehr wichtig. Hitachi und ABB haben gemeinsam rund 80 000 Mitarbeiter in China. Ich bin mir sicher, dass wir vor diesem Hintergrund eine gute Lösung finden werden, den chinesischen Markt auch in Zukunft bedienen zu können.

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Nach dem Verkauf haben Sie Ihre Wachstumsziele bestätigt. Doch die haben Sie bisher nicht erfüllt? Warum sollten wir Ihnen jetzt glauben?

Unsere Umsätze waren in den vergangenen Jahren konstant, wobei der Auftragseingang gewachsen ist. Sie müssen dabei drei Faktoren berücksichtigen. Erstens haben wir Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von 2 Milliarden Dollar verkauft. Zum Zweiten haben wir Geschäfte mit einem Umfang von 1,5 Milliarden Dollar eingestellt. Und drittens haben uns die Wechselkurse gebremst. Darüber hinaus arbeiteten die Märkte zum Teil gegen uns. So haben die Kunden in der Sparte Prozessautomation nur sehr zurückhaltend investiert. Wie erwähnt, ist der Auftragseingang in den vergangenen fünf bis sechs Quartalen gestiegen, jetzt müssen wir aus diesen Aufträgen das Umsatzwachstum hinbekommen.

Sie wollen den gesamten Verkaufserlös an die Aktionäre ausschütten. Ist Ihnen nichts Besseres eingefallen?

Wenn Sie damit meinen, dass wir diesen Erlös benötigen, um unsere Wachstumsstrategie zu finanzieren, dann brauchen wir den Verkaufserlös nicht. Zum Beispiel haben wir allein in Nordamerika seit dem Jahr 2010 rund 16 Milliarden Dollar investiert, und das aus dem bestehenden Mittelfluss unserer Geschäfte bezahlt. Wir haben also genug Feuerkraft. Jetzt ist es an der Zeit, auch einmal den Aktionären für ihre Geduld zu danken. 2015 hätten wir für die Sparte Powergrid vermutlich nur 2 Milliarden Dollar bekommen. Jetzt kriegen wir für 80 Prozent Anteil gut 7 Milliarden Dollar.

Das Geld bekommen die Aktionäre aber erst nach Abschluss der Transaktion, also Mitte 2020. Werden Sie dann noch an Bord sein?

Ich hoffe, dass wir dann alle noch an Bord sind.

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