Heikle Struktur bei CNN Schweiz

Heute will der neue Nachrichtenkanal CNN Money Switzerland Details zum Sendestart bekannt geben. Die Doppelrolle des Chefs und die Aktionärsstruktur geben schon vorher zu reden.

«Nichts Ungewöhnliches»: Christophe Rasch sieht kein Problem in seiner Doppelrolle. Foto: PD

«Nichts Ungewöhnliches»: Christophe Rasch sieht kein Problem in seiner Doppelrolle. Foto: PD

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Der Start verläuft schon mal anders als erhofft: Ursprünglich für Oktober angekündigt, will heute der neue Nachrichtensender CNN Money Switzerland sein Startdatum verkünden. Die Studios in Zürich-Altstetten und Genf sind bereits bezogen, rund 30 Mitarbeiter wurden angeheuert. Chefredaktor ist der Ex-SRF-Moderator Urs Gredig.

Das Vorhaben, im viersprachigen Schweizer Markt einen englischsprachigen, werbefinanzierten TV-Sender plus angehängter Internet-Plattform zu etablieren, dürfte gelinde gesagt sportlich sein. Laut der Stiftung Werbestatistik Schweiz sind die Zeiten des grossen Wachstums im TV-Werbemarkt vorbei. Mit 775 Millionen Franken im vergangenen Jahr hat das Werbevolumen ungefähr das Niveau von 2014.

Eigenartiges Konstrukt

Interessant ist vor dem Hintergrund daher das rechtliche Konstrukt, mit dem der neue Sender an den Start geht. Denn mit der in Lausanne registrierten Betreibergesellschaft CNN Money Switzerland SA hat die US-amerikanische CNN-Mutter mit Blick auf die Eigentumsrechte nichts zu tun. Gemäss CNN wird die Schweizer Betreibergesellschaft vom Management um CEO Christophe Rasch und von dessen Medienagentur Media Go kontrolliert. Der US-Sender vergibt lediglich eine Lizenz mit einer Laufzeit auf zehn Jahre.

Auf Anfrage wollte CNN-Money-Switzerland-Chef Rasch nicht verraten, wer hinter der Betreibergesellschaft steht. Die Inhaberstruktur sei «privat», teilte er nur per Mail mit. Auch CNN selbst gibt keine Auskunft. Der US-Sender habe «einen signifikanten Anteil an CNN Money Switzerland durch die Verwendung unserer Marke», erklärte CNN-Sprecherin Chantal Ward.

Transparenz wäre zwar wünschenswert, ist aber gesetzlich nicht vorgeschrieben. Laut dem zuständigen Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ist CNN Money Switzerland nur ein meldepflichtiges Fernsehprogramm. «Zu seinen Eigentumsverhältnissen muss ein Veranstalter lediglich jene Teilhaber melden, die mindestens ein Drittel des Aktienkapitals oder der Stimmrechte besitzen. Laut der Meldung besitzt kein Teilhaber mehr als ein Drittel an CNN Money Switzerland», teilte das Bakom mit. Laut dem Schweizer Medienrechtler Rolf H. Weber müssen Sender in der Schweiz nur dann ihre Eigentumsverhältnisse offenlegen, wenn sie «eine Konzession mit öffentlich-rechtlichem Leistungsauftrag und einen Anteil an den Gebührengeldern beantragen». In Deutschland etwa müssen alle Sender ihre Besitzverhältnisse öffentlich machen.

Neben der unklaren Eigentümerstruktur fällt bei CNN Money Switzerland ferner die Doppelrolle ihres Chefs Christophe Rasch auf. Neben seiner Funktion, den neuen Nachrichtensender aufzubauen, leitet er gleichzeitig die Westschweizer Medienberatungsagentur Media Go. Auf seiner Website wirbt das Unternehmen mit seiner Kompetenz in Sachen digitales Marketing mit Sätzen wie: «Sie wollen Ihren Umsatz entwickeln und Ihrem Unternehmen jene Sichtbarkeit geben, die es verdient?» Kunde ist unter anderem der Kosmetikkonzern Clarins, für den Media Go nach Angaben von Clarins im Community-Mana­gement aktiv ist.

Kann man Chef eines Nachrichtenkanals sein und gleichzeitig Konzerne beraten? «Da gibt es nichts Ungewöhnliches», schreibt Rasch, «viele Medienunternehmen, angefangen bei Tamedia (welche diese Zeitung herausgibt) und Ringier, haben Topmanager und CEOs, die in verschiedenen Unternehmen derselben Gruppe involviert sind und so publizistische und geschäftliche Verantwortlichkeiten haben.»

Geheime «sehr strenge Regeln»

Richtig ist: Auch Verlage wie Tamedia bieten Werbekunden die Produktion von Inhaltswerbeformen an. Das dafür zuständige Team ist indes Teil des Werbemarkts von Tamedia und «personell und organisatorisch von den Redaktionen getrennt», wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer erklärt.

Daher meint Ursina Wey, Geschäftsführerin des Schweizer Presserats, mit Blick auf die Struktur von CNN Money Switzerland: «Mir ist in der Schweiz kein anderes Medienunternehmen bekannt, bei dem der Geschäftsführer in Personalunion eine Medienberatungsagentur führt.» Sie betont dabei, dass dies ihre persönliche Einschätzung sei und sie nicht für den gesamten Presserat spreche. Und ergänzt: «Um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden, sind klare Regeln nötig, die sicherstellen, dass die journalistische Unabhängigkeit gewahrt ist.» CNN und Time Warner hätten hierfür «sehr strenge» Regeln, betont Senderchef Rasch, aber auch diese Hausregeln seien «privat». US-Partner CNN selbst sieht in Raschs Doppelrolle kein Problem.

Die Moderatorinnen des neuen Senders sind in der Schweiz weitgehend unbekannt, ausser vielleicht Martina Fuchs, die für das chinesische Staatsfernsehen CCTV arbeitete. Ihre Kollegin Amanda Kayne bringt Erfahrungen mit von Russlands Sender Russia Today.

Bleibt zu hoffen, dass CNN mit dem neuen Sender mehr Fortune beschieden ist als dem European Business Channel. Der ging vor knapp 30 Jahren auf Sendung. Nach nur anderthalb Jahren stellte er den Betrieb wieder ein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2017, 21:41 Uhr

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