Goodies für Neukunden nerven Altkunden

Swisscom fällt in der vorweihnächtlichen Abonnentenjagd mit einer besonderen Idee auf.

Vervielfachte Leistung als Köder: Promotionen der Handy-Anbieter für Neukunden können bestehende Kunden verärgern.

Vervielfachte Leistung als Köder: Promotionen der Handy-Anbieter für Neukunden können bestehende Kunden verärgern.

(Bild: Keystone)

Matthias Pfander@MatthiasPfander

Bei Handy-Abos von einem Tarifdschungel zu sprechen, ist keine Übertreibung. Die verschiedenen Preispläne der drei Netzbetreiber und zusätzliche Abos von sogenannt virtuellen Anbietern wie Migros mit M-Budget Mobile oder Cablecom erschweren Übersicht und Durchblick. Vor Weihnachten wird das Dickicht oft noch verworrener, weil die Branche in eine Festtags-Aktionitis verfällt. Es scheint, dass sich die Vorweihnachtszeit für Telecomanbieter als besonders gute Zeit für den Kundenfang eignet.

Swisscom ist schon gestartet: Es läuft derzeit eine Promotion für Einsteigerabos, die es in sich hat. Konkret geht es um das Angebot namens Natel Entry, das es in zwei Ausführungen gibt und das sich an Wenignutzer richtet.

  • Entry Basic: Regulär erhält der Kunde für 33 Franken pro Monat 30 Minuten Telefonie sowie ein Datenvolumen von 100 MB für E-Mail und Surfen im Internet. SMS und MMS sind unbeschränkt enthalten, sowohl für Versand im Inland wie auch von der Schweiz ins Ausland.
  • Entry Plus: Für 44 Franken erhält der Kunde statt 100 MB ein Datenvolumen von 500 MB. Die übrigen Merkmale sind gleich wie beim Entry Basic.

Mit einer Aktion, die noch bis Ende November gelten soll, versucht Swisscom die Kunden nun mit höherer Leistung zu ködern. Bei der Variante Basic gibt es 60 Minuten Telefonie und 500 MB Datenvolumen. Beim Entry Plus 1 Gigabyte Daten und 120 Minuten inklusive.

Wer von der Aktion profitiert, kann die höhere Leistung während der gesamten Mindestvertragslaufzeit nutzen. Die beträgt zwei Jahre, wie aus dem Kleingedruckten auf der Swisscom-Website hervorgeht.

Kritik von Kunden und Konsumentenschutz

Langjährige Swisscom-Kunden äusserten sich gegenüber DerBund.ch/Newsnet genervt über diese Aktion. Weil sie als bestehende Nutzer nicht davon profitieren können und nur Neukunden mit dem Vielfachen der Leistung umgarnt werden. Bei Swisscom heisst es, solche Promotionen – sie werden auch als «Taste & Buy» bezeichnet – seien üblich, bis jetzt aber vor allem bei Festnetzangeboten durchgeführt worden.

Kritik gibt es für Swisscom auch seitens des Konsumentenschutzes: «Wir haben diese Praxis schon oft angeprangert. Gute, teilweise jahrzehntelang treue Kunden werden gemolken, indem sie in einem alten Vertrag mit überholten Konditionen belassen werden. Eine Belohnung für ihre Treue erhalten sie nicht», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz und fügt hinzu: «Bei der Swisscom ist das besonders stossend, da sie sich als ehemaliges Monopolunternehmen erst recht auf langjährige Kunden verlassen kann.»

Für Telecomexperte Ralf Beyeler vom Internetvergleichsdienst Comparis ist die Taktik bei diesem Angebot klar: «Letztlich hofft Swisscom, die an die höhere Leistung gewöhnte Kundschaft nach dem Ende der Aktion auf die teureren Infinity-Abonnemente bewegen zu können. Das verspricht höhere Umsätze.»

Cablecom erhöht Tempo und schlägt auf

Die Telecom-Anbieter begeben sich mit solchen Promotionen immer auf eine Gratwanderung, die sie Sympathien bei der Stammkundschaft kosten kann. Diese Erfahrung machte auch der grosse Widersacher von Swisscom, UPC Cablecom, bereits mehrmals.

Nun steht den Cablecom-Kunden eine weitere Anpassung bevor. Ende Oktober hat der Anbieter bekannt gegeben, die Surfgeschwindigkeiten für etwa die Hälfte der bestehenden Internet-Kunden auf Anfang nächstes Jahr zu verdoppeln. Solche mit einer Leistung von 50 Megabit pro Sekunde auf 100 Mbit/s und jene von 125 Mbit/s auf 250 Mbit/s. Der Schritt erfolgt jedoch nicht gratis und zieht eine Preiserhöhung von 4 Franken pro Monat nach sich bzw. 48 Franken pro Jahr.

Neukunden sind bei Cablecom von dieser Massnahme nicht betroffen. «Trotz der Preisanpassung werden nach wie vor alle bestehenden Kunden weniger oder höchstens gleich viel für ihr Produkt bezahlen wie Neukunden. Kunden mit unseren neuen Internet-Produkten seit 24.6.2015 sind von der Preiserhöhung ausgeschlossen», schreibt UPC Cablecom.

Bereits klar ist zudem, dass Cablecom auf Anfang nächstes Jahr den Preis für den Kabelanschluss erhöht. Diese Grundgebühr, die viele Kunden via Nebenkosten an den Vermieter entrichten, steigt ebenfalls um 4 Franken von 29.95 auf 33.95 Franken pro Monat. Allein dieser Aufschlag spült dem Anbieter jährlich rund 64 Millionen Franken zusätzlich in die Kasse.

DerBund.ch/Newsnet

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