Wann können Weiterbildungskosten? bei den Steuern abgezogen werden?

Unterhaltskosten von Wohnbauten, Krankheitskosten, Einkommen im Ausland sowie die heutige und die künftige Regelung bei den Weiterbildungskosten standen im Zentrum der zweiten «Bund»-Steuerhotline.

Dachsanierung in Bern: Teilrechnungen für Renovationen können abgezogen werden, Akonto-Zahlungen nicht.

Dachsanierung in Bern: Teilrechnungen für Renovationen können abgezogen werden, Akonto-Zahlungen nicht.

(Bild: Keystone)

Hans Galli

Wir haben für die Sanierung unseres Hauses einen Gebäudeenergieausweis der Kantone mit Beratungsbericht (Geak plus) erstellen lassen. Die Baukosten haben wir 2012 als Energiesparmassnahmen in der Steuererklärung abgezogen. Nachträglich haben Kanton und Gemeinde Subventionen für die Erstellung des Geak ausbezahlt. Müssen wir diese als Einkommen deklarieren?
Ja, Subventionen für Liegenschaften sind im Formular 7 unter Leistungen Dritter als Einkommen zu deklarieren.

Wir sind eine Stockwerkeigentümergemeinschaft und müssen das Flachdach für 2,7 Millionen Franken sanieren. Im Erneuerungsfonds befinden sich 725 000 Franken, weitere 2 Millionen wollen wir in den Fonds einzahlen. Welche Abzüge können wir machen?
Jeder Eigentümer kann seine Einzahlungen in den Erneuerungsfonds abziehen. Damit ist der Fall steuerlich erledigt. Die aus dem Erneuerungsfonds bezahlten Kosten können dann nicht auch noch abgezogen werden.

Wir lassen unser Haus während drei Jahren in Etappen sanieren. Im ersten Jahr haben wir Akonto-Zahlungen für die Heizung und für die Isolation der Kellerdecke geleistet. Können wir diese abziehen oder müssen wir bis zur Schlussabrechnung warten?
Reine Akonto-Zahlungen können nicht als Unterhaltskosten geltend gemacht werden. Falls auf der einen Rechnung aber ausdrücklich die detaillierten Kosten für die bereits geleisteten Arbeiten für die Heizung und auf der anderen jene für die bereits geleisteten Isola­tions­arbeiten bzw. das dafür verwendete Material aufgeführt sind, handelt es sich um eine Teilrechnung. Teilrechnungen können im Gegensatz zu Akonto-Rechnungen abgezogen werden, auch wenn noch nicht alle Unterhaltsarbeiten abgeschlossen sind.

Das Elektrizitätswerk weist auf der Rechnung die Kosten für den Strom und das Netz separat aus. Können wir die Netzkosten abziehen?
Nein, die Netzkosten je Kilowattstunde sind nicht abziehbar. Ein Abzug ist nur möglich für fixe Grundgebühren für den Netzanschluss oder den Zähler. Auch für Kehricht, Wasser und Abwasser sind nur die Grundgebühren abziehbar.

Ein Verwandter ist im Jahr 2013 gestorben, ein Notar ist mit der Erbteilung beauftragt. Er hat einen Betrag als Erbschaftssteuer an den Staat überwiesen. Was müssen wir sechs Erben deklarieren?
Offensichtlich sind Sie nicht direkte Nachkommen, sonst fielen keine Erbschaftssteuern an. Ich gehe davon aus, dass der Notar eine Steuererklärung für die Erbengemeinschaft ausgestellt hat. Jeder der sechs Erben muss seinen Anteil versteuern. Dazu müssen Sie in Formular 1 ankreuzen, dass Sie an einer Erbengemeinschaft beteiligt sind. Zusätzlich ist das Formular 8 auszufüllen.

Meine Mutter benötigt Spitex-Dienste. Aufgrund ihrer guten finanziellen Verhältnisse muss sie zusätzlich zur Franchise und zum Selbstbehalt bei der Krankenkasse noch eine Patientenbeteiligung von Fr. 15.95 pro Tag bezahlen. Kann sie diese unter Krankheits- und Unfallkosten abziehen?
Selbst getragene Spitex-Kosten können im Formular 5 abgezogen werden, das gilt auch für die Patientenbeteiligung.

Kann meine Mutter neben den Pflegekosten der Spitex auch die Kosten der Putzfrau abziehen?
Falls Ihre Mutter wegen ihrer Behinderung auf eine Haushaltshilfe angewiesen ist, sind die entsprechenden Kosten abziehbar. Die Kriterien sind unter Ziffer 5.5 der Wegleitung aufgelistet. Im Falle einer Krankheit ist die Regelung wie folgt: Als Krankheitskosten abgezogen werden können Auslagen für die Pflege der kranken Person und andere durch die Krankheit bedingte Mehrauslagen.

Ich habe ein neues Hörgerät für 6500 Franken benötigt. Davon muss ich 5900 Franken selber tragen. Kann ich die Kosten abziehen?
Sie können jenen Anteil, den die Krankenkasse nicht übernimmt, im Formular 5 als Krankheits- und Unfallkosten aufführen. Abzugsfähig sind aber nur jene Kosten, welche 5 Prozent des Reineinkommens übersteigen. Falls Sie eine IV- oder Hilflosenentschädigung beziehen, können Sie den Betrag als behinderungsbedingte Kosten abziehen. Dann gilt die Mindestgrenze nicht.

Ich bin Mitglied bei den Raiffeisenbanken in Deutschland und erhalte dort eine jährliche Dividende. Wo muss ich diese angeben?
Das Einkommen ist in der Schweiz im Formular 3 (Wertschriftenverzeichnis) brutto zu versteuern. Die bereits in Deutschland abgeführte Quellensteuer kann teilweise zurückgefordert werden. Dazu müssen Sie zusätzlich zum Formular 3 der Steuererklärung das Formular DA-1 ausfüllen und einreichen. Dieses können Sie unter www.be.ch/steuern herunterladen oder bei der Steuerverwaltung beziehen.

Im Jahr 2014 habe ich während einiger Tage für einen ?deutschen Arbeitgeber ?gearbeitet. In Deutschland wurde keine Quellensteuer erhoben. ?Muss ich das Einkommen in ?der Schweiz beim Kanton und ?beim Bund versteuern?
Korrekterweise hätte der deutsche Arbeitgeber die Quellensteuer erheben müssen. Da dies nicht der Fall ist, deklarieren Sie das Einkommen in Formular 2 als Nebeneinkommen.

Unsere zwei Enkel leben bei uns. Wir sind von der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) als Pflegeeltern akzeptiert. Welche Abzüge können wir vornehmen?
Anerkannte Pflegeeltern sind den leiblichen oder den Adoptiveltern gleichgestellt. Sie haben somit Anspruch auf den Kinderabzug beim Einkommen (Kanton 8000 Franken, Bund 6500 Franken je Kind) und beim Vermögen (Kanton 18 000 Franken je Kind). Ferner können Sie die Pauschale für den Versicherungsabzug um 700 Franken je Kind erhöhen.

Unser Sohn hat im Sommer 2014 das Maturitätszeugnis erworben und dann die Rekrutenschule absolviert. Welche Abzüge sind noch möglich?
Sie können den Abzug für die zusätzlichen Ausbildungskosten bis zum Ende des Gymnasiums geltend machen. Zusätzlich wird der Kinderabzug gewährt, falls Ihr Sohn das Studium aufgenommen hat und am 31. 12. 2014 an einer Hochschule immatrikuliert war.

Unsere Tochter hat ihr Medizinstudium abgebrochen und ein neues Studium begonnen. Sie verdient nebenbei 13?000 Franken pro Jahr. Wir zahlen ihr die Krankenkasse und unterstützen sie zusätzlich. Können wir für diese Beträge den Unterstützungsabzug geltend machen?
Der Abzug ist möglich, falls Ihre Tochter unterstützungsbedürftig ist, das heisst, weniger als 16?000 Franken (Alleinstehende) pro Jahr verdient – das ist erfüllt. Er ist aber nur möglich, falls die Tochter erwerbsunfähig ist – das ist nicht der Fall. Deshalb wird die Steuerverwaltung den Unterstützungsabzug nicht akzeptieren. Da Ihre Tochter die Erstausbildung abgebrochen und eine Zweitausbildung begonnen hat, können Sie auch keine Ausbildungskosten abziehen.

Ich absolviere berufsbegleitend eine Weiterbildung. Die Kosten trage ich selber. Den entsprechenden Abzug hat mir die Steuerverwaltung gestrichen. Wann sind Weiterbildungs­kosten abziehbar und wann nicht?
Gemäss dem bisherigen und für die Veranlagung 2014 geltenden Recht können nur die Weiterbildungskosten steuerlich zum Abzug gebracht werden, Ausbildungskosten hingegen nicht. Weiterbildungskosten müssen in einem engen Zusammenhang mit dem heute ausgeübten Beruf stehen, also Kosten zur Auffrischung und Vertiefung von Kenntnissen, die mit dem ausgeübten Beruf zusammenhängen. Die Abgrenzung ist manchmal schwierig. Nicht abzugsfähig sind beispielsweise die Kosten für das Erwerben der Matura, für ein Studium oder eine Berufslehre. Auch nicht abziehbar sind die Kosten, wenn sich etwa ein Handwerker für einen Büroberuf weiterbildet.

Der Arbeitgeber zahlt mir die Hälfte meiner Weiterbildungskosten. Kann ich die andere Hälfte abziehen?
Wenn der Arbeitgeber einen Teil der Weiterbildungskosten übernimmt, ist das ein starkes Indiz, dass die Ausbildung in engem Zusammenhang mit Ihrem gegenwärtigen Beruf steht. Die Steuerverwaltung wird den Abzug höchstwahrscheinlich zulassen.

Was ändert sich bezüglich Weiterbildungskosten im Hinblick auf die Steuererklärung 2015, die in einem Jahr einzureichen sein wird?
Noch nichts. Erst 2016 erfolgt in Bezug auf die Bundessteuer wie auch auf die Kantonssteuern eine Gesetzesänderung. Ab 2016 sind die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten bis zu einem Betrag von 12?000 Franken abziehbar. Ab 2016 wird demnach nicht mehr zwischen Aus- und Weiterbildungskosten unterschieden. Nicht abziehbar sind weiterhin die Kosten für Bildungsmassnahmen bis zur Erreichung eines ersten Abschlusses auf Sekundarstufe II.

Die Fragen am zweiten «Bund»-Steuer­telefon wurden beantwortet von: Lukas Scheidegger, PricewaterhouseCoopers; Hans Jürg Steiner, KPMG; Andreas Walther, von Graffenried AG; Bruno Knüsel, Steuerverwalter des Kantons Bern.?Bearbeitung: Hans Galli

Der Bund

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