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So tricksen die US-Banken bei der Kreditvergabe

Damit sie Firmen teure Kredite für milliardenschwere Übernahmen vergeben können, lassen sich US-Banken immer neue Kniffe einfallen - ein riskantes Spiel.

Die Notenbank und die US-Regulierungsbehörden wollen die Kreditvergabe an Unternehmen einschränken: Gebäude der US-Notenbank in Washington. (31. Juli 2013)
Die Notenbank und die US-Regulierungsbehörden wollen die Kreditvergabe an Unternehmen einschränken: Gebäude der US-Notenbank in Washington. (31. Juli 2013)
Jonathan Ernst, Reuters

Je strenger die Regeln, desto raffinierter muss man beim Aufspüren von Schlupflöchern sein - dieses Hase-und-Igel-Spiel liefern sich die amerikanische Finanzaufsicht und die US-Banken seit Jahren. Auch bei den neuen Vorschriften zur Vergabe teurer Kredite für milliardenschwere Übernahmen sind die Institute fündig geworden.

Mit komplexen Finanzierungskonstruktionen umgehen sie Beschränkungen, mit denen die Aufseher eigentlich verhindern wollen, dass Firmen in einer Wirtschaftskrise unter der aufgehäuften Schuldenlast zusammenbrechen. «Es gibt viele kluge, kreative Leute da draussen, die Wege suchen, wie sie sowohl die Nachfrage von Schuldnern und Investoren decken ohne die Regeln zu brechen», sagt David Brittenham, der für die Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton die Finanzbranche betreut.

Lukrative Geschäfte

Für die Banken geht es um viel: Denn diese Art von Krediten gehören zu ihren lukrativsten Geschäften. Allein 2014 haben sie nach Daten von Thomson Reuters und Freeman Consulting damit 4,9 Milliarden Dollar eingenommen, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Auch Finanzinvestoren wie KKR oder Apollo lieben diese für sie risikoarme Art der Finanzierung: Sie bringen das Geld für ihre Übernahmen zum grösseren Teil durch Kredite auf, die dann von den erworbenen Firmen bedient werden müssen. Oft türmen sich milliardenschwere Schuldenberge über diesen Unternehmen auf - wenn dann eine Krise kommt, brechen sie zusammen.

Eines der eindringlichsten Beispiele für Exzesse, zu denen die lockere Kreditvergabe geführt hatte, ist der texanische Versorger Energy Future Holdings. 2007 hatten die Banken für seine Übernahme den grössten Kredit vergeben, den es für eine solche Transaktion je gab: 40 Milliarden Dollar - mehr als das Achtfache des operativen Gewinns (Ebitda), den das Unternehmen im Jahr erwirtschaftete. Anfang dieses Jahres ging Energy Future Holdings Pleite.

Banker sind die Igel

Deshalb beschränkten die US-Notenbank Fed und die Regulierungsbehörden OCC und FDIC bereits im März 2013 die Belastung durch die Kredite auf das Sechsfache des Cash-Flows des betroffenen Unternehmens. Banken sorgen sich seitdem um ihre lukrativen Geschäfte. Finanzinvestoren beschwerten sich sogar offiziell, dass die Regulierung ihre Renditen schmälere.

Im Mai schmetterte eine dem Finanzinvestoren KKR nahestehende Bank eine Anfrage der Beteiligungsgesellschaft ab, weil sie fürchtete, dass der Übernahmekredit vor den Augen der Regulierer nicht bestehen würde. Dennoch sind die Behörden enttäuscht von der Wirkung ihrer Vorschriften. Die Standards hätten sich eher noch verschlechtert, beschweren sie sich.

In dem Wettrennen sind die Banker wieder einmal die Igel und trickreich schneller am Ziel: Denn die Regeln beschränken nur Kredite, nicht aber Anleihen. Und so umgehen die Institute die Vorschriften, indem die Schuldenlast aufgeteilt wird zwischen einer operativen Gesellschaft, die einen Kredit aufnimmt, der den Beschränkungen entspricht, und einer Holding-Gesellschaft, der das Unternehmen gehört und die eine Anleihe begibt, wie es in Bankenkreisen heisst.

Damit würden die Eigentümer statt des Unternehmens mit einem Teil der Schulden belastet. Dafür müssten sie aber höhere Zinsen zahlen. Denn solche Anleihen gelten als riskanter, weil sie nur mit dem Geld bedient werden können, das in der operativen Gesellschaft als Gewinn übrig bleibt.

Aufsicht droht mit Strafen

Doch das OCC will nicht klein beigeben. Die Aufsicht droht Banken mit Strafen, wenn sie ihnen bewusste Umgehungsstrategien nachweisen kann, wie ein Insider sagt. Sechs Jahre nach dem Aufbrechen der Finanzkrise wollen sie den Kampf um eine höhere Stabilität im Bankensystem und der allgemeinen Wirtschaftslage nicht verloren geben.

Allerdings sind die Richtlinien für die Vergabe riskanter Kredite vage formuliert. Derartige Transaktionen sollten nach Ansicht der Regulierer «selten» sein, erklären Banker. Doch was heisst das? Nur einen Deal, maximal zwei im Jahr? Oder maximal ein bis zwei Prozent aller Geschäfte einer Investmentbank?

Wenn sich die Regulierer auf eine maximale Zahl von Transaktionen versteiften, könne das auch die Syndizierung von Krediten erschweren, sagt ein Banker. Denn damit verdient nur eine Bank richtig Geld. Alle anderen dürften sich zweimal überlegen, ob sie mitmachen, wenn sie dadurch von weiteren, lukrativeren Geschäften ausgeschlossen würden.

SDA/thu

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