Mehr Milliardäre, mehr Vermögen, mehr Einfluss

Der Club der Superreichen ist im vergangenen Jahr grösser und noch reicher geworden. Besonders in einer Region ist das Wachstum rasant, wie neue Zahlen zeigen.

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Yannick Wiget@yannickw3

2015 spürten viele Milliardäre noch wirtschaftlichen Gegenwind. Sinkende Rohstoffpreise, ein stärker werdender US-Dollar und ein Umbruch bei den Regulatorien beeinträchtigten das Wachstum ihres Vermögens, ja liessen es sogar leicht schrumpfen. Doch nur ein Jahr später sieht alles schon wieder ganz anders aus: Die Reichsten der Welt haben sich gefangen und sind trotz erhöhter geopolitischer Unsicherheit noch reicher geworden. Das geht aus einer heute veröffentlichten Untersuchung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PWC und der Schweizer Grossbank UBS hervor. Um ganze 17 Prozent stieg ihr Gesamtvermögen: von 5,1 auf 6 Billionen oder umgerechnet 6000 Milliarden US-Dollar.

Das Vermögen der Milliardäre wuchs doppelt so stark wie der MSCI World Index, der die Entwicklung der Aktien von 23 Industrieländern weltweit widerspiegelt. Grund dafür sind vor allem die steigenden Rohstoff- und Immobilienpreise. Der Club der Reichen ist im vergangenen Jahr deshalb nicht nur reicher, sondern auch grösser geworden. Die Zahl der Milliardäre erhöhte sich um 10 Prozent auf 1542.

Besonders kräftig war der Zuwachs in Asien. Zum ersten Mal in der Geschichte gab es dem Bericht zufolge mehr asiatische Milliardäre (637) als amerikanische (563). PWC und UBS sprechen von einem «Meilenstein». Besonders für chinesische Unternehmerinnen und Unternehmer war es ein ausserordentliches Jahr. In Europa hingegen stagnierte der Club der Superreichen mit 342 Mitgliedern nahezu. Die meisten Milliardäre gab es in Deutschland. In der grössten europäischen Volkswirtschaft lebten 117 Superreiche. Mit deutlichem Abstand folgen Grossbritannien (55), Italien (42), Frankreich (39) und die Schweiz (35).

Die Vereinigten Staaten stellen zwar zum ersten Mal nicht mehr die meisten Milliardäre, verzeichnen aber immer noch die grösste Ansammlung an Vermögen. Gut 2,7 Billionen Dollar bringen die US-Milliardäre zusammen auf die Waage, 40 Prozent mehr als ihre asiatischen Konkurrenten (1,9 Billionen) und doppelt so viel wie die Europäer (1,3 Billionen). Zudem leben die Reichsten der Reichen weiterhin in den USA. Sollte sich der aktuelle Trend allerdings fortsetzen – und davon geht die Untersuchung aus –, wird Asien die USA auch bald punkto Gesamtvermögen übertreffen.

«Asien könnte in nur vier Jahren auch beim Vermögen an den USA vorbeiziehen.»Josef Stadler, Leiter Ultra High Net Worth UBS

Asien verzeichnete im vergangenen Jahr ein viel stärkeres Wachstum als die USA und Europa. Die Anzahl Milliardäre stieg zwischen 2015 und 2016 um 23 Prozent(USA: 5, Europa: 1) und das Gesamtvermögen sogar um 31 Prozent(USA: 15, Europa: 5).

Grundsätzlich beliebt sind bei den Milliardären des 21. Jahrhunderts Unternehmen im Technologiesektor, welche die «New Economy» vorantreiben. Zusammen besitzen sie Firmen oder sind an solchen beteiligt, die weltweit mindestens 27,7 Millionen Menschen beschäftigen. Das entspricht etwa der Anzahl der Erwerbstätigen in Grossbritannien. Alleine die 145 Superreichen, die es im vergangenen Jahr neu auf die Liste schafften, haben etwa 2,8 Millionen Angestellte unter sich.

Zudem wächst der Anteil der Self-Made-Milliardäre unter den Reichsten der Welt. So hatten im Jahr 1995 nur 45 Prozent der Milliardäre ihren Reichtum aus eigener Kraft erwirtschaftet. Heute liegt ihr Anteil den Angaben zufolge bei 70 Prozent. Und diesen Self-Made-Milliardären scheint es nicht mehr zu genügen, ihr Vermögen nur zu verwalten.

«Die heutigen Milliardäre fühlen sich auch dafür verantwortlich, sozialen und ökonomischen Einfluss zu nehmen.»Marcel Widrig, Leiter Privatvermögen PWC

Milliardäre haben laut der Studie schon immer mit anderen Reichen zusammengearbeitet. In jüngster Zeit hat dies aber noch zugenommen. Netzwerke spielen eine immer wichtigere Rolle. Familien arbeiten gemeinsam an neuen Projekten, um effektiver zu sein. Jüngere Unternehmer nutzen Kontakte, um Deals einzufädeln und Zugang zu Investitionen ausserhalb der Kapitalmärkte zu erhalten.

Ein weiterer Trend: Die heutigen Milliardäre fühlen sich auch vermehrt dafür verantwortlich, sozialen und ökonomischen Einfluss zu nehmen. So engagieren sie sich beispielsweise stärker im kulturellen Bereich. Die Zahl privater Museen steigt, besonders in Asien, und öffentliche Institutionen erhalten mehr Spenden, womit Kunst der Öffentlichkeit zugänglicher wird. Ausserdem investieren immer mehr Superreiche in Sportclubs, was aus Sicht der Studienautoren nicht nur dazu führt, dass diese profitabler werden, sondern auch Vorteile für die Kommunen bringt, deren Teil die Clubs sind. Auch hier spielen die Asiaten eine gewichtige Rolle: Mehr als die Hälfte der Übernahmen von Sportclubs in den letzten zwei Jahren gehen auf ihr Konto.

141 Proficlubs sind gemäss der Untersuchung in den Händen von nur 109 Milliardären. 60 haben einen US-Besitzer, 20 einen europäischen und 29 einen asiatischen Eigentümer. Es sind vor allem Tycoons aus China, die in europäische Fussballclubs investiert haben. In den letzten Jahren wurde aber auch die chinesische Super League stark gepusht, mit dem Ziel, die weltweit beliebteste Sportart dem weltweit grössten Publikum zu verkaufen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.

Für 2017 und 2018 erwarten PWC und die UBS ein globales Wirtschaftswachstum, das sich auch positiv auf die Geschäfte der Superreichen auswirken wird. Weltweit werden die Milliardäre jedoch älter. Es ist deshalb mit einem gewaltigen Vermögenstransfer während der nächsten zwei Jahrzehnte zu rechnen. Laut der Studie dürften 2,4 Billionen US-Dollar, also fast die Hälfte des derzeitigen Gesamtvermögens, auf Erben übergehen oder für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Video: Sehr ungleich verteilter Reichtum

Einige wenige der Reichsten der Welt besitzen mehr als die Hälfte der Menschen, kritisiert Oxfam. (Reuters, 1/2017)

DerBund.ch/Newsnet

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