Kapital oder Rente – wann sich die Auszahlung lohnt

Laut der Credit Suisse steigt die Attraktivität eines Kapitalbezugs der Altersvorsorge. Worauf Sie achten müssen.

Entscheidet sie sich für eine Rente oder den Kapitalbezug? Eine ältere Frau bezieht Geld an einem Bankautomaten.

Entscheidet sie sich für eine Rente oder den Kapitalbezug? Eine ältere Frau bezieht Geld an einem Bankautomaten. Bild: Keystone

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Angehende Rentner stehen vielfach vor der Entscheidung: Sollen sie sich ihre angesparte Altersvorsorge auszahlen lassen? Oder wäre es besser, die Vorsorge als Rente zu beziehen? Gut die Hälfte der Versicherten entscheidet sich immer noch für letztere Version: 2016 wählten aber schon 31 Prozent den Kapitalbezug - und in Zukunft dürften es noch mehr werden.

Um die tiefen Zinsen und den demografischen Wandel in der Schweiz zu stemmen, senken die Pensionskassen die Umwandlungssätze im überobligatorischen Bereich der Altersvorsorge. Deshalb steigt laut einer neuen Studie der Credit Suisse (CS) die Attraktivität eines Kapitalbezugs.

Ob sich eine Auszahlung wirklich lohnt, hängt demnach aber auch vom Wohnort ab. Je nach Wohnort ist eine Differenz von bis zu 12'000 Franken im jährlichen Nettoeinkommen (aus AHV, Rente aus beruflicher Vorsorge und Kapitaleinkommen) möglich.

In der Stadt Neuenburg beispielsweise, wo die Steuerbelastung eher hoch ausfällt, kann das Nettoeinkommen in Form eines Kapitalbezugs mehrere Tausend Franken höher ausfallen als im Falle eines Rentenbezugs. Im steuergünstigen Zürich hingegen lohnt sich die klassische Rente meistens mehr, besonders bei tiefer Rendite

Neben diesen finanziellen Aspekten müssen aber auch die spezifische Familiensituation, erbrechtliche Aspekte, der Gesundheitszustand sowie die Wohnverhältnisse berücksichtigt werden. Klar ist laut den Vorsorgeexperten der CS: Die Auseinandersetzung mit der Frage, ob Kapital oder Rente, lohnt sich. Die Entscheidung beeinflusst die Einkommenssituation im Alter wesentlich.

Heute setzen vor allem Schweizerinnen und Schweizer mit hohem Bildungsniveau auf den Kapitalbezug. 40 Prozent der Personen mit einer Ausbildung auf Tertiärstufe (Universität, Fachhochschule, höhere Berufsbildung) haben ihr Altersguthaben zumindest partiell in Kapitalform bezogen; bei Personen, welche lediglich einen Abschluss auf Sekundarstufe I aufweisen (obligatorische Bildung), sind es nur 33 Prozent.

Angesichts der weiter sinkender Umwandlungssätze könnte sich dies aber gemäss den Experten bald ändern. Einen zusätzlichen Treiber für diese Entwicklung sehen die sie in der Verbreitung von 1e-Vorsorgeplänen für höhere Einkommen. Bei diesen handelt es sich um einen bestimmte Form der überobligatorischen Altersvorsorge für Lohnbestandteile von über 126'900 Franken. Diese sehen vor, dass Altersleistungen im Normalfall als Kapital ausgezahlt werden.

Die für Gutverdienende gedachten 1e-Vorsorgepläne haben daher laut CS Konsequenzen für das Vorsorgesystem. Mittels solcher Lösungen seien Versicherte in der Lage sich teilweise der Umverteilung zwischen Aktiven und Rentnern zu entziehen. Dem Kollektiv werde Kapital entzogen und die Sanierungsfähigkeit der Pensionskassen sinke, so das Fazit der Credit Suisse.

«Teilzeitarbeit wirkt sich negativ auf das Altersguthaben aus.»Jan Schüpbach, CS-Vorsorgeexperte

Sorgen bereitet ihr der ungebrochene Trend zu Teilzeitarbeit und anderen flexiblen Arbeitsmodellen wie Temporäranstellungen oder Freelancer-Jobs. Solche Arbeitsformen reissen laut der Studie meist Lücken in die Altersvorsorge. Um die Löcher zu stopfen, raten die Vorsorgeexperten zu freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse.

«Teilzeitarbeit und andere flexible Anstellungsverhältnisse wirken sich negativ auf das im Alter zur Verfügung stehende Kapital aus», sagte der CS-Vorsorgeexperte Jan Schüpbach. Dies liege auch daran, dass Löhne unter der Eintrittsschwelle von 21'150 Franken in der obligatorischen beruflichen Vorsorge nicht versichert seien und der fixe Koordinationsabzug den versicherten Lohn verringere.

Sechs Jahre kosten 10 Prozent

Bei Teilzeitarbeitenden oder Arbeitnehmern, die bei mehreren Unternehmen zu kleinen Arbeitspensen und meist tiefen Löhnen angestellt sind, führe dies in der zweiten Säule zu einer deutlichen Reduktion der Rentenersparnisse. Im Extremfall fielen sie sogar gänzlich weg.

Als Beispiel nennt Schüpbach etwa eine längere Ausbildung. Verschiebt sich etwa der Einstieg in die Arbeitswelt wegen eines Studium um sechs Jahre nach hinten, sinke sich das Altersvermögen bei der Pensionierung in den untersuchten Einkommensklassen von 50'000 bis 200'000 Franken um 8 bis 10 Prozent.

Freiwillige Einzahlung prüfen

Ein Arbeitsunterbruch zu einem späteren Zeitpunkt im Berufsleben habe noch grössere Auswirkungen, weil die BVG-Beiträge von anfänglich 7 Prozent mit 25 Jahren auf bis zu 18 Prozent ab 55 Jahren ansteigen. Im Vergleich zu einer ordentlichen Pensionierung führe beispielsweise eine um sechs Jahre vorgezogene Frühpensionierung zu einer Differenz von fast 30 Prozent im Altersguthaben.

Um Einzahlungspausen oder Vorsorgelücken auszugleichen, rät Schüpbach den Betroffenen zur Zahlung freiwilliger Beiträge an die Auffangeinrichtung. Gleiches gelte für Selbstständige, die vollumfänglich von der Beitragspflicht der beruflichen Vorsorge befreit sind.

*mit Material der SDA

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2018, 16:51 Uhr

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