Kanadischer Hasch für die ganze Welt

Nach der Legalisierung des Haschkonsums im eigenen Land wollen kanadische Unternehmen die grössten Versorger auf dem globalen Markt werden.

Noch schreiben viele Haschbetriebe einen Verlust: Cannabisproduktion in einem Gewächshaus im kanadischen Ontario. Foto: Blair Gable (Reuters)

Noch schreiben viele Haschbetriebe einen Verlust: Cannabisproduktion in einem Gewächshaus im kanadischen Ontario. Foto: Blair Gable (Reuters)

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Der Markt blüht auf. In Kanada sind Hunderte von Millionen Dollar in Cannabis-Unternehmen aller Art geflossen und sorgen für eine euphorische Stimmung. Derweil verschärft die US-Regierung den Kampf gegen die Legalisierung und schafft ein Spannungsfeld wie in der Prohibitionszeit, die kanadischen Firmen erlaubte, ein Vermögen mit dem Alkoholschmuggel zu machen. Nach Uruguay ist Kanada erst das zweite Land, dass den Konsum von Haschisch vollständig legalisiert hat.

Ganz legal soll mit dem Haschisch das grosse Geld gemacht werden. Die restriktive amerikanische Politik soll zum Erreichen einer führenden Position auf dem Weltmarkt genutzt werden. Bereits sind mehr als 70 Unternehmen in Kanada an der Börse kotiert, fast jede Woche kommt ein neues hinzu. Sie tummeln sich in allen Nischen des Cannabismarkts: Zucht und Produktion, Verarbeitung in Getränken, Nahrungsmitteln und Kosmetika, medizinische Anwendung und selbst Ferien und Tourismus. Kommerziell gesehen, steht Haschisch als ungefährlichere Alternative zu den suchterregenden Opioiden im Zentrum. Canopy Growth etwa ist aus einer Medizinalfirma entstanden und mit einem Marktwert von 6 Milliarden Dollar klar die Nummer eins. Auch die beiden Konkurrenten Aurora und Aphria haben mit Blick auf die Liberalisierung eine starke Aufwertung erfahren.

Die Multis von morgen

Kürzlich errichtete Canopy in der Nähe zur US-Grenze das grösste Gewächshaus der Welt mit einer Anbaufläche von fast 160’000 Quadratmetern. Die Konkurrenten planen noch grössere Anlagen, um sich im Weltmarkt auszubreiten. Der Umsatz von legalem Hasch wird derzeit auf 10 Milliarden Dollar geschätzt und dürfte gemäss kanadischen Analysten mittelfristig auf 57 Milliarden Dollar steigen.

Das Gerangel um die beste Ausgangslage dürfte weiter zunehmen, meint der «Godfather of Canadian Weed», Chuck Rifici. «Die Zeit drängt, denn der Rest der Welt wird über kurz oder lang auch legalisieren. Eine oder zwei kanadische Firmen sollten die Multis von morgen sein.» Bevor es so weit ist, muss bewiesen werden, dass das Geschäft wirklich floriert. Keine der Cannabis-Firmen macht Gewinn, bei den meisten wachsen die Verluste.

Aurora Cannabis etwa wird von den Investoren mit stolzen 4 Milliarden Dollar bewertet, und machte im ersten Halbjahr einen Verlust von 20 Millionen. Rifici selber verlor in den ersten drei Monaten 10 Millionen kanadische Dollar, nahezu so viel, wie er als Startkapital von Investoren bezogen hatte. Trotzdem scheint die Hoffnung der Politiker ungetrübt. Die Provinzregierungen zählen auf die Haschindustrie als neue Einnahmenquelle und budgetieren Steuereinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.

Ende des Schwarzmarkts

Den offiziellen Start zum grünen Goldrausch hat Premierminister Justin Trudeau auf den 17. Oktober festgelegt. Sein Ziel ist jedoch kein wirtschaftliches, sondern die Tilgung des Schwarzmarkts. Entsprechend eng sind die Vorschriften ausgefallen: Hasch wird faktisch wie Tabak reguliert. Es darf nur in spröden einfarbigen Packungen mit Gesundheitswarnungen angeboten werden.

Der Verkauf wird auf den staatlichen Spirituosenmarkt aufgepfropft, was heisst, dass nur Geschäfte mit einer Alkohollizenz Hasch verkaufen dürfen. In der Startphase ist das Geschäft zudem auf Cannabis und Haschöl limitiert.

In einer zweiten Phase sollen cannabishaltige Getränke und Esswaren freigegeben werden. Davon versprechen sich die Hersteller mehr Wachstum. Entwickelt werden vor allem Spirituosen mit Cannabisingredienzien, weil sich in den USA gezeigt hat, dass der Alkoholabsatz in Staaten mit Legalisierung um 15 Prozent gesunken ist. Dieser Verdrängungseffekt erklärt, warum der Alkoholkonzern Constellations Brands in Kanada eingestiegen ist und sich mit 10 Prozent an Canopy beteiligt.


Bilder: Kanada legalisiert Cannabis-Konsum


Gute Chancen rechnet sich auch der Rapper Snoop Dogg aus, ein Haschunternehmer der ersten Stunde. Er hofft, mit seinen Produkten Leafs by Snoop in Kanada Geld zu verdienen. «Snoop Dogg ist die Stimme der Reform», sagt er.

USA fallen zurück

Doch der kanadische Markt ist kleiner als der kalifornische, weshalb zusätzliche Absatzkanäle im Ausland erschlossen werden. Canopy hat Lizenzverträge mit Abnehmern in Holland, Spanien, Chile, Brasilien und Jamaica abgeschlossen und beliefert deutsche und dänische Apotheken mit medizinischem Cannabis. «Vielleicht sollten wir auch Nordkorea beliefern», scherzt Canopy-Chef Bruce Linton, «das würde die Spannungen etwas abbauen.»

Nichts von einer Reform ist dagegen in den USA zu sehen, obwohl 30 Bundesstaaten eine völlige oder medizinische Legalisierung beschlossen haben und 12 Prozent der Amerikaner regelmässig Hasch konsumieren. Die Regierung unter Führung des beinharten Justizministers Jeff Session will den Kampf gegen eine Öffnung sogar verschärfen und dürfte darin vom zunehmend konservativeren Bundesgericht bestätigt werden.

Dieses Wirrwarr macht den Import von kanadischem Hasch in den USA illegal. Die kanadische Justiz befürchtet deshalb, dass unbescholtene Bürger festgenommen und verurteilt werden, wenn sie nichtsahnend mit legal erworbenem Hasch in die USA einreisen. Versuche, die USA zu einer schonenden Gangart zu bewegen, blieben erfolglos.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.07.2018, 19:58 Uhr

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