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Geldpolitik: Nationalbank führt Negativzinsen ein

Die Schweizerische Nationalbank wird Guthaben auf ihren Girokonten, also die Guthaben der Banken bei der SNB, mit einem Zins in Höhe von 0,25 Prozent belasten.

Weitere Massnahme eingeführt: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Weitere Massnahme eingeführt: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Keystone

In ungestümen Zeiten wie dem drohenden Kollaps der russischen Wirtschaft tragen Anleger ihr Geld in sichere Häfen. Der Franken ist einer davon. Doch mit dem Ansturm wird er rar und teuer. Um die Währung unattraktiv zu machen, führt die Schweizerische Nationalbank (SNB) nun auch Negativzinsen ein.

Der Negativzins wird ab dem 22. Januar erhoben. Banken müssen dann für einen Teil ihres Geldes, das sie auf den Girokonten der SNB halten, Strafzinsen von 0,25 Prozent bezahlen. Dabei gibt es Freibeträge: Mindestens 10 Millionen Franken oder das 20-fache der gesetzlich geforderten Mindestreserven.

Parkieren die Banken Gelder über diesen Schwellenwerten bei der SNB, müssen sie dafür bezahlen. Das Halten von Liquidität wird also teurer. Es ist davon auszugehen, dass die Banken ihren Grosskunden - beispielsweise Hedgefonds - diese Negativzinsen weiter verrechnen und den «sicheren Hafen Franken» damit teurer und unattraktiver machen.

Der Entscheid sei nicht von anderen Zinssenkungen, die eine Zentralbank vornehme, zu unterscheiden, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag vor den Medien. «Auch dort müssen die Banken überlegen, wie sie ihre Kredit- und Einlagekonditionen an die geänderten Zinsverhältnisse auf dem Geldmarkt anpassen», sagte er.

Im Euroraum, wo die Europäische Zentralbank EZB die Negativzinsen auf Bankeinlagen bereits im Juni eingeführt hat, geben die Institute Kosten vereinzelt an die Kunden weiter. Die Commerzbank etwa, die zweitgrösste Bank Deutschlands, belastet einzelne grossen Firmenkunden mit einer Guthabengebühr. Das Geld auf dem Konto wird also nicht mehr, sondern weniger.

Vorerst kaum Negativzinsen für Kleinsparer

Dass die Schweizer Banken die Negativzinsen auf Kleinsparer abwälzen, glaubt Jordan nicht. Zwar nehme die SNB keinen Einfluss auf die Geschäftsentscheidungen der Banken. Die Verzinsung der Kundeneinlagen liege im Ermessen der Geschäftsbanken. «Ich gehe davon aus, dass es für die Banken keinen Sinn macht, die Kleinsparer mit Negativzinsen zu belasten», sagte Jordan. Die Banken seien interessiert an einem robusten Anteil Depositkunden.

Die Geschäftsbanken gaben sich in ersten Stellungnahmen denn auch kundenfreundlich: Weder die Zürcher Kantonalbank (ZKB) noch die Raiffeisen oder Postfinance wollen Privatkunden oder KMU mit dem Negativzins belasten. Doch Experten halten es für möglich, dass die Spar- und Anlagezinsen weiter Richtung null sinken und Spesen sowie Gebühren steigen könnten.

Für den Immobilienmarkt erwartet der SNB-Präsident keine grossen Auswirkungen. Die Hypothekarzinssätze sind bereits tief. Die Banken müssten aber weiterhin vorsichtig sein. Die Warnung vor einer Blase gelte weiterhin.

Jordan bekräftigte, dass die SNB die Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken pro Euro weiterhin mit aller Konsequenz durchsetze. Sie habe in den letzten Wochen am Devisenmarkt interveniert, bestätigte er. Der Mindestkurs bleibe das zentrale Instrument, um die Aufwertung des Frankens zu verhindern. Die Negativzinsen werden denn auch eingeführt, um den Mindestkurs zu unterstützen. Greift die Massnahme nicht, wird die SNB nochmals an der Zinsschraube drehen.

Kein konkretes Libor-Ziel

Mit der Massnahme will sie Libor-Satz, zu dem sich die Banken untereinander Geld ausleihen, in den negativen Bereich bringen. Einen konkreten Zielwert für den Libor nannte Jordan allerdings nicht.

Die SNB dehnt aber ihr Zielband für den Dreimonats-Libor auf -0,75 bis 0,25 Prozent aus und erweitert es auf früher die übliche Breite von einem Prozentpunkt. Seit 2011 strebte die SNB ein Zielband beim Libor zwischen 0 bis 0,25 Prozent an.

Der Negativzins ist zwar für die Schweiz eine ungewöhnliche Massnahme, aber nicht gänzlich neu: In den 1970er Jahren wurden auf Guthaben von Ausländern Kommissionsbelastungen erhoben, was aber nur mässig erfolgreich war. Die Methode und die Rahmenbedingungen von damals sind mit heute kaum vergleichbar.

(SDA)

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