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Fünf Gründe, warum der Euro nicht abstürzen wird

Die Angst, dass das «linke» Wochenende einen Schwächeanfall der Einheitswährung zur Folge haben wird, ist unbegründet.

Beugen sich einzig den Gesetzen der Schwerkraft: 2-Euro-Münzen fallen aus einer Prägemaschine in Brüssel. (27. Januar 2012)
Beugen sich einzig den Gesetzen der Schwerkraft: 2-Euro-Münzen fallen aus einer Prägemaschine in Brüssel. (27. Januar 2012)
Dirk Waem, AFP

In Frankreich wird ein Sozialist zum Präsidenten gewählt, in Griechenland haben extreme Randparteien Aufwind, und in Grossbritannien erleiden die regierenden Konservativen bei Lokalwahlen eine schwere Schlappe: In Europa haben sich die politischen Gleichgewichte am vergangenen Wochenende massiv verschoben. «Merkozy», die Austeriätspolitik unter deutscher Führung, ist diskreditiert worden. Folgt jetzt die Rache der Finanzmärkte? Fällt der Kurs des Euro ins Bodenlose? Kaum. Hier sind fünf Gründe, die einen Eurocrash wenig wahrscheinlich machen:

Erstens: Es gibt gar keine Alternativen. «Gegenüber welcher Währung sollte der Euro noch stark fallen», fragt sich Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, zu Recht. Der Dollar hat im Hässlichkeitswettbewerb der Währungen derzeit schlechte Karten, denn die Schuldenlast der USA ist im Vergleich zu Euroland noch höher. Dasselbe gilt für das britische Pfund und den japanischen Yen. Auch der Franken wird nicht unter die ominöse 1.20-Grenze fallen. Dafür wird die Schweizerische Nationalbank sorgen, nötigenfalls mit der Druckerpresse.

Zweitens: Der neu gewählte französische Präsident François Hollande ist zwar Sozialist, aber einer der pragmatischen Sorte. Es ist wenig wahrscheinlich, dass er das Experiment von François Mitterand im Jahr 1981 wiederholen und eine extreme Sozialismus-Variante wählen wird. Hollande dürfte eine faire Gesellschaft nach skandinavischem Vorbild anstreben. Wie Schweden, Dänemark und Norwegen beweisen, verträgt sich das sehr gut mit einer international wettbewerbsfähigen Wirtschaft.

Drittens: Innerhalb der EU droht kein Polit-Krach. François Hollande kann auf sehr viel, wenn auch stille, Unterstützung von konservativer Seite zählen. So dürfte der spanischen Premierminister Mariano Rajoy innerlich aufgeatmet haben, als er das französische Wahlresultat erfuhr. Auch Spanien braucht dringend eine Abkehr von der harten Sparpolitik à la Merkel. Das gleiche gilt für Mario Monti und Italien.

Viertens: Ein schwacher Euro löst das Grundproblem nicht. Nicht der Kurs des Euro gegenüber Dollar und anderen Währungen verursacht Bauchweh, sondern das Ungleichgewicht innerhalb von Euroland. Obwohl Spanien nun einen rigorosen Sparkurs verfolgt, steigt sein Leistungsbilanzdefizit nach wie vor. Umgekehrt nehmen die deutschen Überschüsse immer noch zu. Daran ändert ein schwacher Euro überhaupt nichts. Es braucht eine unterschiedliche Entwicklung der Löhne und der Teuerung innerhalb der einzelnen Länder der Einheitswährung. Deshalb unterstützt neuerdings selbst der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble – sehr zum Ärger der Arbeitgeber – die Gewerkschaften beim Kampf um höhere Lohnabschlüsse, und deshalb fordert selbst der «Economist» die deutsche Bundesbank auf, eine höhere Inflation zuzulassen.

Fünftens: Ein schwacher Euro allein bringt auch Griechenland nicht wieder auf die Beine. Was in Athen in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird, ist unabsehbar. Doch Griechenland ist ökonomisch gesehen unbedeutend. Zudem dürfte auch François Hollande in dieser Frage nicht auf Konfrontationskurs gehen und den bisherigen Kurs der EU mittragen.

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