Die Banker sind am Sechseläuten nicht willkommen

Überraschend wenig Banker sind unter den Ehrengästen für das Sechseläuten zu finden. Nur gerade Konrad Hummler, Pierin Vincenz, Axel Weber und Thomas Jordan laufen Ende April am Umzug mit.

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Die Ehrengäste für das Sechseläuten 2014 umfassen überraschend wenig Banker. Weder UBS-CEO Sergio Ermotti noch CS-Chef Brady Dougan oder ZKB-Steuermann Martin Scholl sind von den Zünftern für den Umzug vom 28. April eingeladen worden. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Verantwortlichen die Parole «no bankers, please» herausgegeben hätten.

Ganz ohne Finanzleute geht das Volksfest zum Winterausklang dann aber doch nicht über die Bühne. Vier aktive oder ehemalige Grössen aus der Finanzindustrie werden zwischen Kutschen und Blumenfrauen durch die Zürcher Innenstadt marschieren und dem Volk zuwinken. Es sind dies Konrad Hummler, einstiger Bank-Wegelin-Partner, Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen-Gruppe, Axel Weber, Präsident der UBS sowie Thomas Jordan, Chef des Nationalbank-Direktoriums.

Weber trifft auf Schneider-Ammann

Interessant ist die Teilnahme von Konrad Hummler. Der Mann, der durch die Angriffe aus den USA eine Zeit lang zur Persona non grata geworden war und den Spitzenpolitiker als Verräter brandmarkten, feiert ein kleines Comeback. Noch vor Jahresfrist schlug er eine Einladung von der Zunft Hard aus, nun hat er eine zweite vom gleichen Absender angenommen.

Axel Weber wird standesgemäss bei der besonders vornehmen Constaffel-Zunft mit seinen Mitgliedern hoch zu Ross mit von der Partie sein. Weber hat als Kapitän der Grossbank UBS über sechs Millionen Franken für das letzte Geschäftsjahr bezogen. Bei der Constaffel wird der Deutsche auf Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann treffen, den die Zunft ebenfalls als Gast eingeladen hat.

Pierin Vincenz, der Chef der «Bauern»-Bank Raiffeisen, ist nicht bei einer elitären «alten» Zunft wie Constaffel, Kämbel und Meisen dabei, sondern bei einer «neuen», jener von Oberstrass. So heisst ein Quartier in Zürich, und dort wird Vincenz auf eine hohe Offiziersfrau der Armee treffen.

SNB-Chef Thomas Jordan schliesslich folgte einer Einladung der Zunft zur Schmiden, die ebenfalls zu den alten Vereinigungen gehört und nach Meinung vieler das schönste Zunfthaus besitzt. Dieses liegt an der Marktgasse, mitten in der Altstadt rechts von der Limmat. Jordan hat den wohl farbigsten Ehrengastkollegen des ganzen Umzugs. Es ist der Satiriker Andreas Thiel, der durch extravagante Auftritte bekannt wurde.

Das Verhalten der Bankenchefs gibt weiter zu reden

Dass die sogenannten Bonus-Banker fehlen, hat möglicherweise mit der Stimmung in Zürcher Unternehmer- und Freiberuflerkreisen zu tun. Vor allem das Verhalten der Bankenchefs in der US-Steuerkrise gibt dort zu reden. Es herrscht der Eindruck vor, dass die obersten Lenker den USA Subalterne aushändigen, während sie selbst weiterhin hohe Entschädigungen einsacken. Verantwortung übernehmen würde anders aussehen – so ein verbreiteter Eindruck.

Ins Bild passt die Einladung an Konrad Hummler. Auf den einstigen Star des Schweizer Bankings prasselte viel Kritik und Häme nieder. Eines kann man dem tief gefallenen Ostschweizer aber nicht absprechen: Er fand für seine im US-Kanonendonner stehende Wegelin eine Lösung bei der Raiffeisen-Gruppe, und er stellte sich zusammen mit seinen Partnern der US-Justiz für die zur Unzeit aufgenommenen Amerika-Schwarzgeldkunden. Hummler zahlte dafür nicht nur mit dem Verlust seiner Bank, sondern auch mit dem Liebesentzug der Elite. Die NZZ trennte sich vom Ostschweizer als Präsident des Verwaltungsrats. Nun erweisen ihm die Zürcher Zünfter die Ehre.

DerBund.ch/Newsnet

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