Zum Hauptinhalt springen

Das Verlustgeschäft mit dem Schweizer Franken

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank hat die Devisenmärkte durchgerüttelt – und manchem privaten Händler happige Verluste eingebracht.

Der Franken sprang nach der überraschenden Ankündigung der SNB zwischenzeitlich um etwa 30 Prozent nach oben: Eine Tafel mit den Wechselkursen in Warschau, Polen. (16. Januar 2015)
Der Franken sprang nach der überraschenden Ankündigung der SNB zwischenzeitlich um etwa 30 Prozent nach oben: Eine Tafel mit den Wechselkursen in Warschau, Polen. (16. Januar 2015)
Adam Stepien, Reuters

Noch im Bett schaltete Simon Mammon am vergangenen Donnerstag um halb fünf Uhr morgens seinen Computer an. Er wollte überprüfen, wie sich sein Einsatz auf den Schweizer Franken entwickelte – und sah gerade noch, wie dieser zusammenbrach. An diesem Tag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) verkündet, dass sie den Euromindestkurs aufheben werde. Der Franken war ab sofort nicht mehr gegen eine Aufwertung geschützt – Mammon aber, ein Cafébesitzer aus Manhattan, hatte darauf gesetzt, dass der Franken gegenüber dem Euro an Wert verlieren würde. Während die Wette während der vergangenen drei Wochen mehr oder weniger stabil geblieben war, verlor sie nun innert Kürze um mehrere Tausend Dollars.

Mammon sagt gegenüber dem «Wall Street Journal», er habe durch den SNB-Entscheid Verluste in fünfstelliger Höhe erlitten. Damit dürfte er bei weitem nicht der Einzige gewesen sein. Und nicht nur private Devisenhändler, auch Firmen leiden: So musste etwa FXCM, ein US-Onlinebroker für Kleinanleger, mit einem Notkredit über 300 Millionen Dollar gerettet werden, nachdem die Aktie um mehr als 70 Prozent gefallen war. In den USA müssen nur 2 Prozent der gehandelten Währungssumme tatsächlich abgedeckt sein. Die Kundenverluste, die über die Einlagen hinausgehen, müssen vom Händler ausgeglichen werden.

Der britische Wettbewerber Alpari UK meldete sogar Insolvenz an. Die Franken-Freigabe habe zu extremen Schwankungen und zum Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, teilte Alpari auf seiner Internetseite mit. «Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitt, die ihr Einlagenkapital überstiegen. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht», heisst es weiter.

Devisenhändler aus Europa und Asien

Die Turbulenzen an den Devisenmärkten nach dem SNB-Entscheid gaben den Kritikern des Retail-Devisenhandels neuen Schub: Sie bemängeln, dass skrupellose oder unerfahrene Investoren unverhältnismässige Risiken auf sich nehmen, indem sie grosse Summen von geliehenem Geld investieren.

Wie das «Wall Street Journal» schreibt, stammen gemäss Annahmen des Finanzdienstleisters Citigroup Inc. von den weltweit geschätzten vier Millionen privaten Devisenhändlern die meisten aus Europa und Asien, sind männlich und im Durchschnitt 35 Jahre alt. Nur 30 Prozent von ihnen erzielen demnach jeden Monat Gewinne. Rund zwei Drittel der US-Kunden des Onlinebrokers FXCM verloren in jedem Quartal Geld. Experten äussern nun die Hoffnung, dass der «schwarze Donnerstag» dazu führe, dass das Kleinanlegergeschäft besser überwacht werde.

Und für manche Händler war der SNB-Entscheid ein Segen: Am frühen Donnerstagmorgen spekulierte etwa Duane Sloane aus New Jersey darauf, dass der Franken gegenüber dem Yen zulegen würde. Weil er nicht schlafen konnte, verfolgte er die Wechselkurse auf seinem Handy, in der Erwartung, dass der Franken anstieg. Seine Rechnung ging auf – innerhalb von einer Stunde stieg sein Kontostand von 361 Dollar auf 2703 Dollar. «Um ehrlich zu sein», sagt Sloan, «ich hatte einfach nur Glück.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch