«Das kann manche hart treffen»

Wer heute einen Vertrag mit hoher Miete unterschreibt, könnte bei einem Ansteigen der Zinsen in Schwierigkeiten geraten – weil er dann noch mehr zahlen muss.

Wer heute einen Vertrag mit einer sehr hohen Miete abschliesst, wird nach der Anpassung noch mehr zahlen müssen.

Wer heute einen Vertrag mit einer sehr hohen Miete abschliesst, wird nach der Anpassung noch mehr zahlen müssen. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Mietpreise sind seit dem Jahr 2000 in fast allen Schweizer Gemeinden gestiegen – in einigen massiv, in anderen weniger. Wie geht es nun weiter?
In Zürich, Lausanne, Genf und Basel dürften die Mieten weitersteigen, denn die Zentralisierung wird sich noch akzentuieren. In den Steueroasen rechne ich dagegen nicht mit einem starken Anstieg. Hier sind die Mieten bereits heute sehr hoch. Und möglicherweise müssen Kantone wie Schwyz bei der Infrastruktur sparen, weil sie die Auswirkungen des Finanzausgleichs unterschätzt haben. Kommt hinzu, dass Gutverdiener, die in solche Orte ziehen, lieber ein Haus kaufen als eine Wohnung mieten.

Wo werden die Mieten besonders stark steigen? Und wie stark?
Das Ausmass hängt massgeblich von der Umsetzung der Masseneinwanderungs­initiative ab – und natürlich von der Konjunktur. Am meisten Potenzial haben jene Gebiete, in denen der öffentliche Verkehr verbessert wird. Ich denke etwa an die Region zwischen Winterthur und Frauenfeld sowie ans Limmattal. Die ­Anbindung per Bahn und Bus ist für Mieter enorm wichtig, wogegen Hauseigentümer stärker auf die Erschliessung mit der Strasse achten.

Wo werden die Mieten moderat bleiben?
In strukturschwachen Gebieten wie dem Emmental, dem Entlebuch und dem Jura. Da wird sich wahrscheinlich wenig ändern.

In etlichen Regionen müssen heute Neumieter massiv mehr bezahlen als bestehende Mieter. Wird sich diese Schere weiter öffnen?
Wenn die Zinsen wieder steigen, dürfte sich die Schere vielmehr etwas schliessen. Dann werden nämlich die bestehenden Mieten aufgrund des höheren Referenzzinssatzes nach oben angepasst. Also nähern sich Bestandes- und Angebotsmiete an. Eine solche Entwicklung ist aber erst mittelfristig vorstellbar. Kommt es zu einem solchen Zinsanstieg, kann er da und dort zu Problemen führen.

Inwiefern?
Wer heute einen Vertrag mit einer sehr hohen Miete abschliesst, wird nach der Anpassung noch mehr zahlen müssen. Das kann manche hart treffen. Möglicherweise lassen sich die Mietzinser­höhungen in solchen Fällen aber nicht überall durchsetzen, weil die Mieter sonst ausziehen.

Dies dürfte aufgrund der Wohnungsnot nicht ganz einfach sein.
Je knapper das Angebot, desto schwieriger ist ein Wohnungswechsel – das ist klar. Umso wichtiger wäre es, dass genügend Wohnungen auf dem Markt sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.10.2015, 19:31 Uhr

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