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Das Comeback des Dollars

Jetzt bekommt man für einen Dollar bald wieder einen Franken. Vier Gründe, warum der Greenback wieder zulegt – und zwei, weshalb sich das auch wieder ändern könnte.

Der Bulle im Bowling Green Park nahe der Wall Street gilt als Zeichen für den Optimismus der Börse.
Der Bulle im Bowling Green Park nahe der Wall Street gilt als Zeichen für den Optimismus der Börse.
Reuters
Was in Europa angestrebt wird, kennen die USA seit langem: eine Bankenunion. So konnten unter anderem die fünf grössten US-Banken (auf dem Bild der neue Sitz der Bank of America in Charlotte, North Carolina) schlechte Kredite abschreiben und frisches Kapital aufnehmen. (11. Juli 2012)
Was in Europa angestrebt wird, kennen die USA seit langem: eine Bankenunion. So konnten unter anderem die fünf grössten US-Banken (auf dem Bild der neue Sitz der Bank of America in Charlotte, North Carolina) schlechte Kredite abschreiben und frisches Kapital aufnehmen. (11. Juli 2012)
AFP
... zum anderen haben die USA mit dem Vermächtnis von George W. Bush zu kämpfen. Das Auslaufen der von seiner Regierung beschlossenen Steuersenkungen trifft jetzt auf rigorose Sparmassnahmen. Im schlimmsten Fall könnte dies eine zweite Rezession auslösen. (31. Mai 2012)
... zum anderen haben die USA mit dem Vermächtnis von George W. Bush zu kämpfen. Das Auslaufen der von seiner Regierung beschlossenen Steuersenkungen trifft jetzt auf rigorose Sparmassnahmen. Im schlimmsten Fall könnte dies eine zweite Rezession auslösen. (31. Mai 2012)
AFP
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Vor einem Jahr lag der Kurs des Dollars unter 80 Rappen, und für viele Kommentatoren war der Zerfall der USA eine beschlossene Sache: zu hohe Schulden, zu schlecht ausgebildete Arbeitskräfte und ein politisches Chaos, lautete die Diagnose der einstigen Supermacht. Jetzt bekommt man für einen Dollar bald wieder einen Franken, und als Sündenbock für die schlappe Weltwirtschaft gilt neuerdings Europa. Was hat sich verändert? Vier Gründe für das erstaunliche Comeback der US-Währung.

Erstens: Was in Europa nun angestrebt wird, kennen die USA seit langem, eine Bankenunion. Die Folgen sind segensreich: Das amerikanische System wurde nach dem Lehman-Kollaps im Herbst 2008 zuerst mit Geld geflutet (mit dem Tarp-Programm) und danach rigoros ausgemistet. Allein die fünf grössten US-Banken haben inzwischen 500 Milliarden Dollar schlechte Kredite abgeschrieben und 318 Milliarden Dollar frisches Kapital aufgenommen. Banken, die kein neues Geld erhielten, sind rigoros ausgemerzt worden. Insgesamt waren das 445 oder anders ausgedrückt: Seit 2008 sind in Amerika pro Woche zwei Banken geschlossen worden. Während das europäische Bankensystem weiter am stark geschwächten Tropf der Europäischen Zentralbank hängt, gilt das amerikanische als saniert.

Zweitens: Der aufgeblähte US-Immobilienmarkt mit seinen Subprime-Hypotheken hat die Krise zwar ausgelöst. Heute haben sich die Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt: Die Häuserpreise haben Boden gefunden, ja sie gelten gar wieder als Schnäppchen. Der Immobilien-Index des «Economist» zeigt an, dass amerikanische Immobilien heute durchschnittlich 19 Prozent unter ihrem eigentlichen Wert («fair value») gehandelt werden. Die jahrelang sinkenden Immobilienpreise waren einer der Hauptgründe für die langsame Erholung der US-Wirtschaft.

Drittens: Innovation ist nach wie vor ein Trumpf der amerikanischen Wirtschaft, nicht nur was Boeing und Hollywood betrifft. Die neue App-Ökonomie von Facebook, Apple, Google & Co. bringt Produkte hervor, die weltweit begehrt sind und in den USA in den letzten Jahren rund 300'000 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Dank dem schwachen Dollar haben zudem auch andere Firmen ihre Chancen auf den Exportmärkten genutzt. Das US-Leistungsdefizit ist von sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) im Jahre 2006 auf heute vier Prozent geschrumpft.

Viertens: Die wichtigste Innovation haben die Amerikaner im Energiesektor vollbracht. Dank einer neuen Fördertechnik, dem sogenannten Fracking, hat sich in diesem Bereich eine stille Revolution abgespielt. Die Folgen sind dramatisch: Die Ölproduktion ist auf 5,7 Millionen Fass pro Tag gestiegen, und die Gaspreise sind massiv gesunken. Dabei steht die Fracking-Revolution erst am Anfang. Optimisten sprechen bereits von den USA als neuem Saudiarabien. Das mag übertriebene Spekulation sein. Sicher ist, dass sich Öl und Gas bereits jetzt segensreich auf die US-Wirtschaft auswirken. Dank gestiegener einheimischer Produktion sind die Ölimporte deutlich gesunken und damit auch das Handelsdefizit. Gleichzeitig werden neue Arbeitsplätze in bisher sehr unwirtlichen Gebieten geschaffen, beispielsweise in North Dakota. Öl und Gas sind zudem die Grundlage für viele Produkte, hauptsächlich im Chemie- und Düngerbereich. Dank billigem Schiefergas entstehen auch in diesen Branchen neue Arbeitsplätze.

Die Gegenwart ist nach wie vor getrübt

Die Aussichten der amerikanischen Wirtschaft sind insgesamt deutlich besser geworden. Die Gegenwart hingegen ist nach wie vor getrübt. Die Arbeitslosenquote pendelt um die 8-Prozent-Grenze. Die Staatsschulden sind hoch, und eine Besserung ist nicht in Sicht: Auch 2013 wird die Neuverschuldung wahrscheinlich bei 5 Prozent des BIP liegen. Zudem leiden auch die USA unter der schwachen Verfassung der Weltwirtschaft. Der IWF hat soeben seine Prognosen nach unten korrigiert – auf 3,5 Prozent Wachstum im laufenden und knapp vier Prozent im kommenden Jahr. Es gibt aber auch zwei hausgemachte Gründe, die der US-Wirtschaft zusetzen könnten.

Erstens: Die Krise hat die wirtschaftliche Lage des breiten Mittelstandes geschwächt. Löhne und Einkommen haben nicht nur stagniert, sondern sind teils massiv gesunken. Gleichzeitig sind die Schulden der privaten Haushalte noch längst nicht abgetragen. Beides zusammen schwächt langfristig die Nachfrage.

Zweitens: Die politische Blockade in Washington könnte Ende Jahr zu einem sogenannten «fiscal cliff» führen. Darunter versteht man das Auslaufen der von der Regierung Bush beschlossenen Steuersenkungen bei gleichzeitigem Einsetzen von rigorosen Sparmassnahmen. Beides zusammen könnte der US-Wirtschaft einen Schock versetzen und könnte im schlimmsten Fall sogar eine zweite Rezession auslösen.

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