Versteckte Kosten: Schweizer Kreditkarten im Check

Bei über 150 Angeboten lohnt es sich, genau hinzuschauen. Der grosse Vergleich für drei Einkommensklassen.

Kartennutzer sollten sich fragen, welche Leistungen sie wirklich möchten: Eine Frau bezahlt mit ihrer Kreditkarte. Foto: Keystone

Kartennutzer sollten sich fragen, welche Leistungen sie wirklich möchten: Eine Frau bezahlt mit ihrer Kreditkarte. Foto: Keystone

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Noch ist die Schweiz keine bargeldlose Gesellschaft. Aber auch hierzulande geniesst das Zahlen per Kreditkarte grosse Beliebtheit. Gemäss einer Erhebung des unabhängigen Online-Vergleichsdiensts Moneyland.ch benutzen 85 Prozent der erwachsenen Befragten eine Kreditkarte, 40 Prozent besitzen gar zwei oder mehr dieser Plastikkarten.

«Vielen Kreditkartennutzern ist gar nicht bewusst, wie hoch die anfallenden Gebühren sein können», sagt Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz. Für diese «Finanz-Checks» hat Moneyland.ch für die drei fiktiven Personen Andi Aufstrebend, Rita Redlich und Siegfried Sicher die günstigsten Anbieter eruiert. Jeder der drei nutzt einen anderen Kartentyp. Während Andi Aufstrebend nur Standardkreditkarten möchte, setzt Rita Redlich auf Gold- und Siegfried Sicher gar auf die teuren und exklusiven Platinkarten.

Profil 1: Andi Aufstrebend

Andi Aufstrebend (30) verdient gut und treibt seinen Vermögensaufbau gezielt mit langfristigen Aktienanlagen voran. Das Privatkonto nutzt er wenig – Zahlungen und Geldbezüge stehen im Fokus. Als Millennial setzt er auf einen Robo Advisor, und in der Altersvorsorge liegt sein Schwerpunkt auf Aktien. Daneben handelt er wiederkehrend bei einem Online-Broker.

Einkommen: 100'000 Franken
Privatkonto: 5000 Franken
Online-Trading: Depotwert 50'000 Franken
Kreditkarte: Setzt seine Standardkarte ab und zu ein
Verwaltetes Vermögen: 50'000 Franken
Säule 3a: Fonds mit möglichst hohem Aktienanteil

Profil 2: Rita Redlich

Rita Redlich (45) hat sich in ihrem Unternehmen etabliert, ihr Lohn nähert sich der Maximalstufe. Sie konnte bislang einiges auf die Seite legen, verwaltet wird das Geld von einem Vermögensverwalter. Ab und zu handelt sie selbst mit Aktien. Das Privatkonto nutzt sie immer wieder. Ihr Anlagestil ist vorsichtiger geworden – in der dritten Säule bevorzugt sie defensive Fonds.

Einkommen: 200'000 Franken
Privatkonto: 40'000 Franken
Online-Trading: Depotwert 100'000 Franken
Kreditkarte: Setzt ihre Goldkarte gelegentlich ein
Verwaltetes Vermögen: 500'000 Franken
Säule 3a: Fonds mit Aktienanteil von maximal 40 Prozent

Profil 3: Siegfried Sicher

Siegfried Sicher (60) nähert sich der Pensionierung und hat die höchste Lohnstufe erreicht. Sein Privatkonto nutzt er rege, vor allem für Zahlungen. Der Anlagehorizont ist kürzer geworden, er setzt auf Sicherheit – sowohl bei seinem Vermögen wie auch in der dritten Säule, wo er nur noch Zinskonten besitzt. Bei seinem Online-Broker hält er wenige Aktien und ETF.

Einkommen: 300'000 Franken
Privatkonto: 50'000 Franken
Online-Trading: Depotwert 250'000 Franken
Kreditkarte: Setzt seine Platinkarte häufig ein
Verwaltetes Vermögen: 1'500'000 Franken
Säule 3a: Ausschliesslich Zinskonten

Für die Auswertung wurden jeweils die Kosten für zwei Jahre berücksichtigt. Denn die Gebühren des ersten Jahres sowie der Folgejahre können je nach Karte unterschiedlich ausfallen. Entscheidend für die Gesamtkosten einer Kreditkarte ist auch, auf welche Art sie eingesetzt wird. Bargeldbezüge an Fremdautomaten und Transaktionen im Ausland treiben die Kosten meist nach oben.

Die Auswahl ist gross: Mehr als 150 verschiedene Karten sind derzeit in der Schweiz erhältlich. Umso wichtiger ist ein Vergleich, der auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Andi Aufstrebend fährt gemäss Auswertung am besten mit einer der Gratiskreditkarten, die entweder von Cembra Money Bank oder Swisscard unter den Bezeichnungen Migros Cumulus, Coop Supercardplus oder Cozy Conforama herausgegeben werden (vgl. Tabelle). Unter der Annahme, dass die Karte nur ab und zu eingesetzt wird, spart Andi Aufstrebend damit einige Franken. Bei den übrigen Karten kostet allein schon die Jahresgebühr mehr als die Gesamtkosten der Gratiskarten. Allerdings entstehen nur bei der Inlandnutzung ohne Geldbezug keine Kosten.

Die günstigsten Kreditkarten im Vergleich

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Bei den Kreditkarten sind preislich massive Unterschiede zwischen den günstigsten und den teuersten Angeboten auffällig. So kostet beispielsweise die Miles & More Classic Visa oder die entsprechende Mastercard von Cornèrcard im vorliegenden Beispiel 320 Franken – im Vergleich zu den 19 Franken der Migros-Cumulus-Mastercard.

«Es ist eine Faustregel, dass teurere Kreditkarten häufig auch mehr Leistungen offerieren», sagt Benjamin Manz von Moneyland.ch. So lassen sich mit der Karte von Miles & More etwa zusätzlich Flugmeilen sammeln. «Kartennutzer sollten sich deshalb fragen, welche Leistungen sie wirklich möchten. Brauchen sie diese nicht, kann sich der Wechsel zu einer günstigeren Karte durchaus lohnen», so Manz weiter. Vor allem bei den Gold- und den Platinkarten kommen die zusätzlichen Dienstleistungen ins Spiel. Dies können etwa der Zugang zu Flughafen-Lounges, Reiseversicherungen oder Vergünstigungen jeglicher Art sein. Grundsätzlich gilt, dass Jahresgebühren von Goldkarten deutlich höher als die von Standardkarten sind und diejenigen von Platinkarten signifikant höher als die von Goldkarten.

Diese Erkenntnis zeigt sich beim Vergleich der Goldkartenangebote bei Rita Redlich. Preislich liegen sie in einem deutlich engeren Rahmen als bei den Standardkarten. Rita fährt am besten mit einer Goldkarte von Postfinance, etwas teurer sind die TCS Travel Mastercard Gold von Cembra Money Bank oder die Visa-Gold-Karte von Bonuscard.

Wer im Ausland mit der Kreditkarte einkauft, bezahlt eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr.

Bei den Platinkarten sticht für Siegfried Sicher das Angebot der Postfinance heraus. Unter den sieben in der Schweiz verfügbaren Karten ist sie mit Abstand die günstigste. Dank den tiefsten Jahresgebühren bleibt auch die Platinkarte von Bonuscard unter 1000 Franken. Wer mit der Kreditkarte viel Umsatz erzielt, hat gute Chancen, mit dem Herausgeber die Höhe der Jahresgebühr zu verhandeln.

Bei all diesen Zahlen, Gebühren und Kosten müssen sich Kreditkartenbenutzer laut Manz vor zwei Kostentreibern hüten: Teilzahlungen oder die verspätete Zahlung der Kreditkartenrechnung werden mit Kreditzinsen bis zu 12 Prozent belastet. Und wer im Ausland mit der Kreditkarte einkauft, bezahlt eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr für Fremdwährungstransaktionen. Wird dies nicht beachtet, schützen bei intensiver Nutzung auch tiefe Jahresgebühren nicht vor einer hohen Rechnung.

Ein individueller Vergleich kann auf moneyland.ch erstellt werden.


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Erstellt: 25.10.2018, 15:59 Uhr

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