Eine Wohnung zu kaufen, wird unerreichbar

Wohneigentum: Der Nationalbank-Chef macht mit harten Kriterien für Hypotheken den Mittelstand zum Gegner.

Auswegslose Situation für den Mittelstand: Wohneigentum ist kaum noch finanzierbar. Bild: Urs Jaudas

Auswegslose Situation für den Mittelstand: Wohneigentum ist kaum noch finanzierbar. Bild: Urs Jaudas

Andreas Valda@ValdaSui

Das Nationalbankdirektorium zündelt an einer gesellschaftspolitischen Bombe. Es fordert verschärfte Bedingungen für die Vergabe von Wohnhypotheken. Die News platzte gestern. Die Inlandbanken seien noch immer zu locker in der Vergabe von Krediten für Wohnungen und Häuser. Dieser Trend müsse gestoppt werden.

Zwar hebt die SNB vor allem Probleme bei Renditeimmobilien hervor und drängt dort auf höhere Kreditvergabehürden. Doch Beobachter gehen davon aus, dass sie auch eine härtere Vergabepraxis für Kredite auf selbstbewohntes Eigentum durchsetzen wird. Das Indiz? Die SNB hat entdeckt, dass im selbst genutzten Eigentum der Anteil der neuen Hypotheken steigt, bei denen Banken sich nicht an die heutigen, bereits harten Vergabekriterien der Aufsicht halten.

Mittelstand in der Mieterfalle

Dabei verschweigt der SNB-Chef, dass eine harte Kreditvergabepraxis den Zugang zu Wohneigentum abwürgt. Konnte ein Normalverdiener in Kleinstädten vor fünfzehn Jahren mit 80'000 Franken Kapital ein Reiheneinfamilienhaus kaufen, das eine halbe Million kostete, braucht er heute das Doppelte bis Vierfache für etwas Vergleichbares, damit die Bank den Kredit bewilligt. Ein Hauptgrund sind die von der SNB und der Finanzmarktaufsicht (Finma) verlangten harten Vergabekriterien.

Damit nimmt Jordan Normalverdienern nicht nur die Chance zum Aufstieg. Er beraubt sie auch der Möglichkeit, der sogenannten Mieterfalle zu entrinnen. Diese Falle besteht darin, dass Paare und junge Familien in stadtnahen Gebieten mit höheren Marktmieten konfrontiert sind, die ihr verfügbares Einkommen auffressen und das Ansparen für Wohneigentum verhindern.

Diese Paare und jungen Familien sind nicht dumm. Sie rechnen sich aus, dass ihre gleichaltrigen Bekannten, die familiär das Glück hatten, früh eine Wohnimmobilie zu kaufen, nur halb so viel Kreditzins zahlen im Vergleich zur Miete eines vergleichbaren Objekts. Und selbst wenn man die Amortisierung addiert, ist ihre Belastung immer noch gleich oder tiefer als der Mietzins.

Zwei Beispiele

  • Wie die heute von der SNB und Finma verordnete Praxis funktioniert, zeigt das folgende Beispiel. Das Paar C. (49) und A. (50) mit drei Kindern verdient 14 000 Franken monatlich. Damit gehören sie statistisch zur oberen Mittelschicht. Sie haben rund 200'000 Franken Kapital und könnten sich mithilfe einer Bank eine Wohnung für eine Million leisten. Für diese würden sie monatlich 950 Franken Zins zahlen und weitere rund 850 Franken Unterhalt. Netto kämen sie auf bloss 1800 Franken Kosten. Das ist um ein Drittel weniger als die Miete, die sie für eine Vierzimmerwohnung in der Stadt bezahlen. Mit dieser Differenz von 900 Franken monatlich könnten sie die Hypothek innert zehn Jahren deutlich reduzieren. Dennoch lehnten Banken einen Kredit mit Hinweis auf die SNB- und Finma-Vergabekriterien ab. Es sei zu erwarten, dass das Paar in 15 Jahren (!) – einmal pensioniert – einen rechnerischen Bankzins von 5 Prozent nicht decken könnte. Dieser ist 3-mal höher als der heutige Marktzins.
  • Ein zweites Beispiel: Der Ingenieur P. (43) und die Ärztin S. (41) mit zwei kleinen Kindern verdienen zusammen 17'000 Franken monatlich. Sie haben rund 200 000 Franken Kapital. In ihrer Wohnregion kosten die billigsten Einfamilienhäuser 1,4 Millionen. Doch Banken lehnten eine Finanzierung ab. Der Grund? Die SNB- und Finma-Regeln. Sie verlangen, dass das Paar mindestens 280'000 Franken Kapital einbringt.

Billiges Geld treibt Preise an

Die Immobilienpreise sind das zweite Problem. Was Jordan am Donnerstag nicht erwähnte, ist, dass die Tiefzinspolitik der Nationalbank sie mitverursacht: je tiefer die Zinsen, desto billiger Hypokredite, desto teurer Immobilien. Kein Wunder, stellt Jordan fest, dass die Wohnraumpreise bedrohlich stärker steigen als die Löhne. Und fordert dann schärfere Vergabekriterien, statt den Leitzins zu erhöhen, Kredite zu verteuern und die Immobilienpreise zu senken. Seine Massnahmen münden in Vergabekriterien, die Gutverdienende von Krediten ausschliessen.

Macht das Nationalbankdirektorium so weiter, werden immer mehr Leute des Mittelstands entdecken, dass sie ausweglos sind. Sie bluten als Mieter finanziell aus und gesellen sich zum radikaleren Teil der Stimmbürger, die Eingriffe zur Senkungen von Wohnraumpreisen fordern.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt